Rhein-Sieg-Kreis – Die Gründe dafür, sich auf das Coronavirus testen zu lassen, werden immer weniger. Die Inzidenzzahl sinkt fast überall. Im Rhein-Sieg-Kreis lag sie am Freitag nur noch bei zehn. Der Nachweis über ein negatives Ergebnis wird nur noch vereinzelt verlangt, Eiscafé und Freibad sind auch ohne möglich. Aber was passiert jetzt mit den Testzentren? Verschwinden sie genauso schnell wie sie aufgetaucht sind?
Ins Drive-In in Heimerzheim kamen am vergangenen Donnerstag viele aus einem ähnlichen Grund wie der 19-jährige Daniel: „Ich habe morgen Abschlussfeier in der Schule und bekomme mein Zeugnis, dafür muss ich mich testen lassen.“
Zwei weitere Mütter mit ihren Söhnen, die für die Abschlussfeier und Zeugnisübergabe am nächsten Tag ein negatives Ergebnis benötigten, standen mit ihren Autos in der Warteschlange. Viktoria Schmitz und ihre achtjährige Tochter Meggi freuten sich auf einen Kurzurlaub: „Wir fahren über das Wochenende nach Baltum und für die Fähre brauchen wir den Nachweis“, erklärte die Mutter. Nur einer der rund 20 Wartenden nannte als Anliegen für den Besuch im Drive-In noch Sicherheit und Familie.
Nachfrage bereits etwa halbiert
René Keuk von Keuk Medientechnik, auf deren Gelände das Heimerzheimer Drive-In steht, bestätigte, dass das Bedürfnis stark abgenommen hat. „Wir testen deutlich weniger, die Nachfrage hat sich ungefähr um die Hälfte reduziert“, sagt der Unternehmer, der noch von rund 200 Besuchern am Tag berichtet. Die Aussage passt zum allgemeinen Bild im Kreisgebiet: Von mehr als 100 000 pro Woche ist die Zahl laut Gesundheitsamt auf 64 000 innerhalb von sieben Tagen gesunken. In den 293 Zentren wurden insgesamt nur 134 positive Fälle aktenkundig.
„Wir schließen aber nicht direkt wieder, nur weil die Zahlen runter gehen. Wir bleiben so lange dabei, wie wir uns durch unsere soziale Verantwortung in der Pflicht fühlen“, erklärt Keuk, der davon ausgeht, dass nach den Sommerferien die Nachfrage noch einmal steigen wird. Dennoch passen die Swisttaler die Gegebenheiten bereits an: „Wir bestellen weniger Testkits auf Vorrat und stellen auch keine neuen Mitarbeiter mehr ein. Viele wechseln bereits zurück in die Gastronomie.“ Zudem plant die Firma, zunächst die Öffnungszeiten stufenweise herunterzufahren.
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Auch Lars Prior von der Firma Evation aus Rheinbach berichtet von ähnlichen Erfahrungen. Sein Unternehmen hatte Ende März die Teststraße in Rheinbach am Schornbuschweg ins Leben gerufen. „Wir haben nur noch eine statt zwei Straßen offen und noch rund 100 Kunden am Tag“, sagt der Unternehmer. Er sagt klar: „Wir machen solange weiter, wie unsere Kosten gedeckt werden. Wir betreiben die Straße in Kooperation mit der Stadt und wollen damit keinen Gewinn machen, aber unsere Kosten sollten gedeckt sein. Sobald es weniger als 50 Tests in den fünf Stunden pro Tag sind, ist das nicht mehr der Fall.“
Während den Sommerferien will Prior die Straße bereits für eine Woche schließen, damit die Mitarbeiter Urlaub machen können: „Wir werden nach den Ferien aber definitiv noch offen sein und anschließend zumindest in einer Art Bereitschaft, denn es weiß keiner, ob uns nicht der Boomerang trifft und die Zahlen nach den Ferien wieder in die Höhe schnellen.“
Bis zu 1000 Tests pro Tag am Pfingstwochenende
Während sich bei Evation in Rheinbach in den knapp 10 Wochen rund 15 000 Menschen testen ließen, waren es in Heimerzheim mehr als 20 000. Die Hochphase definieren beide, Prior und Keuk, an Ostern und am Pfingstwochenende. „An dem Samstag, als die Gastronomien wieder öffnen durften, da kamen fast 950 Leute an einem Tag“, berichtet Keuk. Prior erzählt von knapp 900 Tests an dem Tag in Rheinbach – erinnert sich aber auch an das Osterwochenende, als am Schornbuschweg sechs Straßen parallel geöffnet waren und mehr als 800 Personen kamen, um Sicherheit für die Feiertage mit der Familie zu haben.



