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Strukturgutachten
Stadtmauern halten City-Outlet in Bad Münstereifel nicht auf

Lesezeit 3 Minuten
Akuten Handlungsbedarf sehen die Experten im Bereich des Bahnhofs. Hier können sie sich Gastronomie und Läden vorstellen.

Akuten Handlungsbedarf sehen die Experten im Bereich des Bahnhofs. Hier können sie sich Gastronomie und Läden vorstellen.

Bad Münstereifel – Sieht so die rosige Zukunft für die Stadt aus: Shopping-Stores auch an der Großen Bleiche, am Sittardweg und auf dem Areal der Feuerwache? Bisher sind dort Parkplätze vorhanden, die seinerzeit für den Ansturm auf das City-Outlet vorgehalten wurden.

Die BBE-Handelsberatung GmbH aus Köln ist von der Stadt Bad Münstereifel beauftragt worden, ein Strukturgutachten zu erstellen. Und darin wird diesen Flächen ein „großes Entwicklungspotenzial“ prognostiziert. Die Empfehlungen von Rainer Schmidt-Illguth zur Fortschreibung des Einzelhandels- und Strukturgutachtens werden im Stadtentwicklungsausschuss am Donnerstag, 18 Uhr, im Rats- und Bürgersaal diskutiert.

Mit dem Handwerkerhof am Orchheimer Tor machten die Outlet-Investoren bereits 2014 den ersten Schritt vor die historische Stadtmauer. Als nächstes soll ein neuer Mega-Store auf dem Zimmerei-Gelände am Seniorenzentrum „Am Alten Stadttor“ in der Trierer Straße mit Shops und einer Verkaufsfläche von rund 1700 Quadratmetern entstehen.

Das City-Outlet würde mit der Realisierung eines Geschäftshauses auf dem Areal der „Alten Zimmerei“ räumlich neu definiert, sagt Schmidt-Illguth, Leiter der Niederlassung Köln der BBE-Handelsberatung. Die Einkaufsmeile würde nach Süden verlängert und die Trierer Straße zum südlichen Entree des Outlets aufgewertet.

2,2 Millionen Besucher verbuchten die Outlet-Betreiber im vergangenen Jahr nach Angaben der BBE: „Die Innenstadt hat somit in kürzester Zeit einen umfassenden Vitalisierungsprozess durchlaufen.“ Die Ansiedlung vor den Toren der Stadt habe gleichzeitig Auswirkungen auf den zentralen Versorgungsbereich, so Schmidt-Illguth weiter. Der müsse erweitert werden.

Bisher umfasste der zentrale Versorgungsbereich das Gebiet der Altstadt innerhalb des Mauerrings, Bereiche der Sebastian Kneipp-Promenade sowie das südlich vorgelagerte Areal am Orchheimer Platz.

Der „Großen Bleiche“ neben dem Schulzentrum attestieren die Kölner Gutachter ein besonders großes Potenzial. Die räumliche Nähe zum Orchheimer Tor mache das bisher als Parkplatz genutzte Areal zum wichtigsten Entwicklungsstandort in der Kurstadt.

Nach ihrer Vorstellung könnte an der Front der Trierer Straße ein Neubau entstehen, in dessen Erdgeschoss weitere Modeläden oder gastronomische Betriebe angesiedelt werden könnten.

Die hinteren Parkplätze könnten erhalten bleiben und über die Straße „Große Bleiche“ (L 165) erschlossen werden. Die Trierer Straße würde dann vom Verkehr entlastet, so die Gutachter: „Ein Effekt, der aufgrund der sensiblen Umfeldnutzungen wie Kindertagesstätte und Schule sehr positiv zu bewerten wäre.“

Auch den Sittardweg rücken die Experten ins Blickfeld: Die Flächen lägen verkehrsgünstig und seien daher für Einzelhandelsnutzungen optimal.

Sollten die Parkplatzkapazitäten dort knapp werden, so steht es im dieser Zeitung vorliegenden Gutachten, kann dort ein Parkhaus kombiniert mit Mietflächen für Einzelhandels-, Gastronomie- oder Dienstleistungsbetriebe Abhilfe schaffen.

Unter die Lupe genommen hat die BBE auch die nördliche Vorstadt. Das Stellplatzangebot im Norden der Altstadt sei sehr begrenzt. Daher raten die Experten dazu, den öffentlichen Parkplatz an der Feuerwache zu erhalten. Und zwar deshalb, um den nördlichen Bereich der Altstadt vom Besucherverkehr zu entlasten. Schließlich profitiere die Werther Straße als Geschäftsstraße von einem attraktiven Stellplatzangebot an dieser Stelle.

An der Feuerwache sei aber auch ein Parkhaus denkbar, in das die bisher ebenerdig angelegten Stellplätze verlagert werden könnten, um Platz für weitere „zentrenkompatible Nutzungen“ zu schaffen.

Großen Nachholbedarf sehen die Gutachter im Bahnhofsumfeld: Der Bahnhof sei ein wichtiges Eingangstor für die Altstadt-Besucher und biete eine attraktive Anbindung nach Bonn und Köln, so Schmidt-Illguth: „Diesen wichtigen Funktionen wird das Bahnhofsumfeld heute weder baulich noch hinsichtlich der Stadtgestaltung gerecht.“

Wünschenswert wären dort touristische und gastronomische Angebote oder solche aus dem Gesundheitssektor. Dringend notwendig ist laut Gutachter Schmidt-Illguth auch eine Aufwertung des Fußweges zwischen Bahnhof und Werther Tor.

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