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Desinformation im InternetMit diesen Werkzeugen können Sie Fake News erkennen

5 min
Fake News

Viele Manipulationen im Internet sind mit einfachen Werkzeugen aufzuspüren.

Die Mondlandung nur im Studio, giftige Chemikalien, die von Regierungen in Kondensstreifen über dem Volk ausgebracht werden oder ein IS-Anführer, der angeblich zur Wahl Hillary Clintons aufrief. Verschwörungstheorien und Abwegiges haben seit Menschengedenken Konjunktur. In den sozialen Netzwerken mit ihren unbegrenzten, kostenlosen Möglichkeiten zur ad-hoc-Veröffentlichung sorgen gezielte Desinformationen neuerdings allerdings für regelrechte Schockwellen. Das Phänomen ist derart präsent, dass das Wort Fake News sogar im jüngsten Duden aufgenommen wurde. Um den Manipulationen nicht auf den Leim zu gehen, muss jeder Mediennutzer selbst zum Rechercheur werden. Die gute Nachricht ist: Mit gesundem Menschenverstand kommt man vielen Fake News trotz aller technischen Raffinesse auf die Schliche.

Haben Fake News bestimmte Inhalte?

Bewusst gestreute Fake News sollen ein möglichst großes Publikum finden, oft übrigens, um damit Geld in Form von Werbeanzeigen zu erzielen. In sozialen Medien verbreiten sich besonders emotionale Inhalte, vor allem, wenn sie Wut auslösen. Fake News setzen mithin häufig auf spektakuläre, empörende, verstörende Geschichten. Stefan Voß, seit Mitte Juni Leiter der neuen Abteilung Verifikation bei der Deutschen Presse-Agentur, beobachtet: „Vor allem nach Katastrophen, Anschlägen oder in Kriegen häufen sich die Fälle.“ Nach dem Bomben-Attentat im Mai in Manchester habe es etwa Dutzende Falschmeldungen über vermisste Kinder, vermeintliche Attentäter oder weitere Tatorte gegeben. Nach dem Amoklauf von München 2016 seien der Polizei gar 71 Phantomtat-orte gemeldet worden. Seine Faustregel: „Je mehr eine Info aus den sozialen Netzwerken vom logisch Wahrscheinlichen abweicht, desto eher ist Vorsicht geboten. Aber nicht alles, was passiert, ist logisch.“

Sind Fake News immer komplett erfunden?

Nein, das macht sie so tückisch. Claire Wardle, Forschungsdirektorin am Tow Center for Digital Journalism der Columbia University in New York, unterscheidet sieben Formen von Fake News, darunter (häufig eigentlich harmlose) Satiren und Parodien, falsch verknüpfte Aussagen, irreführend in einen anderen Zusammenhang gestellte Inhalte oder bewusst verfälschte Tatsachen.

Wie werden Fake News getarnt?

Häufig werden Fake News im Gewand seriöser Nachrichtenmedien verbreitet. So berichtete Mimikama, ein Verein zur Aufklärung über Internetmissbrauch, 2016 über eine ausländerfeindliche Falschmeldung auf einem Portal, das unter „Handelblatt online“ firmierte – dem echten Handelsblatt täuschend ähnlich. Im US-Wahlkampf kursierte im Netz eine Nachricht des „Denver Guardian“. Eine solche Zeitung existiert allerdings gar nicht. In geteilten Posts werden häufig Amtsträger oder Institutionen als Quellen benannt.

Allerdings ist Tarnung oft offenbar gar nicht nötig: Der Hohenheimer Kommunikationswissenschaftler Wolfgang Schweiger hat testweise einen Blog „Der Volksbeobachter.de“ geschaltet. Tausende folgten den dortigen Posts. Dabei sei die klangliche Nähe zum Völkischen Beobachter der NSDAP ja offensichtlich. Aber „keiner hat gesagt, 'Volksbeobachter.de, das ist ja krass, das müssen Nazis sein!'“ Das bestätige die Annahme, dass Social-Media-Nutzer kaum auf die Quellen achteten, sagte Schweiger dem Deutschlandfunk.

Wo werden Fake News platziert?

Dort, wo sie tendenziell am ehesten gelesen und weitergereicht werden – bei Facebook, WhatsApp und Twitter. Vor allem Facebook macht es den Lügnern leicht. Sein Suchalgorithmus bevorzugt alles, was häufig gelikt, kommentiert und geteilt wird. Die Folge: Wer häufig auf besonders emotionale Posts zu einem Thema reagiert, der bekommt bei Facebook fast nichts anderes mehr angezeigt und endet in einer sogenannten Filterblase.

An welchen Elementen lassen sich Fake News erkennen?

Dafür gibt es kein klares Regelwerk. Marktschreierische Meldungen mit vielen Ausrufezeichen seien besonders mit Vorsicht zu nehmen, rät dpa-Experte Voß. Doch die meisten Fake News seien eben keine glatten Lügen, sondern mehr oder minder geschickte Manipulationen. Voß rät: „Da gilt wie für jedes Gerücht – nach dem Ursprung suchen und dessen Glaubwürdigkeit überprüfen.“#

Wie lässt sich für Laien der Wahrheitsgehalt prüfen?

Grundsätzlich sollte man nach der Quelle forschen. Wie alt ist ein Facebook-, Instagram- oder Twitter-Profil? Wie vielseitig wird es genutzt? Bei kommerziellen Websites ist ein Impressum mit Adress-Angaben gesetzlich vorgeschrieben. Die Echtheit von Bildern lässt sich mit der Rückwärts-Suche überprüfen: Dazu unter www.images.google.de das Kamera-Symbol anklicken und das fragliche Bild hochladen oder die URL eingeben. Man erfährt so, ob ein Foto wirklich neu ist und wo es herkommt. Das funktioniert auch mit Youtube-Videos, indem man mehrere Standbilder separiert. Data Viewer von Amnesty international (www.citizenevidence.amnestyusa.org) macht das automatisch.

Wie entlarven Profis Fake News?

„Wir haben dazu verschiedene technische Werkzeuge von der Rückwärtssuche bis zur Fotoanalyse, sagt Stefan Voß, „aber vor allem machen wir auch bei Nachrichten aus dem Netz unseren gelernten Job: Wir suchen weitere Quellen, fragen bei Polizei, Behörden oder unseren Korrespondenten vor Ort nach, überprüfen einzelne Fakten.“ Professionelle Medien würden zwar bei Großlagen oft von Quellen im Internet überholt. „Aber wir sind diejenigen, die Informationen aus dem Netz verifizieren oder widerlegen.“

Wie kann gegen die Verbreitung von Fake News vorgegangen werden?

Der Pressekodex verpflichtet seriöse Medien dazu, Falschmeldungen zu korrigieren. Für Privatpersonen besteht diese Pflicht nicht. Auch soziale Netzwerke haben keine Pflicht, selbst rechtswidrige Inhalte zu suchen. Wer Fake News aufspürt, der sollte ihnen mit Fakten entgegentreten. Allerdings sollte dabei nicht der Original-Post mit verschickt werden, um die Desinformation nicht ungewollt weiter zu verbreiten. Wer sich unsicher ist, der kann potenzielle Desinformationen beispielsweise dem Recherche-Büro Correctiv vorlegen (www.correctiv.org).