Hof Bollheim – Hans von Hagenow hat es spaßeshalber ausgerechnet: „Wenn man unsere Käseproduktion eines Jahres übereinanderstapeln würde, hätte sie die Höhe der Kölner Domtürme.“ Doch nicht die Masse ist es, die den Käse von Haus Bollheim auszeichnet. Vielmehr ist es sein Geschmack. Und der überzeugte jetzt eine Fachjury: Der „Rote Bollheimer“, ein Weichkäse, wurde bei der Qualitätsprüfung des Verbandes für handwerkliche Milchverarbeitung im ökologischen Landbau (VHM) mit der „Käseharfe in Gold“ und dem Qualitätspreis ausgezeichnet.
Heute werden Hans von Hagenow, Betreiber von Haus Bollheim, Käser Olaf Seyd und Wolfgang Schultz-Balluff, Mitarbeiter in der Käserei, die Auszeichnung für den „Roten Bollheimer“ sowie drei weitere prämierte Käse entgegennehmen. „Der Preis freut uns enorm und ist eine wunderbare Bestätigung unserer Sorgfalt und Geduld bei der Käseproduktion“, so Olaf Seyd. Denn in der Käserei von Haus Bollheim, am Ortsausgang von Oberwichterich gelegen, ist die Käseherstellung noch echte Handarbeit. 52 Kühe stehen auf den Weiden und im Stall von Haus Bollheim. Sie geben allein für die Käseproduktion 300 000 Liter Milch pro Jahr. Olaf Seyd und Wolfgang Schultz-Balluff stellen daraus 30 Tonnen Käse her. Einziges maschinelles Hilfsmittel sind die großen Rührbottiche, in denen die Milch mit Lab gerührt wird. Haus Bollheim stellt sowohl Frisch- und Weichkäse als auch Schnittkäse her. Die Käseharfe ist übrigens ein Instrument zum klein schneiden der mit Lab eingedickten Milch. So entsteht der sogenannte Käsebruch.
Außer dem „Roten Bollheimer“ erhielt der „Bollheimer Rotbachtaler“ (Schnittkäse) den goldenen Publikums- und Qualitätspreis. Der „Bollheimer Lochkäse“ sowie der „Bollheimer Hofgouda mittelalt“ (beides Schnittkäse) wurden mit dem Qualitätspreis in Gold und dem Publikumspreis ausgezeichnet. Im Mai hatte sich Hans Bollheim im Hohenloher Freilichtmuseum in Schwäbisch Hall der größten Käseprüfung für handwerklich hergestellten Käse in Deutschland gestellt. Insgesamt 85 Käsesorten aus 38 Hof- und Dorfkäsereien bewertete die Fachjury aus 16 Sensorikern, Käsehändlern und Käseproduzenten sowie das Publikum. Beurteilt wurden Aussehen, Konsistenz, Geruch und Geschmack. 85 Prozent der vorgestellten Käse erhielten einen Qualitätspreis.
Auf der Alp die Leidenschaft entdeckt
„Handwerkliche Qualität, Einfallsreichtum und vor allem Käsevielfalt – damit punkten Käse aus handwerklichen Käsereien beim Verbraucher.“, so Marc Albrecht-Seidel, Prüfungsleiter des VHM, bei der Preisverleihung in Haus Bollheim. Seyd hat seine Leidenschaft für Vieh und Käse in den Schweizer Alpen entdeckt. Der studierte Agrarwissenschaftler verbrachte sechs Sommer auf einer Alp, bevor ihn sein Weg nach Bollheim führte und er Molkereifachmann wurde. „Den Geschmack unseres Käses bestimmen wir mit dem Kuhfutter und damit, wie wir es anbauen.“ Vermarktet wird der „Bollheimer“ nicht nur im Hofladen. Er ist auch auf Wochenmärkten sowie in Bioläden der Region zu finden.
