Dürscheven – Den Dürschevenern stinkt es gewaltig. „Wenn in der Putenmastanlage die Luken geöffnet sind, ist der Gestank in unserem Dorf kaum auszuhalten“, klagte Ortsvorsteher Siegbert Sievernich. Daher seien viele Dürschevener auch gegen einen weiteren Putenmastbetrieb, der in Ortsnähe entstehen soll.
21 000 Tiere sind auf der bestehenden Anlage untergebracht – etwa 300 Meter von der Ortsbebauung entfernt. Die neue Anlage, so die Pläne von Hubert Brauweiler, soll für 35 000 Tiere in Bodenhaltung gebaut werden. Und zwar unmittelbar neben der Autobahn 1 zwischen Elsig, Wißkirchen, Dürscheven und Enzen.
Hubert Brauweiler erklärte auf Anfrage: „Eine Geruchsbelästigung für die Bevölkerung wird es durch die neue Anlage nicht geben. Zudem wollen wir sie ja so weit wie möglich vom Ort entfernt errichten.“ Die bestehenden, in den 80er Jahren gebauten Putenmasthallen, in naher Zukunft auf den neuesten Stand zu bringen, ist laut Brauweiler nicht vorgesehen.
Siegbert Sievernich befürchtet durch eine neue Putenmastanlage nicht nur eine Geruchsbelästigung der Dürschevener Neubaugebiete Alte Heide und Zum Kelderberg: „Je nach Windrichtung dürften auch die Euskirchener Ortschaften Elsig und Wißkirchen davon betroffen sein.“ Im Zülpicher Stadtentwicklungsausschuss erklärte Bürgermeister Albert Bergmann, dass das Bauvorhaben Putenmastanlage inzwischen als landwirtschaftlicher Betrieb anerkannt und daher kaum zu verhindern sei. Trotzdem stimmten die Politiker der Verwaltungsvorlage zu, das gemeindliche Einvernehmen zum jetzigen Zeitpunkt abzulehnen, da die Erschließung des Betriebes über die vorhandenen Feldwege noch nicht gesichert sei.
Diese müssten noch ausgebaut oder asphaltiert werden. Genau darüber machte sich im Ausschuss auch ein Bürger Gedanken. „Diese Feldwege werden von Spaziergängern sowie Radfahrern und vielen Kindern genutzt. Wenn die Wege nicht so verbreitert werden, dass hier zwei Fahrzeuge aneinander vorbei kommen, sehe ich für Radfahrer und Fußgänger eine große Gefahr.“
Hier machte Bürgermeister Bergmann den besorgten Dürschevenern allerdings keine große Hoffnung: „Eine Genehmigung für einen solchen Ausbau werden wir nicht bekommen. Hier können wir uns nur mit Ausweichbuchten behelfen.“
Um den besorgten Bürgern einen besseren Einblick in das Bauvorhaben der Brauweiler KG zu ermöglichen, einigte sich Bergmann mit den Mitgliedern des Stadtentwicklungsausschusses darauf, eine Bürgerinformationsveranstaltung einzuberufen.
Dann könne der Betreiber darlegen, welche Anlage er genau plane und mit welchem Verkehrsaufkommen zu rechnen sei. Auch der Kreis Euskirchen solle als Genehmigungsbehörde hinzugezogen werden, um Aussagen über mögliche Emissionen treffen zu können, so die Politiker.
In Dürscheven befürchtet man derweil, dass neben der neuen Putenmastanlage noch weiteres Ungemach drohen könnte. Es wird befürchtet, dass zur Entsorgung des Mists, der zunächst von einem Fremdunternehmen abgefahren werden soll, in den nächsten Jahren eine Biogasanlage entstehen könnte.
