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Lichter und Herzen„Team Gedenken“ schmückt NRW-Flutgedenkstätte und übt massive Kritik

Lesezeit 4 Minuten
In der Abenddämmerung sind die Lichterketten in den Gedenkbäumen für die Opfer der Flutkatastrophe in NRW zu erkennen.

Die Gedenkallee bei Blankenheimerdorf für die 49 Todesopfer der Flutkatastrophe in NRW ist jetzt zum Teil mit Lichterketten beleuchtet.

Team aus Odendorf sorgt für weihnachtlichen Glanz – und übt Kritik an der Baumallee bei Blankenheim für die Opfer der Flutkatastrophe in NRW.

Nur wenige Menschen kennen die zentrale Gedenkstätte des Landes an die 49 Opfer des Hochwassers vom 14. zum 15. Juli 2021 in Nordrhein-Westfalen. Nimmt man die Todesopfer in Rheinland-Pfalz, hier waren es 137, und die aus dem angrenzenden Belgien (39) hinzu, kostete die Katastrophe in der Region 226 Menschen das Leben.

Für die Weihnachtszeit hat das „Team Gedenken“ aus Swisttal-Odendorf im Rhein-Sieg-Kreis 19 der auf einer Naturschutzfläche bei Blankenheimerdorf gepflanzten 49 Gedenkbäume mit Lichterketten geschmückt. Es sind 19 Bäume für die 19 Gestorbenen, deren Daten Tamara Kopelke und Klaus Jansen, die das „Team Gedenken“ bilden, recherchieren konnten. Und deren Angehörige mit dem Schmücken „ihres“ Gedenkbaums einverstanden sind.

Angehörige gestalten Herzen an der Gedenkallee bei Blankenheim

Zudem wurden die 19 Bäume mit Schieferherzen behängt, die ein Bedburger Künstler angefertigt hat. Die Beschriftung haben die Angehörigen selbst gestalten können.

Das alles sei nötig, meinen Jansen und Kopelke, die zweieinhalb Jahre nach der Hochwasserkatastrophe eine „Flut-Demenz“ (Jansen) beklagen. Deshalb haben die beiden auch eine Internetseite „Gegen das Vergessen“ mit der Adresse der Datumszahlen des Fluttags geschaffen: Auf www.140721.de entsteht so eine virtuelle Gedenkstätte – aber für alle 226 Todesopfer, die das Hochwasser in NRW, Rheinland-Pfalz und Ostbelgien forderte. Angehörige können dort selbst ein „Gedenk-Herz“ für ihre Lieben setzen, die beim Hochwasser umkamen.

Odendorfer Team übt Kritik an der zentralen NRW-Gedenkstätte

Der von NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst „gestifteten“ Baumallee stehen nicht nur Kopelke und Jansen vom Tag der Einweihung an kritisch gegenüber. Die Gedenkstätte sei für Ortsunkundige zu dezentral. Wer etwa aus Kamen bei Dortmund anreisen wolle, für den sei der Ort schwer zu erreichen. Unmittelbar an der B 51 gelegen, gebe es außerdem keine Anbindung an den ÖPNV.

Das sind einige der Kritikpunkte, die Jansen und Kopelke am 26. September schriftlich an Ministerpräsident Hendrik Wüst richteten. Sie bemängeln zudem, dass bei der Standortwahl die Angehörigen der Opfer nicht angemessen berücksichtigt worden seien.

Am 3. November antwortete für den Ministerpräsidenten dessen Staatssekretär und Leiter der Staatskanzlei, Dr. Bernd Schulte. In dem Schreiben weist Schulte die Kritik im Wesentlichen zurück. So habe es etwa zum Jahrestag der Hochwasserkatastrophe eine Gedenkveranstaltung in Euskirchen gegeben. Und am 5. Juli 2023, kurz vor dem zweiten Jahrestag und der Einweihung der Gedenkstätte, ohne allgemeine Öffentlichkeit und auch ohne Medieneinladung eine nur für die Angehörigen gedachte Gedenkfeier an der neuen Allee bei Blankenheimerdorf. Zudem seien zwischenzeitlich von der Bürgerschaft und den Kommunen zahlreiche Gedenkstätten in den vom Hochwasser betroffenen Orten errichtet worden.

Büro von Ministerpräsident Hendrik Wüst sagt Verbesserungen zu 

Erfreulich für Jansen und Kopelke, vor allem aber für alle diejenigen, die die zentrale Flutopfergedenkstätte besuchen wollen: Die bisher gänzlich fehlende Ausschilderung mindestens an der B 51 oberhalb von Blankenheimerdorf, besser schon ab Blankenheim, soll nun installiert werden. Und drei der 49 gepflanzten Bäume, die offenbar nicht angegangen sind, sollen entsprechend dem mit der Baumschule vereinbarten Wartungsvertrag ersetzt werden. Auch diesen Hinweis hatten Jansen und Kopelke in ihrem Schreiben an Wüst gegeben. Zudem soll die Pflege der Gedenkanlage verbessert werden.

Das alles allerdings reicht dem „Team Gedenken“ nicht. Nur der kürzere Teil der L-förmigen Anlage sei überhaupt barrierefrei erreichbar, da asphaltiert. Der Boden des längeren Teils aber sei unbefestigt. Dort ist lediglich eine Zuwegung für den Trecker des Landwirts, der die umliegenden Felder von der NRW-Stiftung gepachtet hat.

Auf das Fehlen von Parkplätzen an der Gedenkstätte oder im nahen Umfeld, und die nicht vorhandene direkte ÖPNV-Anbindung, geht die Staatskanzlei im Antwortschreiben nicht ein. Staatssekretär Schulte weist allerdings auf übliche Beschränkungen beim Betreten eines Naturschutzgebiets hin, als das das Areal trotz erlaubter landwirtschaftlicher Nutzung ausgewiesen ist.

Aktion vor dem NRW-Landtag

Für die Odendorfer sind das eher unbefriedigende Antworten. Sie haben auch alle Landtagsfraktionen wegen der Gedenkstätte Blankenheimerdorf angeschrieben. Am 30. Januar wollen sie vor dem Landtag in Düsseldorf eine Aktion wiederholen, die sie schon vor dem Landtag in Mainz durchgeführt haben: Dort legten sie auf einer Grünfläche „gegen das Vergessen der Flut-Opfer“ 137 Kreuze und Herzen aus. Für jedes der rheinland-pfälzischen Todesopfer jeweils eines. In Düsseldorf hängt die Aktion dann mit einer Anhörung des Odendorfer Duos bei Vertretern der FDP-Landtagsfraktion zum Thema zusammen.

An der Gedenkstätte bei Blankenheimerdorf sollen erst einmal bis zum Jahresende die ab der Dämmerung in den 19 Bäumen leuchtenden Lichterketten hängenbleiben. „Ein bisschen weihnachtlicher Glanz gegen das Vergessen“, sagt Tamara Kopelke.

Zwischenzeitlich wurden auch zwei der vier aufgestellten Sitzbänke gedreht, so dass man darauf sitzend die Gedenk-Allee nun im Blick hat. Wer sich dann umdreht, der sieht eine andere Baumgruppe, die kontinuierlich größer wird: Unmittelbar neben der Gedenkstätte zeigt die Gemeinde ihre Freude über jeden neugeborenen Blankenheimer, indem sie dort einen weiteren Baum pflanzt, mit Namensschildchen und Geburtsdatum.

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