Euskirchen – Nach der Vorstellung des „Badeparadieses“, das der Friedrichshafener Architekt Josef Wund in Euskirchen errichten will, hatten viele Euskirchener schon befürchtet, dass Kinder und Jugendliche aus der Wohlfühllandschaft unter Palmen ausgegrenzt würden. Der Rundschau kündigte Wund jedoch gestern an, zusätzlich ein Spaßbad anzubauen, das im Rheinland – oder sogar darüber hinaus – Maßstäbe setzen soll. Und zwar in zwei Jahren, wie Wund hofft: „Das ist alles in Planung. Grundstück und technische Anschlüsse sind vorgesehen.“ Mit der Bank sei gesprochen.
„Spaß“ ist für Wund eine Frage nachhaltig wirkender Freude. Der 74-Jährige sprach von einem Wellenbad mit Wogen von 1,40 Metern Höhe, die senkrecht erzeugt würden, damit man nicht gegen eine Wand geschleudert werde. Und von einer Balkonebene mit mindestens 20 Rutschen. „Für manche muss man schon sehr sportlich sein. Da geht es mit einem Salto durch die Luft und gezielt in ein Loch. Solches Wahnsinnszeug muss man bieten“, sagt Wund: „Man fliegt durch die Luft, klebt an der Wand und kommt irgendwann wieder gesund raus.“ „Ein 14-Jähriger geht nirgends eine Rutsche runter, die ein Achtjähriger rutscht“, weiß Wund: „Und wenn es nicht die schnellste Rutsche des Rheinlands wird, brauchen wir gar nicht daran zu denken, jemanden aus Köln nach Euskirchen zu ziehen. Das muss das Tollste, Höchste, Weiteste und Verrückteste werden, sonst wird es ein Flopp.“ Kinder wollten einfach nur das Beste. Wund: „Man kann Euskirchen nicht mit dem Schwarzwald und seinen Ruhe suchenden Urlaubern vergleichen.“ In Titisee und Erding hat Wund bewiesen, dass er Versprechen hält. Dennoch gibt es in Euskirchen viele Zweifler, weil der Baubeginn seit Jahren auf sich warten lässt. Und erneut vertröstet Wund die Euskirchener: Die Bagger für das Sportbad (für den Schulsport) und das Badeparadies (mit Palmen und Saunalandschaft) werden auch in den nächsten zwei Wochen noch nicht anrollen. „Das hat technische Gründe“, sagt Wund: „Bauen ist so komplex geworden, dass es auch in Berlin und Hamburg nicht voran geht.“
Die erste Baustufe, für die Wund eine Mantelbaugenehmigung hat, wird nur bedingt etwas für Jugendliche. Für Kleinkinder (bis etwa vier Jahre) gebe es 20 bis 30 Attraktionen, aber nichts für Größere.
Wund verweist stattdessen auf sein Galaxy-Spaßbad in Titisee. „Es ist gerade von 40 000 Menschen, nicht von irgendeiner Jury, zum besten Erlebnisbad Deutschlands gewählt worden.“ Den Namen „Galaxy“ werde das Spaßbad in Euskirchen nur tragen dürfen, „wenn wir es schaffen, was Neues zu bieten“. Denn der Name sei ein Qualitätsbegriff geworden, der Jugendliche „aus Mailand wie aus Polen“ anziehe. „Wenn Sie ,Galaxy‘ im Internet suchen, erscheint als allererstes ,Galaxy Therme Erding‘“, sagt Wund. Tatsächlich rangieren selbst ein gleichnamiges Handy und ein Automodell dieses Namens trotz immenser Bekanntheit hinter Wunds Bad. Den Namen habe er gewählt, weil es kaum etwas Größeres als eine Galaxie gebe.
Doch auf die Superlative müssen die Euskirchener noch warten. In den ersten Jahren gebe es nur Rutschen für Kleinstkinder und in dem Sportbad zwei Sprunganlagen (ein und drei Meter), so Wund. Schon wegen der Wassertiefe von bis zu 3,50 Metern, im Sportbad sei dort ständig eine qualifizierte Aufsicht notwendig. Zwei Bahnen seien – auch während des Schulsports – immer für seine Gäste reserviert.
Damit relativiert sich seine Aussage bei der Vorstellung des Modells im Rathaus, dass „14-jährige Burschen, die wie Haifische durch das Wasser pflügen“, nicht erwünscht seien. „Das gilt nur für den Wellnessbereich und die Saunalandschaft. Dort lassen wir niemanden rein, der noch keine 16 Jahre ist, denn die Leute suchen Ruhe, und Sauna ist auch nichts für kleine Kinder“, sagte Wund. Ansonsten gelte: „Jeden Tag kann jeder schwimmen kommen – egal wie alt.“ Zumindest samstags, eventuell auch sonntags, sei das Bad für die gesamte Familie offen. „Meist kommen aber die Mädchen, weil es den Jungs zu langweilig ist“, hat Wund bei seinen bestehenden Bädern erfahren.
Der See dient nur dem Ambiente
Vom See, den Wund zwischen Badeparadies und Erft bauen will, dürfen sich Schwimmer nichts erhoffen. „Er dient dem Urlaubsambiente und zum Speichern großer Wassermengen, die nicht gleichzeitig in den Abwasserkanal passen. Baden wird dort nicht erlaubt sein“, sagt Wund. Er will – und muss auch wegen der Landesbürgschaft – Dinge anbieten, die sonst keiner hat. Was das genau im Bereich der zehn oder elf Saunen sein werde, wisse er aber noch nicht.
Drei der Saunen soll es in der Region so nicht geben. Darum, so Wund, müssten andere Bäder auch keine Konkurrenz befürchten, sondern sollten sich über den Badeboom freuen, den er schon in Süddeutschland ausgelöst habe. „Erding ist nur durch uns laut Gutachten zum am schnellsten wachsenden Tourismusgebiet geworden. Wir werden ein Aufleben von Euskirchen haben, wie es sich keiner denken kann.“
Und was, wenn trotz aller Ideen, das Bad floppt? „Der Fall, dass es uns nicht mehr geben würde, ist sehr intelligent mit der Stadt notariell abgeklärt“, sagt Wund. „Wenn wir die Hürden nicht schaffen, steht das Bad der Stadt zur Verfügung. Aber sie will es ja gar nicht selbst betreiben.“
