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Für und Wider abgewogenEin Kunstrasenplatz für Bad Münstereifel? Rat muss entscheiden

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Auch mehr als vier Jahre nach der Flut hat sich auf dem Sportplatz in Bad Münstereifel nichts getan: Das Bild zeigt einen Bagger und einen Haufen Geröll.

Die Entscheidung, wie der Sportplatz in Bad Münstereifel gestaltet werden soll, wurde revidiert.

Kunstrasen oder Naturrasen? Bad Münstereifel plant Wiederaufbau des Sportplatzes – Kunstrasen spart Wasser & Pflegekosten, Naturrasen punktet bei Spielgefühl.

Ein Ende der Diskussionen ist in Sicht. Wenn der Stadtrat am 24. März auch zustimmt, wird der Sportplatz in Bad Münstereifel als Kunstrasenplatz wiederaufgebaut. Der Bildungs- und Sozialausschuss hat sein Votum bereits abgegeben. Bis auf die Gegenstimme von Bündnis 90/Grüne waren alle politischen Vertreter für den Kunstrasenplatz.

Michel Schirmer, Geschäftsführer von Reepel Schirmer Landschaftsarchitektur, hatte Vor- und Nachteile eines Natur- und eines Kunstrasenplatzes gegenübergestellt und auch die Kosten ausführlich dargelegt, so wie es der Ausschuss im vergangenen Jahr gefordert hatte.

Bewässerung ist beim Naturrasen ein großes Problem

Bei einem Naturrasenplatz ist vor allen Dingen die Bewässerung ein großes Problem. Die Nutzung von Frischwasser aus der Leitung ist laut städtischer Satzung untersagt. Um ausreichend Wasser zu gewährleisten, müsste ein Brunnen gebohrt und ein Speicher gebildet werden. „Das müssen sie sich wie eine Tiefgarage unter dem Sportplatz vorstellen, in der Wasser geparkt wird“, so Schirmer.

Während im Frühjahr und Herbst etwa 27.000 bis 54.000 Liter pro Bewässerung benötigt werden, sind es im Sommer 82.000 bis 136.000 Liter. Letzteres entspreche dem Jahresverbrauch einer vierköpfigen Familie. Um ausreichend Wasser zu erhalten, müsste ein entsprechend tiefer Brunnen gebaut werden.

Hochgerechnet auf 15 Jahre läge der Pflegekostenvorteil bei etwa 336.000 Euro

Bis die benötigte Wassermenge im Speicher vorhanden ist, benötigt es je nach Brunnentiefe zwischen 27 und 39 Stunden. Im Hochsommer müsste rund um die Uhr Wasser gefördert werden, um den Puffer zu füllen, so Schirmer. Die Stromkosten allein für die Pumpe beliefen sich täglich auf 34 bis 50 Euro. Was die reinen Pflegekosten, in denen auch die Kosten für die Errichtung der Bewässerungsanlagen enthalten sind, angeht, ist der Naturrasen etwa 2,5-mal so teuer wie ein Kunstrasen. Hochgerechnet auf 15 Jahre läge der Pflegekostenvorteil bei rund 336.000 Euro.

Der Zeitraum ist deshalb gewählt worden, weil nach 15 Jahren der Belag des Kunstrasens ausgetauscht werden muss, wodurch sich der Pflegekostenvorteil wieder aufhebt. Derzeit kostet ein neuer „Teppich“ etwa 300.000 Euro. Geht man von einer vorsichtig geschätzten Preissteigerung von 2,5 Prozent aus, läge diese Summe in 15 Jahren bei 425.000 Euro. Ein Naturrasenplatz hingegen sei bei guter Pflege etwas für die Ewigkeit.

Für den Naturrasen sprechen die geringeren Herstellungskosten

Für einen Naturrasenplatz sprechen die geringeren Herstellungskosten, die komplette Förderung durch die Wiederaufbauhilfe, die temporäre Überflutbarkeit, die Sanierungskosten, der Planungsfortschritt (ein Kunstrasenplatz wurde bisher nicht geplant), die Lage (ein Mähroboter würde Laub auf dem Platz zerhäckseln) sowie das Spielgefühl. „Auf Naturrasen kann man ohne Probleme grätschen, auf Kunstrasen nicht“, so Schirmer. Vorteile des Kunstrasenplatzes seien der Wasserverbrauch, die Pflegekosten sowie die mit 1500 Stunden fast doppelt so hohe jährliche Spieldauer.

„Wenn ich mir den Kunstrasenplatz in Arloff anschaue, sind für mich die Hauptkriterien die Pflege und die ganzjährige Bespielbarkeit“, sagte Martin Mehrens (CDU). Die Wasserbahnen unter dem Platz hält er für „Wahnsinn“.

Alles spricht für den Naturrasen.
Petra Schneider (Grüne)

Das bisherige Kriterium, dass das St.-Michael-Gymnasium für sein Sportabitur und dabei nur für den Speerwurf unbedingt einen Kunstrasenplatz benötigt, ist obsolet. „Die meisten Disziplinen können durchgeführt werden. Das St.-Michael-Gymnasium ist froh, wenn überhaupt wieder der Sportplatz genutzt werden kann“, sagte Amtsleiterin Stephanie Schmitz.

Lediglich Petra Schmieder (Grüne) war gegen den Kunstrasenplatz. „Alles spricht für den Naturrasen“, sagt sie. Würde man zusätzlich zu den Pflegekosten den Austausch des Kunstrasenbelages betrachten, seien die Summen ähnlich. Ein Kunstrasenplatz sei aber „keine nachhaltige und langfristige Lösung.

Der frühere Beschluss wird gekapert, der städtische Haushalt unnötig belastet, es gibt Verzögerungen beim Wiederaufbau, was spürbare Folgen für den Schulsport bedeutet“, so Schmieder. Wegen der Klimaveränderung sei auch mit Überflutungen zu rechen, bei einem Kunstrasen entstünden dadurch Mehrkosten.