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Vorwürfe gegen die PolizeiEskalation bei Kontrolle an Rathenaustraße

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Einsatzort Rathenaustraße: Ein 17-Jähriger soll von Polizisten auf den Boden gedrückt worden sein.

  1. Eine Gruppe Jugendlicher wird an der Rathenaustraße von Polizisten kontrolliert. Die Situation eskaliert.
  2. Die 17- und 18-Jährigen schwere Vorwürfe gegen die Polizei. Es geht um Schürfwunden und eine Ohrfeige.
  3. Die Polizei spricht von einer „aggressiven Gruppe“. Der Versuch einer Rekonstruktion des Abends am 6. Juni.

Leverkusen – Ist Samstagnacht, 6. Juni, in Wiesdorf eine Polizeikontrolle einer Gruppe Jugendlicher und junger Männer aus dem Ruder gelaufen, wie zwei Beteiligte dem »Leverkusener Anzeiger« berichten? Die Polizei widerspricht dem.

Ort des Einsatzes ist die Bushaltestelle Haberstraße an der Rathenaustraße. Zu acht seien die jungen Männer zu Fuß auf der Rathenaustraße unterwegs gewesen, alle zwischen 16 und 19 Jahre alt, sagt der 18-jährige Aiman (Namen geändert). Sie kamen von einem Geburtstag, sie hatten Alkohol getrunken, das sei aber nicht viel gewesen, sagen die Jugendlichen. Ziel war die Rialto-Brücke, der Imbiss am Busbahnhof ist der einzige Ort, an dem es in Wiesdorf nach 1 Uhr noch etwas zu essen gibt. Alle sechs haben eine Migrationshistorie. Als eine Polizeistreife zwei aus der Gruppe kontrolliert habe, sei das eigentlich noch nichts Besonderes gewesen. Es ging um Lärmbelästigung. Zunächst noch.

„Wir waren gar nicht so laut“, schätzte der 18-jährige Aiman das ein. Dennoch: Die Situation lief nicht mehr konfliktfrei. Anscheinend wurde heftig diskutiert, der Mann musste sich hinten ins Polizeiauto setzen, wurde von der Polizei erstmal aus der Gruppe genommen. Die Polizisten sprachen zwei Platzverweise aus und forderten Verstärkung an. Mehrere Streifenwagen kamen schnell zur Rathenaustraße. Der 18-jährige Aiman sagt heute: „Ich glaube, die Polizisten hatten Angst vor uns.“ Deshalb seien sie hart vorgegangen. Damit könnte er richtig liegen, denn einige der Jugendlichen und Männer sind polizeibekannt, der 18-jährige ist sogar vorbestraft wegen Körperverletzung.

Einsatzort Rathenaustraße: Ein 17-Jähriger soll von Polizisten auf den Boden gedrückt worden sein.

Die Polizei bestätigt den Einsatz. Man habe schnell Einsatzwagen nachgefordert, das sei in solchen Situationen normal. Die Nachforderung ergebe sich immer aus der Einschätzung der Einsatzkräfte vor Ort, die hätten die Gruppe als aggressiv gemeldet, sagt eine Polizeisprecherin. Als die Polizei einen der Männer in Gewahrsam nahm, sei es zum Tumult gekommen. Mehrere aus der Gruppe hielten ihre Handys hoch und filmten die Auseinandersetzung. Auch das Reizwort „Rassismus“ fiel in dieser Phase des Einsatzes, es ist auf einem Video deutlich zu hören, das dem »Leverkusener Anzeiger« vorliegt.

Ein heikler Vorwurf in diesen Tagen. Dazu sagen die beiden jungen Männer, die sich in der Redaktion gemeldet haben, dass sie den Polizeieinsatz als unverhältnismäßig einschätzten. Man habe sich den Polizisten gegenüber immer respektvoll verhalten, direkt provozierend hätten sie sich nach eigener Einschätzung nicht verhalten: Polizisten, so sagen sie, seien ausgebildet, müssten also mit Diskussionen zurechtkommen.

Schürfwunde im Gesicht

Der 17-jährige Karim sagt, als er nicht mit dem Filmen aufgehört habe, seien ihm deswegen Handschellen angelegt worden. Ein Polizist, der den Jugendlichen fixiert habe, soll ihm von hinten mit dem Finger in die Augenhöhle gegriffen haben, daraufhin habe er sich weggedreht. Wohl mehrere Polizisten legten ihn daraufhin auf die Straße, drückten den Kopf aufs Pflaster, dabei erlitt er Verletzungen: Eine Schürfwunde im Gesicht und eine an der Hüfte. Als er von Polizisten später zu Hause abgeliefert wurde und die Eltern keine schlüssige Erklärung zu den Verletzungen erhielten, fuhren sie ihn wegen eines Attests ins Krankenhaus.

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Zu der Sache macht die Polizei keine weiteren Angaben; eine Sprecherin sagt, wenn ein Einsatz normal und ohne Aggressionen liefe, passiere so etwas nicht. Der Vater des Jugendlichen, ein Ingenieur, will keine Anzeige erstatten.

Ergebnis der Ruhestörung: Drei Handys wurden beschlagnahmt. Insgesamt wurden laut Polizei drei Strafanzeigen wegen Widerstands gegen Polizeivollzugsbeamte, Sachbeschädigung sowie Verletzung der Vertraulichkeit des Wortes gefertigt. Das sei immer Ermessenssache, sagt die Sprecherin, manchmal lasse man die Leute auch einfach filmen, in dem Fall habe man das anders entschieden, die Handys bekämen die Männer aber komplett zurück, da werde nichts gelöscht. Der 18-jährige Aiman verbrachte die Nacht in der Ausnüchterungszelle. Das, obwohl er nach eigener Aussage nicht betrunken gewesen sei und nichts gemacht habe. Er bekommt eine Anzeige wegen Widerstands. Als er sich auf der Wache komplett habe entkleiden müssen, habe er sich geschämt und sein Genital zugehalten. Er sagt, er habe dort von einem Polizisten eine Ohrfeige bekommen. Die Polizei bestreitet das. Die Sprecherin sagt, zur Eigensicherung sei das Entkleiden notwendig – und üblich.

Aus einer Ruhestörung wurde eine folgenreiche Nacht mit weitreichenden juristischen Folgen und mit schweren Vorwürfen gegen die Polizei. Die Frage, was der 18-Jährige und seine Freunde eventuell falsch gemacht haben könnten, was er in Zukunft besser machen würde, beantwortet der so: „Ich werde weniger diskutieren.“