Abo

Rundschau PLUS abonnieren

Abo-Angebote

Artikel teilen

Schriftgröße ändern

Artikel zur Merkliste hinzugefügt

Rückgangig

Artikel von der Merkliste entfernt

Sie folgen nun

Rückgangig

Sie folgen

Konzert in Bad Münstereifel Den Bechstein-Flügel brachte Höhr an seine Grenzen

Neuer Inhalt

Daniel Höhr holte aus dem Bechstein-Flügel von 1937 alles heraus.

Bad Münstereifel – Daniel Höhr ist Stammgast in der evangelischen Kirche in Bad Münstereifel. Obwohl der Bechstein-Flügel im Gemeindesaal nicht mehr der Jüngste ist, greift der Pianist immer wieder gerne in dessen Tasten und genießt das Konzertieren im kleineren Rahmen nahe am Publikum. Auch diesmal wartete er mit einem hochkarätigen Programm auf.

Pfarrer Frank Raschke freute sich als Hausherr, dem Publikum den Klaviervirtuosen aus Sankt Augustin ankündigen zu dürfen. Mit Werken von Ludwig van Beethoven, Gustav Mahler und Modest Mussorgsky brachte Höhr das Instrument aus dem Jahr 1937 an seine Grenzen. Er spielte kraftvoll und mit sehr stringenten Abläufen.

Sanfte, verträumte Passagen

Intensiv erklang gleich zu Anfang der prägnante Eingangsakkord, der Beethovens Klaviersonate Nr. 8 c-Moll op.13 (Grande Sonate Pathetique) einleitete. Aus ihm entwickelten sich sanfte, verträumte Passagen kontrastierend mit voluminösen. Mit einer sagenhaften Motorik ließ Daniel Höhr das „Allegro di molti e con brio“ lostoben. Überaus wendig sprang seine rechte Hand immer wieder über die linke hinüber und breitete die Melodie damit großflächig aus. Eine ungeheure Fülle entstand, die der Pianist immer wieder mit zurückhaltenden Teilen durchbrach. Dynamisch gab es in beide Richtungen keine Grenzen, Höhr holte wirklich alles aus dem Flügel  heraus.

Auf die brachialen Schlussakkorde des ersten Satzes folgte das gesangliche Adagio cantabile, das bei aller Innigkeit auch ein gewisses Pathos besaß. Mit einem lebhaften und abwechslungsreichen Rondo endetet die Sonate.

Bekannt als Filmmelodie

Das Adagietto aus der Sinfonie Nr. 5 von Gustav Mahler ist manchem bekannt als Titelmusik von „Der Tod in Venedig“. 1971 verfilmte Luchino Visconti die Novelle von Thomas Mann. Die Sinfonie war für ein großes Orchester konzipiert, doch um 1900 konnte längst nicht jeder ins Konzert gehen. Wer die Musik dennoch hören wollte, musste sie selber spielen, zum Beispiel auf dem heimischen Klavier.

Bach in modernem Gewand

Am Sonntag,  6. November, 17 Uhr, heißt es in der Evangelischen Kirche wieder „Bühne frei“ für ein außergewöhnliches Konzert. Ewa Matejewska (Harfe) und Rainer Berger (Querflöte, Komposition) spielen neben eigenen Werken Stücke von Johann Sebastian Bach in modernem Gewand. (bi)

Der deutsche Komponist Otto Singer arrangierte für diesen Zweck eine Vielzahl von Orchesterwerken für das Tasteninstrument, unter anderem Mahlers Adagietto, mit dem Höhr in Bad Münstereifel sein Publikum ins Träumen versetzte. Hier durfte in Romantik geschwelgt werden. Große Arpeggien, freundliche, warme Harmonien und eine blumige Ausarbeitung gingen den Zuhörern ans Herz.

Das Publikum mit in eine Ausstellung genommen 

Nach der Pause nahm Höhr die Konzertbesucher mit in eine musikalische Ausstellung. Modest Mussorgsky schrieb 1874 den Klavierzyklus „Bilder einer Ausstellung“, zu Ehren seines Freundes Wiktor Hartmann. Ein Jahr zuvor war der russische Maler und Bildhauer gestorben.

Einige seiner Bilder hat der Komponist musikalisch dargestellt. „Es ist nur in zweiter Linie eine Darstellung der Bilder, in erster Linie ein Nachruf auf den verstorbenen Freund“, erklärte Höhr. Das Werk ende mit einer Apotheose. Doch bis dahin gab es in der Ausstellung viel Spannendes zu betrachten.

Spielende Kinder und schnatternde Marktweiber

Ein finsteres altes Schloss, einen polnischen Wagen mit plumpen Rädern, der von einem Ochsen mühsam gezogen wird, spielende Kinder im Garten und munter schnatternde Marktweiber hinterließen beim Betrachter Eindrücke, die in den dazwischen gesetzten Promenaden noch nachklangen und das berühmte Thema immer wieder neu erscheinen ließen. Höhr interpretierte das erhabene Stück mit Herzblut, Pathos, Ausdruck und Kraft.

Sichtlich ermattet, erhob er sich danach vom Sitz und brauchte einen Moment, bis er wieder ganz präsent war. Der Applaus wollte nicht enden, und so spielte er als Zugabe das Intermezzo op. 117 Nr. 1 von Johannes Brahms, eines der Lieblingsstücke von Pfarrer Frank Raschke.