Eifelland – Den lebenswichtigen Hinweis, dass außer einem Glatzkopf heutzutage alle anderen Männer durchaus einen Rollkragenpullover zum Anzug tragen dürfen, und eine ganze Menge Wissenswertes mehr für den Alltag in und um Köln erfahren die Leser aus dem neuesten, im Blankenheimer Lüttgau-Verlag erschienenen Buch: „Dä kölsche Knigge: Wat jeht – un wat nit jeht“.
Ernst Lüttgau aus Freilingen hat ein Werk auf den Büchermarkt gebracht, das in 23 Geschichten aus dem täglichen Leben und mit vielen farbigen Abbildungen „dat kölsche Hätz“ rührt: Geschichten, die für das Überleben im Alltag rund um den Kölner Dom lebenswichtig sind. Neben Umgangs- und Anstandsregeln gibt es in Köln nämlich so manche Eigenart, die vor allem der Imi – der Zugereiste also – und besonders der Düsseldorfer, aber auch der Kölner selbst beherzigen sollte.
„Drecksack“ geht gar nicht
So erfährt man, dass man „ne echte Kölsche“ niemals „Drecksack“ nennen darf. Das sei so ziemlich das Schlimmste, was man einem Kölner überhaupt sagen könne, das sei „einfach unverzeihlich“ und könne zur Folge haben, dass der so Angesprochene durchaus „handgreiflich“ werden könne. Über eine Titulierung wie „ahl Aaschloch“ indes sei kein Kölner „wirklich beleidigt“.
Sehr detailliert weisen die Autoren Markus Becker und Ernst Lüttgau auf die kleinen, aber feinen Unterschiede beim Schimpfen hin und widmen ein anderes Kapitel der „puckelijen Verwandtschaft“, was sie sehr vorsichtig und einfühlsam mit „unliebsame Verwandtschaft“ übersetzen. Überhaupt lässt die Übersetzung ins Hochdeutsche viel Feingefühl und jede Menge Verständnis für „kölsche Eigenarten“ erkennen, so dass auch der des Kölschen nicht mächtige Leser ins Bild gesetzt wird. Es gebe kaum etwas, bei dem man so viel verkehrt machen könne wie beim Feiern mit eben jener Verwandtschaft, erfährt der Leser.
Kleinigkeiten seien oft Anlass für „johrelange Knies“. Deshalb wird im „Kölsche Knigge“ genau geschildert, wer bei Kindstaufen und Hochzeiten eingeladen wird und wo dieser und jener sitzen darf und wo am besten nicht. Bei solchen Festen sei „strunze un och anderes Imponierjehabe“ genau so wenig angesagt „wie dä ahle Knies vun vür zwanzich Johr“. Man dürfe über alles reden, außer über sich selbst oder über Gerüchte, wobei „Wedder, Steckepääd oder Urlaub“ die Klassiker seien.
Neben der „Frau, das unbekannte Wesen“ bekommen vor allem die Bergheimer und natürlich die Düsseldorfer ihr Fett weg. Da heißt es: „Ene Düsseldorfer en Kölle es unjefähr esu wie en bayrische Schohplattlerjrupp en dä Pekingoper.“
Den Eifeler unterteilt „Dä kölsche Knigge“ in zwei Gruppen: den „Eifeler light“ aus dem Kreis Euskirchen und den „Hardcore-Eifeler“ aus Bitburg, Prüm und von weiter. Es sind Geschichten, die das Leben Tag für Tag schreibt, eine lesenswerter als die andere, nicht nur für „Minsche, de met Hätz un Siel Kölsche sin“, sondern für alle „Knigge-Freunde“, die immer schon mal wissen wollten, „wat en Kölle jeht – un wat nit jeht!“
Die Idee zu dem Buch geisterte Ernst Lüttgau schon lange im Kopf herum. Entstanden sei sie wohl im Brauhaus, wo man „schöne Szenen“ erleben könne. Da stellten Köbesse Kölsch auf den Tisch, das man gar nicht bestellt habe. „Schöne Szenen“ könne man auch im Karneval erleben, wenn ein „verirrter Düsseldorfer“ aus Versehen „Helau“ rufe. Diese und ähnliche Eindrücke hätten zu der „Knigge“-Idee geführt. Intensiv, so Lüttgau, habe er dann mit Markus Becker ein halbes Jahr lang an der Realisierung des Buches gearbeitet.
Illustriert wurde das Werk wieder von Diana Billaudelle. Auch Lüttgaus 19-jähriger Sohn Matz hat an dem Buch mitgearbeitet. Der junge Mann, der in Venlo Industrielles Produktdesign studiert, sorgte für die Kolorationen.
Markus Becker und Ernst Lüttgau: „Dä kölsche Knigge. Wat jeht – un wat nit jeht!“, Lüttgau-Verlag Blankenheim, 180 Seiten, fester Einband mit Lesebändchen, Format 15 x 15 cm mit vielen farbigen Abbildungen, ISBN 978-3-929721-14-0, Preis: 12,80 Euro.
