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TraditionDer Schlebuscher Martinszug ist mehr als ein Kinderfest

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Viele Familien kamen mit selbstgebastelten Laternen zum Martinszug in Schlebusch.

Viele Familien kamen mit selbstgebastelten Laternen zum Martinszug in Schlebusch.

Immer weniger Schulen und Kitas bieten Martinszüge an. In Schlebusch bringt die Tradition auch die Generationen zusammen.

Die Weckmänner, der Sankt Martin auf dem Pferd, das Martinsfeuer – an diesem Samstagabend scheinen sich alle auf dieselben Highlights zu freuen, ganz egal, welchen Alters. Als die Musik um Viertel vor sechs einsetzt und „Laterne, Laterne“ spielt, scheint ganz Schlebusch zum Arkadenplatz getrommelt zu werden. Dann ruft ein kleines Mädchen „Da ist der Sankt Martin!“ und die Augen fliegen gebannt zu Pferd und Reiterin, auf die sich heute alle besonders gefreut haben.

Seit es Diskussionen um Sicherheitsauflagen gegeben hatte, veranstalten einige Schulen und Kitas keine eigenen Martinszüge mehr. Für manche Familien ist der Schlebuscher Martinszug also eine willkommene Alternative. „In unserer Grundschule hier in Schlebusch gibt es keinen Zug mehr, das ist schon schade. Wir kommen hierher, denn es ist eine schöne Sache für die Kinder“, sagt eine Mutter. Sie selbst komme ursprünglich aus Sachsen und kenne die Martinstradition deswegen nicht aus ihrer Kindheit. Ihre ältere Tochter, Sophia, die schon elf Jahre alt ist, freut sich gemeinsam mit ihrer jüngeren Schwester auf den Abend. „Das Schönste ist, wenn wir alle herumziehen und das große Feuer natürlich“, sagt Sophia.

St. Martin zieht zu Pferd durchs Dorf

St. Martin zieht zu Pferd durchs Dorf

Die ganz Kleinen haben sich nicht nur  mit Laternen ausgerüstet – viele Eltern haben auch ihre Kinderwagen mit Lichterketten geschmückt. Zwei junge Familien sind mit ihren Kindern zwischen ein und drei Jahren gekommen. In der Kita gäbe es zwar einen Martinszug, aber: „Hier ist es geselliger, man kann mit Freunden hierhin gehen, man sieht viele Laternen, trifft viele Menschen. Man sieht ja auch, dass es sehr beliebt ist. Es ist immer supervoll“, sagt eine Mutter. Ihre Freundin fügt hinzu: „Außerdem lernen die Kinder ja auch schon seit Wochen die Lieder in der Kita, das muss ausgenutzt werden, da kann man nicht nur zu einem Zug gehen“, lacht sie.

In der Fußgängerzone stehen zwei Schwestern aus Manfort und Schlebusch, um den Zug anzuschauen. „Meine Schwester hat eine geistige Behinderung und für sie ist das immer sehr schön, sie freut sich schon wochenlang darauf – am meisten auf die Weckmänner und das Martinsfeuer“, sagt die Manforterin. Für sie selbst sei es auch wichtig, dass es Sankt Martin heiße und nicht Lichterfest. Schließlich sei die zentrale Bedeutung dieser Tradition der Wert des Teilens.

Schließlich freuen sich die rund 2500 Menschen bei frostigen Temperaturen über die Wärme von Feuer und Heißgetränken auf dem Marktplatz. 1000 Weckmänner teilt die Werbe- und Fördergemeinschaft Schlebusch (WFG) traditionell mit den Kindern. Die waren auch schnell verteilt, sagt Ulrich Kämmerling, Inhaber der Eventagentur Artimage, die den Zug gemeinsam mit der WFG organisiert. Als zuletzt immer weniger Kindergärten und Schulen Martinszüge anboten, habe die WFG die Einrichtungen gezielt angeschrieben. Mittlerweile sei die Veranstaltung aber ohnehin allen bekannt, sagt Kämmerling. Auch wenn viele den Schlebuscher Zug als Alternative zu Schul- und Kitazügen nutzen, sieht die WFG sich nicht in einem Bildungsauftrag: „Wir hatten schon mal überlegt, ob wir die Martinsgeschichte noch erzählen, aber ich finde das zu viel, denn das ist Aufgabe der Kitas“, sagt Kämmerling.

Das abschließende Feuer auf dem Marktplatz

Das abschließende Feuer auf dem Marktplatz

Die Bedeutung des Zuges geht für ihn darüber hinaus: „Der Martinszug hier in Schlebusch hat sich etabliert. Es war damals, als das Feuer noch am Sensenhammer war, schon immer voll. Hier auf dem Marktplatz ist jetzt noch mehr Platz“, so der ehemalige Vorsitzende der WFG. Das Event sei „identitätsstiftend“ für den Stadtteil, sagt er. Dabei erreicht es längst nicht mehr nur Schlebuscherinnen und Schlebuscher, aus ganz Leverkusen und aus angrenzenden Kölner Stadtteilen kämen Menschen. Dass der Martinszug hier so beliebt sei, hänge sicherlich auch mit dem Martinsmarkt zusammen – die Veranstalter von Martinsmarkt und Martinszug kooperieren bereits seit Jahren. Auf dem Martinsmarkt entlang der Fußgängerzone können die Kinder Karussell fahren oder Trampolinspringen und die Erwachsenen sich bei einem Glühwein schon einmal für die kalte Jahreszeit einstimmen.

„Ohne den Martinsmarkt würde sicherlich auch der Zug nicht so gut ankommen, denn wer will schon durch eine leere Fußgängerzone gehen? Die Kombination ist eben sehr schön“, betont Ulrich Kämmerling. Und dadurch spricht die Veranstaltung eben nicht nur Familien mit kleinen Kindern an, sondern Menschen jeden Alters. Vor dem Feuer auf dem Marktplatz stehen auch zwei Seniorinnen. „Es ist eine tolle, deutsche Tradition – viel besser als Halloween“, finden sie und: „Wir verbinden damit unsere Kindheit. In diesen Zeiten braucht man etwas, bei dem man abschalten kann, und diese friedliche Stimmung ist einfach wunderschön.“


Der Schlebuscher Martinsmarkt ist am Sonntag noch bis 18 Uhr geöffnet, parallel findet von 13 bis 18 Uhr ein verkaufsoffener Sonntag in der Fußgängerzone statt.