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Wie im „Godesburger“Bonn und Siegkreis wollen inklusiven Arbeitsmarkt in der Region

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BONN/RHEIN-SIEG-KREIS – Einen Drucker nur mit den Augen steuern, einen Schlosspark von Hand fegen statt einen nervtötenden Laubbläser einzusetzen, trotz psychischer Behinderung in Büro oder Küche einen guten Job machen: Das sind nur einige Beispiele, wie Menschen mit Behinderung wertvolle und sowohl für sich als auch das jeweilige Unternehmen gewinnbringende Arbeit leisten können.

Um dieses Thema ging es gestern im „Godesburger“, dem ersten inklusiven Restaurant der Bundesstadt, in dem sieben von zwölf Mitarbeitern eine Behinderung haben. Diesen symbolträchtigen Ort hatten sich Vertreter der Stadt Bonn, des Rhein-Sieg-Kreises, der Industrie- und Handelskammer (IHK) Bonn/Rhein-Sieg sowie etlicher Unternehmen ausgesucht, um die „bonn-rhein-sieg-fairbindet“-Kooperationsvereinbarung zu unterzeichnen. Ziel dieses Netzwerks (siehe Kasten) ist, Barrieren bei Betrieben hinsichtlich der Beschäftigung von Menschen mit Behinderung abzubauen, beiden Seiten als Lotse zu dienen und die Öffentlichkeit für „Inklusion in der Arbeitswelt“ zu sensibilisieren.

Der Bonner Oberbürgermeister Ashok Sridharan lobte die Idee, den Vertrag im „Godesburger“ zu unterzeichnen, als „gutes Zeichen“. Wie er hofft auch Rhein-Sieg-Landrat Sebastian Schuster, den inklusiven Arbeitsmarkt in der Region „flächendeckend mit Aussicht auf Erfolg“ voranbringen zu können. „Wir müssen Barrieren in den Köpfen der Entscheider abbauen“, ergänzte Wolfgang Pütz, Vorstand des Bonner Vereins für gemeindenahe Psychiatrie. Und: „Wir arbeiten daran, eine Win-win-Situation für die Unternehmen und die Menschen mit Behinderung zu schaffen.“

DAS NETZWERK

Das 2013 auf Initiative des Bonner Vereins für gemeindenahe Psychiatrie gegründete Netzwerk „bonnfairbindet“ wurde bis 2016 von der Aktion Mensch gefördert und danach ein Jahr von der Stadt Bonn. Das mit dem Inklusionspreis der Arbeitsgemeinschaft Gemeindepsychiatrie im Rheinland ausgezeichnete Vorbildprojekt wird jetzt auf den Rhein-Sieg-Kreis ausgeweitet. Zu den Netzwerkmitgliedern, die auch Geld geben wollen, zählen neben den beiden Verwaltungsspitzen und der IHK die Unternehmen Comdok, Bonner Werkstätten Lebenshilfe aus Hersel, Gezeiten Haus GmbH, GVP Gemeinnützige Werkstätten Bonn, Kinopolis, Telekom Baskets, rheinland relations und der Verein für gemeindenahe Psychiatrie, der das Netzwerk leitet.

IHK-Präsident Stefan Hagen versicherte, dass der Wille bei Betrieben, solche Mitarbeiter einzustellen, da sei. Er machte aber auch keinen Hehl daraus, dass der Fachkräftemangel Unternehmen wirtschaftlich zwingt, „sich neuen Ideen zu öffnen“. Die Sozialdezernentinnen von Bonn und vom Kreis, Carolin Krause und Annerose Heinze, betonten, dass noch viel Bewusstseinsbildung nötig sei, um mehr auf das Potenzial von Menschen zu schauen als auf die Handicaps.

www.bonnrheinsiegfairbindet.de