Neben den 73 Haltestellen-Anzeigen, die nur zwei oder vier Zeilen anzeigen können, wird es im linksrheinischen Rhein-Sieg-Kreis fünf „Mobilstationen“ geben, die mehr können. Die erste steht nun in Berkum.
Busankunft nach SatellitendatenRVK installiert fünf Mobilstationen in Rhein-Sieg

Präsentieren das Förderprojekt dynamische Fahrgastinformation im Rhein-Sieg-Kreis (v.l.): Marcel Frank, Bürgermeister Jörg Schmidt, Tim Hahlen, Norbert Reinkober, Swen Christian, Vanessa Beyer und Frank Velte
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Noch zwei Minuten bis zum Eintreffen der Linie 881 zum Pecher Sportplatz, noch sieben bis zur Abfahrt der Linie 857 zum Bahnhof in Bad Godesberg. Dank der neuen Anzeigentafel am EKZ, dem Einkaufszentrum in Berkum, können Fahrgäste nun genau sehen, ob und wann der nächste Bus kommt.
Sechs Fahrten im Voraus lässt die Anzeige wissen, welche Busse hier zu erwarten sind. An diesem Mittag zeigte das System gleich vier Busse innerhalb von 36 Minuten nach Godesberg an. Praktisch an der neuen Anzeige ist auch der Hinweis auf den Halteplatz des Busses. Der Bahnsteig ist zwar überschaubar, aber doch mehrere Fahrzeuge lang, und so ist er in Abschnitte eingeteilt, denen Buchstaben zugeordnet sind. Der Bus nach Pech fährt von Haltestelle A ab, der nach Godesberg von C und einer, der den Meckenheimer Bahnhof zum Ziel hat, von B.
„Dynamische Fahrgastinformation“ nennen der Nahverkehr Rheinland und die Regionalverkehr Köln GmbH (RVK) diese Anlagen, von denen nun insgesamt 140 im linksrheinischen Rhein-Sieg-Kreis installiert werden. Der Nahverkehr Rheinland fördert das Projekt mit 90 Prozent der Kosten, und die betragen im Linksrheinischen 1,25 Millionen Euro. Allerdings sind nicht alle Anzeigetafeln so umfangreich wie die am EKZ in Berkum.
73 Haltestellen mit Solarpaneelen
Das Projekt war im Mai mit der Installation von zwei- oder vierzeiligen Anzeigegeräten gestartet. 73 Haltestellen in Alfter, Bornheim, Meckenheim, Rheinbach, Swisttal und Wachtberg standen auf der Liste. Sie funktionieren mit Solarstrom, der vor Ort eingefangen und in einer Batterie zwischengespeichert wird. Diese Batterien sollen mindestens acht Jahre lang halten.
Laut RVK geht der Ausbau nun mit „dynamischen Fahrgastinformationen im Design der NRW-Mobilstationen“ weiter. Fünf solcher Anlagen sollen an Verkehrsknotenpunkten errichtet werden, wie NVR-Geschäftsführer Norbert Reinkober ankündigte. Neben dem in Berkum eines am Bahnhof in Rheinbach, drei in Meckenheim: am Bahnhof, im Industriepark sowie am Le-Mée-Platz.
Die Zeiten in der Anzeige sind übrigens zuverlässiger als ein bloßer Blick in den Fahrplan. Denn die Abfahrtzeiten sind stets aktuell nach den GPS-Daten berechnet, also den mit Satellitentechnik ermittelten Aufenthaltsorten der Fahrzeuge. Auf diese Weise werden nicht nur Abweichungen vom Fahrplan erkannt, sondern automatisch auch Betriebsstörungen.
Ein Knopf für die Vorlesefunktion
Ein weiterer Knopf erlaubt es den Betreibern sogar, die Anlage „barrierefrei“ nennen zu dürfen. Das ist der „Push to talk“-Infoknopf. Der führt nicht etwa zu einem Gespräch mit der Zentrale, sondern liest den Bildschirminhalt vor, was für Menschen nützlich sein kann, die schlecht lesen können. Sie müssen dann nur wissen, wo der Knopf ist.
Die Mobilstationen sind mit 46-Zoll-Monitoren im Hochformat ausgestattet. So ist neben den sechs Busverbindungen auch noch ein Lageplan der Umgebung zu sehen, so dass auch klar wird, wo die mit Buchstaben gekennzeichneten Haltestellen zu suchen sind. Außerdem soll ein Bereich für „ÖPNV-Informationen oder nicht kommerzielle Werbung“ bereitstehen.
„Heute erwartet der Fahrgast eine aktuelle Information darüber, wann sein Bus wirklich kommt, ob der Anschluss beim Umsteigen erreicht wird und – wenn es einmal schlecht läuft – auch, warum Verspätungen oder Ausfälle auftreten“, sagte Tim Hahlen, Dezernent für Mobilität und Umwelt des Rhein-Sieg-Kreises. RVK-Geschäftsführer Marcel Frank hält Digitalisierung „gerade im ländlicher geprägten Raum“ für wichtig. Dies hätten auch die digitalen Ersatzhaltestellen gezeigt, die im vergangenen Jahr in Betrieb gegangen seien. Der Wachtberger Bürgermeister Jörg Schmidt freute sich, dass die erste größere Anlage in Berkum stehe, zumal sie eine verbesserte Mobilität biete.
