Leverkusen – „Kunst und Natur“ lautet das Motto des Stadtspaziergangs durch Schlebusch. Ein kleines Grüppchen trifft sich am Parkplatz oberhalb der ehemaligen Auermühle. Gabriele Nebelin, Gästeführerin in Schlebusch, hat an die Dhünn eingeladen. Bald stellt sich jedoch heraus, dass es weder einen Spaziergang noch Kunst zu sehen gibt. Stattdessen erfahren die Gäste allerhand über das Überschwemmungsgelände, die Dhünnaue, unterhalb des Dhünnbergs. Und kommen in den Geschmack einer überraschenden Führung durch die Lachs-Brut- und Kontrollstation am Wasser.
Fische sind verschwunden
Der drittgrößte Leverkusener Fluss hat zwei Quellen: Die große Dhünn entspringt in Wipperfürth, die kleine in Wermelskirchen. Früher mündete der Fluss in den Rhein, heute in die Wupper. „Als Kind habe ich noch Fische in der Dhünn gesehen“, erzählt Nebelin, „später gab es kaum noch welche. Das Thema hat mich dann interessiert.“ Durch die Renaturierung des Dhünngebiets und starke Wasserverschmutzung wurde die Artenvielfalt in der Dhünn stark reduziert. Mitglieder des Bayer Anglervereins sahen, dass Meerforellen in der Dhünn ablaichen, und kamen so auf die Idee, dass auch die Lachse zurückkommen könnten. Dazu brauchten die Fische jedoch Unterstützung.
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Die Gewässerschutzgesetze halfen, die Wasserqualität zu verbessern. Dazu muss zu beiden Seiten des Flusses ein Bebauungsabstand von 80 Metern eingehalten werden. Seit dem Jahr 2000 wurde dann im ehemaligen Notfallstrom-Turbinenhäuschen des Klinikums die Lachs-Brutstation aufgebaut. Eine Kameraanlage kontrolliert, welche Arten den Fluss hinauf schwimmen; das heißt, aus dem Meer zum Ablaichen in ihren Heimatfluss zurückkehren. Für die Lachseier wurde extra ein Brunnen gebohrt, da das Wasser aus der Dhünn zu kalt war. Die Fische werden in etwa bis zur Größe von sechs Zentimetern herangezogen, dann werden die Jungfische in der Dhünn ausgesetzt – jedes Jahr 40 000. Aufgrund der hohen Anzahl natürlicher Feinde kehrt nur einer von Tausend Fischen zurück. „Das ist eine ziemlich gute Quote“, erzählt Helmut Wischkoni, Leiter des Bruthauses. „Im Jahr 2018 hatten wir sogar zirka 300 Rückkehrer.“

Die Fische hier sind gerade geschlüpft.
Copyright: Ralf Krieger
Werner Bosbach, ebenfalls vom Anglerverein, erzählt, dass die Lachse sich im Nordatlantik „dick und fett futtern“ und nach zwei Jahren wieder den Rhein und die Dhünn hochschwimmen. „Dann laichen sie hier ab und sterben.“ Auch die sogenannte invasive Art „Hundslachs“ hat sich in den Gewässern im Bergischen Land eingenistet, ein Meerneunauge hat sich auch einmal vor der Kamera blicken lassen.
Fischchen in der Schublade
In der Brutstation öffnet Helmut Wischkoni stolz eine Schublade: Hunderte zwei Zentimeter großer Fischchen liegen darin, manche wuseln durch das flache Wasser. Sie sind gerade geschlüpft. In einer großen Tonne schwimmen größere Regenbogenforellen, auch lachsartige, die der Angelverein jedoch zum Angeln in die entsprechenden Gewässer aussetzen wird. Für die Lachse gilt ein Angelverbot. Werden sie gefangen, müssen sie wieder ins Wasser geworfen werden.
Rückkehrer-Rekord
Viele Schlebuscher haben noch in den sechziger Jahren, vor dem Bau des nun verwitterten Schlebuscher Freibads, in der Dhünn schwimmen gelernt. Das schleichende Verschwinden der Fische ist wohl einigen aufgefallen. Nebelin formuliert es so: „Das musste wohl erst passieren, damit die Leute merken, dass wir etwas ändern müssen.“ Im Jahr 2018 verzeichnete die Kontrollstation einen Rekord: 300 Rückkehrer stiegen in der Dhünn auf. Vielleicht kehren irgendwann sogar die Aale zurück.


