Ein Bär, ein Revolver und ein sprechendes Möbelstück machen den Dreiakter zur turbulenten Komödie, die Laien gerade in Oberbachem einstudieren.
Theaterprobe in WachtbergWann fliegt der Schwindel auf?

Theater-Sprech- und Stellprobe noch ohne Kostüme in Oberbachem. Drei schöpfen Verdacht: Michaela Zadeck, Christa Beißel und Silke Heuser.
Copyright: Manfred Reinnarth
Andrea Hoffmann hält sich den Revolver an den Kopf und drückt ab. Klick, macht das Theaterutensil, und Hoffmann tippt sich mit der Waffe an den Kopf, als wollte sie sich selbst einen Vogel zeigen. Gelächter bei der Theaterprobe in Oberbachem. Die Szene kommt so natürlich nicht im Stück „Mir sin dann ens fott“ vor, das die neun Darsteller vom Laienspielkreis gerade einstudieren, aber die spontane Abwandlung trug zur Entspannung bei. Und spannend sind die Proben allemal.
In der Geschichte, die im Original von Jonas Jetten stammt und vom ehemaligen zweiten Vorsitzenden Peter Caspari in die örtliche Mundart übertragen wurde, mimt Hoffmann eine Polizistin. Während der Proben stürmt sie mit gezogener Waffe auf die Bühne im Dorfsaal, um dann die beiden Gestalten, die sie verfolgt hat, nicht anzutreffen. Zum Verrücktwerden, und zum Schmunzeln. Dann spricht auch noch ein Einrichtungsgegenstand mit ihr, und der Zuschauer fragt sich zunehmend, wann fliegt der ganze Schwindel endlich auf?

Bianca Heinen (M. neben Renate Schaden als Mutter, r.) gibt sich schön pampig im Dialog mit dem Jungbauern von nebenan, dessen Rolle zur Probe Andrea Hoffmann spricht.
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Es ist also mal wieder eine turbulente Komödie, mit der die Theatergruppe ihren Fans wie gewohnt im Frühjahr Spaß bereiten will. Es geht um einen geerbten Bauernhof, zwei Männer auf Abwegen und Dorftratsch. Renate Schaden spielt Hilde Krings, die versucht, den Laden zusammenzuhalten, während Wilfried Beusing als ihr Mann Karl und ehemaliger Manager mit lauter „Optimierungen“ das Chaos entfacht. Rainer Hüffel packt als Nachbar Klaus Müller mit an und ist bald Teil einer ziemlich verrückten Idee, von der freilich auch seine Frau Anna Müller, dargestellt von Christa Beißel, nichts wissen darf.
Richtig Fahrt nimmt die Geschichte auf, als ein sprechender Spiegel ie Fantasie und Eitelkeiten der Nachbarinnen Lisa Maus (Michaela Zadeck) und Mona Maus (Silke Heuser) befeuert – da kocht die Gerüchteküche endgültig über. Zadeck und Heuser hatten ihre Theaterpremiere übrigens im vorigen Jahr beim Stück „Zwangseinquartierung“. Zwischen all dem versucht sich Bianca Heinen als Tochter Heike schön pampig einen Mann vom Hals zu halten, den Nachbarssohn, gespielt von Jochen Schmitz.
Der ehemalige Vorsitzende hat also nicht bloß von der verstorbenen Ruth Thelen die Spielleiterrolle übernommen, sondern muss auch noch den jungen Liebhaber spielen – eigentlich. Bei dieser Probe ist er jedoch krank, so dass Andrea Hoffmann den Text vorliest und Marietta Hüffel nicht bloß Spielassistenz ist, sondern die Probe leiten und „das ganze Große im Auge behalten“ muss, wie sie feststellt: „Ruth Thelen hat jeden Satz mitgesprochen, kannte immer alles in und auswendig, so viel Zeit haben wir aber nicht.“ Die begrenzte Zeit ist auch der Grund, warum es keine zweite Garnitur an Schauspielern gibt. „Wenn jemand ausfällt, müsste zur Not jemand mit dem Heft in der Hand die Rolle sprechen“, sagt Hüffel und beschließt gleich: „Es wird niemand krank!“
Am Konzept der Proben hat sich mit dem Tod der langjährigen Spielleiterin nichts geändert. „Wir lesen zwei oder dreimal am Tisch den ganzen Text, dann fangen wir aktweise auf der Bühne an“, sagt Hüffel und zeigt einen Plan, der genauso aussieht, wie in den Jahren zuvor. 20 Proben sind bis zur Karnevalspause verzeichnet, dann noch mal fünf inklusive Generalprobe.
Am 17. November hatte die erste Probe stattgefunden, und die Schauspieler entdecken nun gerade im dritten Akt das Bühnebild im Zusammenspiel mit ihrem Text. Bei dem achten nicht nur die Souffleusen Uta Dorfner, Bettina Ruland und Marie Therese Walgenbach darauf, dass kein Satz ausgelassen wird, sondern auch Hüffel hört genau zu. „Bitte sag' nicht verklickern, sondern erzählen“, weist sie eine Kollegin an, und verlangt von einer anderen Darstellerin, dass sie „aufschließt“ als „opschlüßt“ mit möglichst langem, hochgehenden ü ausspricht.
Ja, die regionalen Besonderheiten sind beim Dorftheater wichtig. So stammt der Bär, der angeblich die Lebensmittel aus dem „Fürrathsspind“ (dem Vorratsschrank) verschwinden lässt, aus einem Gehege in Fritzdorf. Und gerade leitet auf der Bühne Andrea Hoffmann das nächste Späßchen abseits der Regieanweisungen ein: „Wenn Du die Tür öffnest, erschreck ich mich“, sagt sie zu Renate Schaden. Und die wirft ein: „Dat Du dich erschreckst, wenn ich im Nachthemd rauskomme ...“

Doris Schledzinski bringt während der Theaterprobe noch schnell ein Bild an.
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Die Bühne wächst während der Proben noch mit. Zwar gibt es nur ein Bühnenbild, das mit geringen Umbauten das Voranschreiten um ein Jahr darstellen muss, doch Doris Schledzinski findet immer noch etwas zu ergänzen. „Gib mir mal den Hammer“, verlangt sie, und schon wird ein Bild von einem Baum an die Wand genagelt, mit dem die Schauspieler bei der Probe noch Spaß haben, weil es nämlich verrutscht ist.
Bis zu den Aufführungen wird jedoch alles sitzen: Requisiten, Kostüme und der Text. Techniker Thomas Beißel hat diesmal besonders viel zu tun. Er muss Hupen, Sirenen und vor allem die typischen Laute auf einem Bauernhof immer schön passend einspielen. Im Februar (am Samstag nach Karneval) ist Kartenverkauf, gespielt wird an drei Wochenenden im März.
Kartenverkauf in Oberbachem
Der Kartenvorverkauf findet am Samstag, 21. Februar, von 14 bis 16 Uhr im Dorfsaal Oberbachem statt. Der Kartenpreis ist auf 18 Euro festgesetzt.
Aufführungen im März
Gespielt wird an drei Wochenenden im März: Freitag, 6. März, 19.30 Uhr, Samstag, 7. März, 19.30 Uhr, Sonntag, 8. März, 11 Uhr und 17 Uhr, Montag, 9. März, 19.30 Uhr. Dann ab Freitag, 13. März im gleichen Rhythmus weitere fünf Aufführungen und ab dem 20. März weitere vier. Am letzten Wochenende entfällt nur die Montagsaufführung, weil abends noch die Einnahmen zur Ermittlung des Spendenergebnisses ausgezählt werden müssen. Denn jedes Jahr erhalten der Bunte Kreis sowie eine weitere, wechselnde Gruppe Geld aus der Theaterkasse.
