- Seit 21 Jahren ist Danuta Edelmann Postbotin.
- Seit wenigen Wochen teilt sich die 62-Jährige die Strecke mit einer Kollegin.
Leverkusen – Danuta Edelmann ist in ihrem Leben schon ganz schön rumgekommen. Und das nicht etwa weil sie eine Weltreise nach der anderen getätigt hätte. Sondern weil sie in ihrem Beruf unterwegs war.
Geht man von etwa 220 Arbeitstagen aus, die es im Jahr für jemanden gibt, der von Montag bis Freitag arbeitet, dann hat die 62-Jährige seit 1995 gut und gerne 78 540 Kilometer zurückgelegt. Das sind 3740 Kilometer pro Jahr, 312 Kilometer pro Monat und 17 Kilometer pro Tag. Mit dem Fahrrad. Denn Danuta Edelmann ist Postbotin.
Seit 21 Jahren schon – und damit den weitaus größten Teil jener 29 Jahre, in denen sie nun schon bei der Post arbeitet. Da hat sie sich ein wenig Hilfe verdient. Und genau die bekommt sie jetzt. Ihre Hilfe heißt Susanne Korte (48). Sie teilt sich seit wenigen Wochen die Strecke mit ihrer Kollegin. Möglich wurde die Zusammenarbeit der beiden, weil sich Danuta Edelmann 2011 dazu entschlossen hatte, am sogenannten Generationenvertrag ihres Arbeitgebers teilzunehmen. Das heißt: Sie zahlte Geld und Arbeitszeit – also Bonuszahlungen, Weihnachtsgeld, Resturlaubstage oder Überstunden – auf ihr Zeitwertkonto ein. Und sie kann diese eingezahlten Werte nun in eine Altersteilzeit umwandeln und ihre Arbeitszeit verringern.
Wöchentlicher Wechsel
Die gut 1500 Haushalte zwischen Theodor-Heuss-Ring, Carl-von-Ossietzky-Straße, Krummer Weg und der Siedlung im Nordosten Steinbüchels fahren Danuta Edelmann und Susanne Korte nun im wöchentlichen Wechsel an. Und sie erweisen sich dabei schon nach kurzer Zeit als tolles Team: „Wenn ich eine Frage habe, dann kann ich sie jederzeit anrufen“, sagt Susanne Korte etwa. „Sollte eine von uns beiden mal einen Dienst tauschen müssen, dann geht das meist absolut problemlos“, sagt wiederum Danuta Edelmann. Und ehe es losging mit der Zusammenarbeit, radelten die beiden natürlich erstmal gemeinsam durch den Beritt im Osten Leverkusens. „Schließlich kennen mich die Leute hier seit Ewigkeiten“, betont Danuta Edelmann. „Da fällt es ihnen schon auf, wenn plötzlich jemand anderes da ist.“ Postboten seien eben auch Bekannte, Gesprächspartner, Konstanten im Leben vieler Bürger. „Ich werde gebeten, ein Auge auf Wohnungen zu haben, wenn deren Bewohner im Urlaub sind. Die Leute kommen mit ihren Problemen zu mir. Und wenn ich mal im Urlaub oder krank gewesen bin und dann wiederkam, hießt es direkt: „Ja, wo waren Sie denn? Ist alles gut?“
Einer dieser Leute ist Klaus Brzeski. Er wohnt seit 1965 in Steinbüchel. „Da war hier neben ein paar Häusern nur freies Feld“, erinnert er sich. Klaus Brzeski geht gerade einkaufen, als Danuta Edelmann und Susanne Korte – ausnahmsweise mal gemeinsam wegen des Gesprächstermines mit dem Journalisten – Postkästen auf die Fahrräder heben. Seine Begrüßung ist laut und dröhnend und über die ganze Straße zu hören: „Ah, die gelben Teufel!“ Mit einem großen, herzlichen Grinsen im Gesicht verziert natürlich, denn Klaus Brzeski weiß ja: „Die Damen machen ihren Job toll! Hier will sie niemand missen!“ Und für seinen Postboten tut der eine oder andere sogar Dinge, die nicht selbstverständlich sind: „Ich hatte auf meinem Weg ein Haus, bei dem der Briefschlitz unten an der Wohnungstüre angebracht war.
Extra einen Briefkasten angebracht
Um da ranzukommen, musste ich mich immer bücken – was in meinem Alter nicht mehr so einfach ist“, erzählt Danuta Edelmann. Also sprach sie den Besitzer an, ob der nicht einen Briefkasten aufhängen könne. Einen, der groß genug sei natürlich. „Und einen Tag später stand er da, hielt einen Briefkasten im Arm, lächelte mich an und fragte mich: „Ist der genehmigt?“ 78 540 Kilometer im Jahr können manchmal eben auch durchaus lustig und wunderschön sein.