BaumschutzsatzungStadt verbietet Fällen von Rotbuche

Eine Gefahr ist die Rotbuche, die Kurt Korte gefällt sehen möchte. Das will die Stadt Mechernich aber nicht.
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Eiserfey – Es mutet schon etwas kurios an. Da möchte der Eiserfeyer Kurt Korte eine hoch gewachsene Rotbuche auf dem eigenen Grundstück fällen lassen, weil er in dem Baum eine Gefahr sieht – und darf es nicht, weil die Stadt Mechernich es verbietet. Grund ist eine Baumschutzsatzung, die im Stadtgebiet gilt.
Zur Vorgeschichte: Kurt Korte ist Architekt, und der 60-Jährige hat in seinem Leben nach eigenen Schätzungen bereits 30 neue Bäume auf eigenen Grundstücken angepflanzt. Seit vier Jahren wohnt Korte zusammen mit seiner Frau Gunia (59) „Im Wiesental“. Schräg gegenüber haben die Kortes 2011 ein Grundstück gekauft. Sie bauen dort ein weiteres Haus, das barrierefrei eingerichtet wird.
Doch auf dem Grundstück herrschte Wildwuchs. Kortes ließen alles für einen Hausbau beseitigen. Und weil die Stadt Mechernich eine Baumschutzsatzung hat, musste Kurt Korte zur Entfernung von zwei Rotbuchen einen Antrag stellen – die beiden Buchen standen im Arbeitsbereich. Auf eine Ersatzbepflanzung sei damals seitens der Stadt verzichtet worden, da die dritte Rotbuche erhalten werden sollte, so die Kortes. Dazu mussten sie einen Wurzelvorhang anlegen und zusätzlich eine Wurzelschutzplatte als Sicherung einbauen. Dadurch sollten Wurzelschäden am Fundament des Hauses unterbunden werden. Nur drei Meter beträgt der Abstand des Baums zum Neubau.
Helmut Schmitz, der zuständige Fachbereichsleiter im Mechernicher Rathaus, machte auf Rundschau-Nachfrage unmissverständlich klar: „Der Baum bleibt stehen.“
„Von der Stadt wird Herr Korte keine Zustimmung erhalten.“ Schmitz und seine zuständigen Mitarbeiter sehen „keine Gefahr“. „Herr Korte könnte einen schriftlichen Antrag stellen, dann könnte sich die Politik in dem entsprechenden Fachausschuss damit beschäftigen. Seitens der Mechernicher Verwaltung wird es eine Stellungnahme dazu geben, die so ausfallen wird, wie bisher schon bekannt ist: Der Baum bleibt.“ (küp)
Doch inzwischen sehen die Kortes in der verbliebenen Rotbuche, die bereits eine Höhe von 18 Metern erreicht hat, eine Gefahr. „Meine Frau traut sich schon nicht mehr, auf das Grundstück zu gehen, weil sie befürchtet, dass der Baum umkippt. Bei Unwetter haben wir Angst, dass der Blitz in den Baum einschlägt“, so Korte besorgt. Beim jüngsten Unwetter seien Äste abgefallen. „So lange die Buche auf dem Grundstück steht, hat meine Frau Angst, dort zu wohnen.“ Korte geht davon aus, dass aufgrund der Klimaveränderungen die Unwetter und Stürme in Zukunft eher zunehmen. Klimaforscher und Wissenschaftler würden dies belegen. „Die Stadt müsste dies in ihrer Baumschutzsatzung berücksichtigen. Baumschutz ja, aber nicht um jeden Preis“, sagt Korte. Er befürchtet: „Beim nächsten starken Sommer-Unwetter könnte die großkronige, voll belaubte Rotbuche aufgrund der exponierten Westwindlage abbrechen oder gar entwurzeln, vom Blitz getroffen werden oder auf das Haus stürzen und womöglich Menschen töten. Mit diesem Risiko möchten wir dort nicht leben.“
Korte schrieb wieder die Stadt Mechernich an mit dem Hinweis, dass von der Rotbuche Gefahren für Menschen oder Sachen ausgehen. Er bat wiederholt um eine Abholzgenehmigung. „Der Baum muss weg“, forderte Korte. Doch die Stadt Mechernich sieht das anders. Sie antwortete, dass ihrer Ansicht nach die Bedenken und Ängste nachvollziehbar, aber unbegründet seien. Demnach muss der Baum stehen bleiben (s. Kasten).
Die Stadt ließ sogar den Wert des Baums nach einer Sachwertmethode ermitteln. 7000 Euro ist der Baum demnach wert. „Mit einer Ersatzbepflanzung auf Ihrem Grundstück ist daher der Verlust dieses meines Erachtens gesunden, vitalen und ortsbildprägenden, sehr schönen Baumes nicht auszugleichen“, teilte ein städtischer Mitarbeiter dem Eiserfeyer Ehepaar mit.
Nach ihrer Rückkehr aus ihrem Urlaub waren Gunia und Kurt Korte über das Schreiben entsetzt. „Ist der Stadt Mechernich ein Menschenleben nicht einmal 7000 Euro wert?“, fragt sich Baumbesitzer Korte. „Zu einer Entscheidung gehört auch ein Abwägungsprozess, in dem unter anderem auch das Gefahrenpotenzial bei einer Unterschutzstellung zu berücksichtigen ist“, so Architekt Korte, der auch Sicherheitsfachkraft ist. Schön sei der Baum in seinen Augen schon mal gar nicht. „Ich kenne schöne Buchen, aber diese hat nur halbseitig eine Krone.“
Auch Nachbarn würden laut eigenen Angaben Kortes inzwischen recht geben. „Es ist aus mehreren Gründen nicht vertretbar, dass der Baum da stehen bleibt. Die Stadt Mechernich kann nicht über Leben und Tod entscheiden“, ärgerte sich Korte. Die ganze Angelegenheit sei verfahren. Auch beim Mechernicher Bürgermeister Hans-Peter Schick war Korte schon vorstellig. Das Ergebnis war aus seiner Sicht wenig erfreulich. „Ich hatte auf mehr Einsicht gehofft.“
Korte ließ zur Begutachtung einen Forstamts-Mitarbeiter kommen. Dieser riet ihm, einen Gutachter einzuschalten. Korte ist von der Stadt Mechernich enttäuscht. Er hofft, dass die Stadt doch noch seinen Argumenten folgt. Denn einfach den Baum absägen, das will Korte aufgrund einer drohenden Geldstrafe nicht.
