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ChemparkWerkstatt für Werksräder womöglich ein Auslaufmodell

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Die Zahl der Werksräder nimmt rapide ab.

  1. Unter dem Bayerkreuz werden immer mehr Fahrräder aus dem Verkehr gezogen und verschrottet.
  2. Als Statussymbol taugen die Roten Räder kaum noch.
  3. Ralph Jordans leitet die Fahrradwerkstatt und fürchtet, dass er bald nichts mehr zu tun hat.

Leverkusen – Vielleicht sollte Werner Baumann mal in die Fahrradwerkstatt hinunter steigen. Von Bayers künftigem Vorstandschef weiß man, dass er sich für altes Blech begeistert. Sein Fuhrpark besteht, nach allem, was man weiß, aus älteren Autos. Aber Ralph Jordans ist zuzutrauen, dass er seinem obersten Chef auch die Reize von Stempelbremsen, mehrteiligen Gabeln oder Klingeln vermittelt, in die das Bayer-Kreuz geprägt ist. Das alles macht ein klassisches Werksrad aus. Hersteller: Miele, Urteil nach Jahrzehnten: unkaputtbar.

Manches, was Jordans und seine inzwischen recht kleine Mannschaft in die Hände bekommt, sieht aus wie ein Museumsstück. Das wird  aber nicht von Kollegen gebracht – das müssen sich die Leute aus der Fahrradwerkstatt schon selber holen: als Fahrradleiche an irgendeinem Ständer jenseits der B 8, am Wiesdorfer Bahnhof oder sonst wo. Werksräder, die einfach stehengelassen wurden. Jordans versteht so etwas nicht.  Aber der Werkstattleiter merkt auch  an solcher Gleichgültigkeit, dass die Zeiten vorbei sind, in denen der Besitz eines roten – oder schwarzen beim Werksschutz – Fahrrades eine Auszeichnung war. Ein Statussymbol.

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Doppeltes Oberrohr, Stempelbremse, gemuffte Gabel,  geprägte Bayer-Glocke: Ralph Jordans und Norbert Kramm mit einem alten Werksrad.

An den Qualitätsansprüchen hat das nichts geändert. Stabil und langlebig musste das Material immer sein, das in den Werksfuhrpark aufgenommen wurde. Heute ist es der Hersteller Schieber, dem der Konzern sein Vertrauen schenkt. Die Räder kann man nicht im Geschäft kaufen. Die Mannheimer setzen ausschließlich darauf, die Industrie auszustatten. Die Drahtesel rollen auch bei Porsche, Bosch, der BASF . . .Die Schieber-Räder haben die schwedischen Monark-Modelle abgelöst.

Die repräsentierten zwar „Sicherheit aus Schwedenstahl“, um den alten Volvo-Werbespruch zu bemühen. Aber  der Damen-Rahmen sei bei vielen Kollegen nicht so gut angekommen, sagt Jordans. Zumindest nicht offiziell: „Mancher war sicher froh wegen der größeren Bequemlichkeit.“ Naja, das lässt ein hartgesottener Chemie-Arbeiter wohl nicht so raushängen. Doch sind es keineswegs nur Leute aus der Produktion, die mit Fahrrädern die Wege im Werk zurücklegen. Die Distanzen sind  erheblich. Auch zur Kantine; und mancher fährt mit dem Rad auch nach Hause.

Als er von den  Verwicklungen berichtet, die letzteres kürzlich erzeugt hat, fasst sich Jordans an den Kopf (siehe: „Die Affäre geldwerter Vorteil“): „Das sind die Sachen, die uns das Leben echt schwer machen.“ Ihm, dem Fahrradliebhaber persönlich, fällt etwas anderes schwer:  In der Werkstatt müssen alle Räder  auf den heutigen technischen Stand gebracht werden. Für die hauseigene Tüv-Plakette, die der echte Tüv nicht akzeptiert. Also Halogenlampe, Kunststoff-Licht, Scheibenbremse, einteilige Gabel.  „Die Räder werden verschängeliert“, klagt  Jordans. Wenn man sie nicht  sogar verschrotten muss. Wie schade das ist, würde  Werner Baumann sofort erkennen.

Die Affäre geldwerter Vorteil

Die Finessen des deutschen Steuerrechts haben die Stellung des Werksrads zuletzt geschwächt. Jedenfalls aus betriebswirtschaftlicher Sicht, sagt Ralph Jordans: Weil die Angestellten von Bayer und seinen Töchtern    die Räder mit nach Hause nehmen dürfen, entstehe den Beschäftigten ein geldwerter Vorteil, der zu versteuern sei. Das habe  Bayer eine hohe Nachzahlung eingebracht. 

Die Zahl der Werksräder nimmt inzwischen rapide ab: 4800 sind es noch in Leverkusen, aber damit sei die Talsohle nicht erreicht, so Jordans. Vor ein paar Jahren  habe es insgesamt  12 400 Räder gegeben. Inzwischen werde mit 6700 geplant. Entsprechend kleiner wurde die Werkstatt:  Früher  arbeiteten in Leverkusen, Dormagen und Uerdingen 20 Personen. Heute sind es sieben.