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Bereitschaft Düren/Euskirchen Imposantes Aufgebot an Feuerwehr bei Waldbrand-Übung

Heimbach/Kreis Euskirchen – Dicke Rauchschwaden ziehen über Heimbach und das Rurtal. Immer wieder facht der kräftige Südwestwind den Waldbrand an, der auf den Hängen des Kermeters wütet. Oberhalb der Staumauer formieren sich die Kräfte der Heimbacher Feuerwehr.

Doch trotz aller Bemühungen drohen die Flammen, auf das Landal-Feriendorf überzugreifen, in dem sich aktuell 700 Gäste aufhalten. Und sechs Personen werden noch in dem brennenden Waldstück vermutet.

Das Szenario könnte der Fantasie eines Drehbuchautors entsprungen sein, bot am Samstag aber die Grundlage für eine Großübung der Feuerwehr, die auch unbeteiligten Beobachtern vor Augen führten, wie schwierig es ist, eine große Anzahl von Helfern und Fahrzeugen effektiv einzusetzen.

„Gerade hat man bei den Waldbränden in Kalifornien gesehen, was alles passieren kann“, sagte Heimbachs Bürgermeister Peter Cremer. Er verfolgte am Samstag auf dem Parkplatz an der Staumauer Schwammenauel den Verlauf der Übung, bei der planmäßig bis zu 250 Helfer zum Einsatz kommen sollten.

Dass laut Drehbuch zwei Hektar Wald bei hochsommerlicher Trockenheit in Brand geraten waren, verlangte an dem nasskalten Herbstmorgen einiges an Vorstellungsvermögen. Gleiches galt für die Bedrohungslage, die die städtische Feuerwehr im Ernstfall überfordert hätte.

Real war dagegen die massive Unterstützung der 50 Feuerwehrleute aus Heimbach durch die Bereitschaft II der Bezirksabteilung Köln, die aus Einheiten der Kreise Euskirchen und Düren gebildet wird. Die rückte mit 40 Fahrzeugen an, um die örtliche Feuerwehr zu unterstützen. Wobei diese Bereitschaften keineswegs nur im Regierungsbezirk Köln eingesetzt werden.

„Wir sind Teil des Landeskonzeptes im Katastrophenschutz“, erläuterte Dürens Kreisbrandmeister Karlheinz Eismar: „Die Bereitschaften sind dafür konzipiert, auch in anderen Regionen und Bundesländern eingesetzt zu werden. Und das auch über mehrere Tage hinweg“, sagte.

So half die Bereitschaft Düren/Euskirchen 2015 nach den Sturmschäden im Ruhrgebiet. Wenn eine derartige Lage in Heimbach wäre, würde diese Bereitschaft allerdings nicht eingesetzt, um nicht die Grundsicherheit in der Region zu gefährden. Unterstützung käme dann von anderen Bereitschaften des Landes oder gar anderer Bundesländer, erklärte der Pressesprecher der Heimbacher Feuerwehr, Christian Blumenthal.

Doch derartige Einsätze müssen geübt werden, damit die Hilfe in geordneten Bahnen verläuft . Zum letzten Mal hatte die Bereitschaft Düren/Euskirchen vor fünf Jahren an der Eifelhöhen-Klinik in Marmagen den Ernstfall trainiert.

Eismar und Harald Heinen, stellvertretender Euskirchener Kreisbrandmeister, führen die Bereitschaft gemeinsam. Nachdem sich die Kräfte aus dem Kreis Euskirchen am frühen Morgen auf dem Parkplatz des Kommerner Freilichtmuseums gesammelt hatten, steuerten sie zunächst das Feuerschutztechnische Zentrum in Stockheim an, um sich dort mit den Dürener Einheiten zu vereinen.

Im Marschverband, eskortiert von Kradmeldern, rollten die Fahrzeuge dann ins Heimbacher Einsatzgebiet, eine für viele Autofahrer ungewohnte Situation. Die Leitung der Einheiten hatte Heinen übernommen.

„Es ist vor allem eine logistische Herausforderung“, kommentierte Blumenthal die Anforderungen. Das zeigte sich in vielerlei Hinsicht. Wie tankt ein solch großer Verband an der einzigen Tankstelle in Heimbach? Wo würde die Stadt 700 Leute unterbringen, wenn die Evakuierung des Feriendorfes nötig würde? Wie bekommt man genug Löschwasser in den Wald? Schon derart viele Feuerwehrfahrzeuge über die engen Wege an der Talsperre zu lotsen, ohne dass sie sich dabei in die Quere kommen, stellte eine Herausforderung dar.

„Extra für euch bauen wir jetzt die Pumpe um“, erklärte André Leisten vom Wasserförderzug aus Euskirchen den Kameraden, die seine Einheit bei der Einrichtung der Wasserentnahmestelle an dem neuen Kraftwerk an der Talsperre unterstützten. Der Euskirchener Wasserförderzug mit dem „Hytrans Fire System“ ist einer von insgesamt sechs landesweit. Er ist nach den Hochwassereinsätzen an Elbe und Oder aufgestellt worden. Seine Aufgabe: große Mengen Wasser über weite Entfernungen zu fördern.

Mit einem Lenzrad ausgerüstet, kann die Hochleistungspumpe schnell gewaltige Wassermengen (8000 Liter pro Minute) aus Überschwemmungsgebieten entfernen. Für Heimbach, wo das Wasser über eine Strecke von einem Kilometer hinweg transportiert werden musste, wurde ein Pumpenrad montiert, das bei einem Druck von elf Bar 3500 Liter in der Minute fördert. Von der Staumauer legten die Wehrleute die imposanten F-Schläuche entlang der Rur bis an die Zufahrt zum Feriendorf. „Alles läuft super“, freute sich Einsatzleiter Peter Kuck, Leiter der Heimbacher Feuerwehr, um die Mittagszeit. So eine große Übung habe die Heimbacher Feuerwehr noch nie abgearbeitet, sagte er.

Immer wieder wurden neue Szenarien und Lageänderungen eingespielt. Die Zusammenarbeit der Einsatzkräfte aus den beiden Kreisen und den beteiligten Organisationen funktionierte aber gut. Die Rettungshundestaffel Euregio aus dem Dreiländereck hatte bereits am Morgen die vermissten Personen im Waldgebiet gefunden, die DLRG Heimbach die Verpflegung der Einsatzkräfte übernommen.

Am Nachmittag endete die Übung beim gemeinschaftlichen Erbsensuppenessen im Heimbacher Gerätehaus, wo Kuck mit Heinen und Eismar die Einsatzkräfte schließlich zur Fahrt zurück an ihre Standorte entließ.