Abo

Entrade AGBiogas aus Schlachtabfällen

3 min

Eine solche Biogas-Anlage soll mithilfe der Schmidtheimer Entrade AG in Serbien entstehen. (Animation: Biogas-Ost, Ing.-Büro Franke)

Schmidtheim – Es ist ein ekelerregendes Bild. Schlachtabfälle, wo man hinschaut. „Ich sollte Fotos davon machen, doch nach einem einzigen konnte ich nicht mehr“, sagt Julien Uhlig. Er habe den geordneten Rückzug angetreten und für den Rest des Tages sei ihm schlecht gewesen. Dieses Erlebnis hatte der Geschäftsführer des Autark-Instituts in der serbischen Stadt Kraljevo. Mit dem, was Uhligs Institut und die Schmidtheimer Entrade AG von Emmanuel Graf Beissel von Gymnich vorhaben, soll dieser Zustand beseitigt werden. Denn sie wollen in Kraljevo eine Biogas-Anlage bauen, die mit Schlachtabfällen betrieben wird.

„Es gibt auf dem Balkan eine sehr große Fleisch-Industrie, aber keine Entsorgungsmöglichkeit“, schildert Uhlig das Problem. Daher türmten sich riesige Mengen illegal entsorgter Schlachtabfälle inmitten der Stadt auf. Die Abfälle würden das Grundwasser verpesten und die Anwohner belasten. Im öffentlichen Auftrag machten sich Uhlig und das 14-köpfige Team des Autark-Instituts, das Förderträger des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie ist, daran, eine Lösung für dieses Problem zu finden. „Schließlich sind die Schlachtabfälle wertvolle Biomasse, in die viele Nahrungsmittel gesteckt wurden“, sagt Uhlig. Nach zwei Jahren hätten sie über das „Cluster Energieforschung NRW“ in Zusammenarbeit mit der serbischen Regierung, der Stadt Kraljevo sowie der Fachhochschule Kraljevo den Plan für eine spezialisierte Biogasanlage vorgelegt.

„170 Tonnen Abfälle pro Tag werden in der Anlage verbraucht, die eine elektrische Leistung von 3,4 Megawatt hat“, sagt Uhlig. Der Gärrest, der dabei entstehe, sei sauber und könne auf Feldern ausgebracht werden. Zudem werde das entstehende Wasser aufbereitet und könne wieder genutzt werden. Und natürlich werde durch die Anlage nicht nur Strom produziert, sondern auch Wärme, mit der Gebäude beheizt oder klimatisiert werden könnten. Die Planungen sind inzwischen so weit fortgeschritten, dass Uhlig damit rechnet, dass im September/Oktober dieses Jahres der Spatenstich erfolgen kann. „Netzanschluss könnte Anfang 2013 sein“, sagt der Autark-Geschäftsführer. Dass das überhaupt möglich sei, sei zu einem großen Teil der Entrade mit Sitz im Schmidtheimer Schloss zu verdanken. „Die Entrade ist unser Hauptfinanzierungs-Partner“, sagt Uhlig. Das Projekt in Serbien etwa hat ein Investitionsvolumen von zwölf Millionen Euro. Laut Uhlig sind bis zu fünf Anlagen in Kraljevo möglich, was sich zu einer Gesamt-Investition von 70 Millionen Euro aufaddieren würde.Für Uhlig gibt es bei diesem Projekt nur Gewinner. Die Serben würden mit der zertifizierten Entsorgung der Abfälle Vorgaben der Europäischen Union erfüllen, in die das Land aufgenommen werden will. Zudem werde mit dem Projekt Infrastruktur vor Ort geschaffen. „Außerdem entstehen 35 Arbeitsplätze“, so der Geschäftsführer. Und die Investoren gingen bei dem Projekt, für das das Autark-Institut die Wirtschaftlichkeit ausgerechnet habe, auch nicht leer aus.

Die Investoren sollen in Zukunft auch aus den USA kommen. Denn Julien Uhlig verriet, dass die Entrade im Herbst ein Büro in New York eröffnen will, um über eine „Crowd-Funding“-Plattform auch amerikanischen Anlegern zu ermöglichen eigene Anlagen-Konzepte zu entwickeln oder sich an Investitionen zu beteiligen. „Dabei können sich Investoren direkt für ein Projekt entscheiden, indem sie Anteile kaufen oder Darlehen zur Verfügung stellen“, so Uhlig.Auch die Möglichkeit zu spenden sei vorgesehen, sollte es sich etwa um eine Kleinwasserkraftanlage in einem Dorf in Afrika handeln. Julien Uhlig: „ Anne Gräfin Beissel von Gymnich kümmert sich dabei primär um den humanitären Teil, Energy/Wasser und Infrastruktur werden als direkte Entwicklungshilfe geleistet.“