Abo

Schalttechnik fehltWachtberger Hallenbad weiter auf dem Trockenen

5 min
Sport- und Lehrbecken liegen immer noch trocken.

Sport- und Lehrbecken liegen immer noch trocken.

Zentrale Schalt- und Steueringstechnik fehlt immer noch: Kein Unternehmen gefunden, das erforderliche Arbeiten übernehmen kann.

Schwimmfreunde in Wachtberg bleiben weiter auf dem Trockenen. Die Gemeinde teilte jetzt mit, dass für das Hallenbad „nach wie vor leider noch kein Fertigstellungstermin genannt werden“ könne.

Der Grund: der immer noch nicht erneuerte Schaltkasten. Bürgermeister Swen Christian erläuterte dies auf Anfrage so: „Die Fertigstellung verzögert sich derzeit vor allem, weil für die noch ausstehende zentrale Steuerungs- und Regeltechnik bislang kein Unternehmen mit den erforderlichen Kapazitäten gefunden werden konnte.“

Eine Lösung für das Bad in Wachtberg zeichnet sich vorerst nicht ab

Nach Aussage des Bürgermeisters handelt es sich dabei um eine hochspezialisierte Leistung, für die nur wenige Anbieter in Betracht kämen. „Es ist schwierig einen Anbieter zu finden, der kurzfristig ausreichend Kapazitäten zur Verfügung stellen kann.“ Bisher, so ließ die Gemeinde zuletzt offiziell wissen, sei trotz bundesweiter Suche kein Planungsbüro gefunden worden, das eben über die nötigen Kapazitäten für die Konzeption, die Fertigung und den Einbau des unabdingbaren Schaltschranks verfüge. Und schlimmer noch: Leistungen, die der Gemeinde Wachtberg auf ihre Anfrage hin in Aussicht gestellt wurden, hätten sich nach Prüfung als nicht ausreichend erwiesen. Es werde weiterhin intensiv nach einer Lösung gesucht, „die sich für die nächsten Monate jedoch nicht abzeichnet“.

Die bisherigen Ausgaben liegen aktuell bei rund 3 Millionen Euro
Swen Christian, Bürgermeister

Und selbst wenn ein Spezialist für die Installation der Schaltzentrale gefunden ist, wird das Bad nicht von heute auf morgen seinen Betrieb wieder aufnehmen können. Nach Informationen der Verantwortlichen würden Planung, Fertigung und Einbau, wenn denn begonnen würde, auch noch mal vier bis sechs Monate dauern.

Die Verzögerungen erinnern ein bisschen an den Berliner Flughafen oder Stuttgart 21. Auch in Wachtberg ist es nun schon mehr als zwei Jahre her, dass das Hallenbad wegen unaufschiebbarer Sanierungsmaßnahmen geschlossen werden musste. Ursprünglich angedacht war, dass ein halbes   Jahr später in der rundum erneuerten Sportstätte Schwimmer wieder ihre Bahnen ziehen würden. Doch daraus wurde nichts. Schon im November 2025 war Bürgermeister Swen Christian deutlich zurückhaltender, was einen Wiedereröffnungstermin betraf und sprach gegenüber der Rundschau vom „Blick in die Glaskugel.   Eine seriöse Aussage darüber kann ich heute nicht treffen“.

Sanierung des Hallenbades: Baustellenbesuch im November 2025.

Sanierung des Hallenbades: Baustellenbesuch im November 2025.

Die Gründe für die Verzögerungen der vergangenen Monate waren aber nicht nur dem neu zu installierenden Schaltkasten, mit dem vorher niemand gerechnet hatte, geschuldet. Zwischenzeitlich wurde einem Fliesenleger gekündigt, das Gewerk erneut ausgeschrieben. Dann taten sich Haarrisse im Beton auf, die eine aufwendige Dichtigkeitsprüfung nach sich zogen.

Beim Schaltkasten im Technikraum des Bades, handelt es sich um das Herzstück des Bades, wie bei einem Ortstermin im vergangenen November Badleiter Max Grube erläuterte. Von dort aus werden die Technik, die Wasserqualität, die Sicherheit, die Temperatur und die Lüftung gesteuert. Alles sei hochkomplex und habe im Laufe der Sanierung durch Veränderungen am Wasserstrom immer wieder an die neuen realen Gegebenheiten angepasst werden müssen, was der alte Schaltkasten aber nicht mehr schaffte, wie Testläufe zeigten.

Badleiter Max Grube an der Steuerungseinheit.

Badleiter Max Grube an der Steuerungseinheit.

Die mehr als 50 Jahre alten Apparaturen kamen bei der veränderten Hydraulik nicht mehr mit, was bedeutete, dass der Schaltkasten doch erneuert werden muss. Andere Verzögerungen, Unwägbarkeiten, auftretende und bestehenden Mängel der vergangenen Monate verlagerten die Fertigstellungen damit deutlich ins Jahr 2026   und lesen sich weiterhin als Ärgernis.

So mussten neben der noch ausstehenden Steuerungs- und Regeltechnik einzelne bereits ausgeführte Arbeiten gutachterlich überprüft werden, so Christian. Einem vorliegenden Sachverständigengutachten entsprechend, wurde unter anderem ein Unternehmer unter Fristsetzung zur Nachbesserung von bereits erledigten Arbeiten aufgefordert. Dazu war ein erneuter Ortstermin mit dem Sachverständigen und dem betroffenen Unternehmen nötig, in dessen Rahmen die im Gutachten aufgeführten Punkte vor Ort besprochen, sowie das weitere Vorgehen zur Mängelbeseitigung abgestimmt wurden.

Wann eine Wiedereröffnung gefeiert werden kann, bleibt weiterhin unklar

Außerdem mussten zuletzt mehrere an der Sanierung beteiligte Unternehmen aufgefordert werden, die noch ausstehenden Restarbeiten auszuführen. Christian gibt sich diesbezüglich optimistisch: „Noch verbleibende Arbeiten werden aktuell in enger Abstimmung mit den beteiligten Unternehmen koordiniert und zeitnah abgeschlossen.“ Immerhin: Die Sachverständigenabnahme der Elektroarbeiten habe zwischenzeitlich stattgefunden und „ist positiv verlaufen“. Dabei wurden, so heißt es, „die ausgeführten Installationen durch einen unabhängigen Fachgutachter auf Einhaltung der technischen und sicherheitsrelevanten Anforderungen überprüft“.

Wann eine Wiedereröffnung des aus den 1970er Jahren stammenden Hallenbades gefeiert werden kann, bleibt weiterhin unklar. Bürgermeister Christian formuliert das so: „Ein verbindlicher Eröffnungstermin kann genannt werden, sobald ein Anbieter beauftragt wurde und ein belastbarer Zeitplan für Fertigung, Einbau und Inbetriebnahme vorliegt.

Die bisherigen Ausgaben liegen aktuell bei rund drei Millionen Euro

Für diese Arbeiten ist nach Beauftragung derzeit von einem Zeitraum von etwa vier bis sechs Monaten auszugehen. Anschließend folgen noch die abschließende Inbetriebnahme sowie die Übergabe an den Betreiber.“ Allein die Inbetriebnahme des Bads dürfte noch mal sechs bis acht Wochen beanspruchen, so dass von einer Öffnung des Bades in diesem Jahr kaum noch auszugehen ist. Und auch bei den Sanierungskosten gab es zuletzt keine guten Nachrichten. Statt der veranschlagten 2,2 Millionen Euro standen zuletzt hochgerechnet 3,8 Millionen Euro im Raum.

Christian macht folgende Rechnung auf: „Die bisherigen Ausgaben liegen aktuell bei rund drei Millionen Euro.“ Dies sei auch der aktuellen Finanzfortschreibung zu entnehmen. Die Mehrkosten erklärt er so: „Da es sich um eine Sanierung im Bestand handelt, sind zusätzliche notwendige Arbeiten erst im Zuge der Bauausführung erkennbar geworden. Dies hat zu Mehrkosten gegenüber den ursprünglichen Annahmen geführt.“ Weitere Kosten hält er aber für wenig wahrscheinlich: „Nach heutigem Kenntnisstand sind derzeit keine weiteren wesentlichen Kostensteigerungen absehbar.“