Euskirchen – Vier Kerzen stehen auf den Stufen vor dem Einfamilienhaus im Euskirchener Stadtgebiet. Aufgestellt haben sie zwei Väter. Beide kannten die 41 Jahre alte Frau nicht, die in dringendem Tatverdacht steht, ihren vierjährigen Sohn getötet zu haben. Es sei ihnen ein Bedürfnis gewesen, mit den Kerzen – eine für jedes Lebensjahr des Jungen – ein Zeichen der Trauer zu setzen.
Wie Robin Faßbender, Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Bonn, mitteilte, fand ein Familienangehöriger, der nach Mutter und Kind schauen wollte, die beiden am Sonntagnachmittag leblos auf. Der Notarzt konnte nur noch den Tod des Jungen feststellen. Die 41-Jährige wurde mit lebensbedrohlichen Verletzungen ins Krankenhaus gebracht und befindet sich nun in einer psychiatrischen Einrichtung. Sie hatte laut Staatsanwaltschaft versucht, sich das Leben zu nehmen.
Ergebnisse der Obduktion liegen auch am Dienstag noch nicht vor
Nach Informationen dieser Zeitung wollte die 41-Jährige ihren Sohn vergiften. Faßbender sagt, dass er dies weder kommentieren, noch bestätigen oder dementieren wolle. Die Staatsanwaltschaft gibt an, dass letztlich „mehrere Gewalteinwirkungen in unterschiedlicher Art und Auswirkung auf den Körper“ zum Tod des Jungen geführt haben.
Beratung und Seelsorge in schwierigen Situationen
Kontakte | Hier wird Ihnen geholfen
Wir gestalten unsere Berichterstattung über Suizide und entsprechende Absichten bewusst zurückhaltend und verzichten, wo es möglich ist, auf Details. Falls Sie sich dennoch betroffen fühlen, lesen Sie bitte weiter:
Ihre Gedanken hören nicht auf zu kreisen? Sie befinden sich in einer scheinbar ausweglosen Situation und spielen mit dem Gedanken, sich das Leben zu nehmen? Wenn Sie sich nicht im Familien- oder Freundeskreis Hilfe suchen können oder möchten – hier finden Sie anonyme Beratungs- und Seelsorgeangebote.
Telefonseelsorge
Unter 0800 – 111 0 111 oder 0800 – 111 0 222 erreichen Sie rund um die Uhr Mitarbeiter, mit denen Sie Ihre Sorgen und Ängste teilen können. Auch ein Gespräch via Chat ist möglich. telefonseelsorge.de
Kinder- und Jugendtelefon
Das Angebot des Vereins "Nummer gegen Kummer" richtet sich vor allem an Kinder und Jugendliche, die in einer schwierigen Situation stecken. Erreichbar montags bis samstags von 14 bis 20 Uhr unter 11 6 111 oder 0800 – 111 0 333. Am Samstag nehmen die jungen Berater des Teams "Jugendliche beraten Jugendliche" die Gespräche an. nummergegenkummer.de.
Muslimisches Seelsorge-Telefon
Die Mitarbeiter von MuTeS sind 24 Stunden unter 030 – 44 35 09 821 zu erreichen. Ein Teil von ihnen spricht auch türkisch. mutes.de
Deutsche Gesellschaft für Suizidprävention
Eine Übersicht aller telefonischer, regionaler, Online- und Mail-Beratungsangebote in Deutschland gibt es unter suizidprophylaxe.de
Die genauen Ergebnisse der Obduktion lagen nach Angaben des Pressesprechers auch am Dienstag noch nicht vor. Die Staatsanwaltschaft spricht von einer Familientragödie. „Eine solche Tat ist für mich unvorstellbar. Es macht einen betroffen, auch wenn man die Familie nicht gekannt hat“, sagte eine Frau, die in der Parallelstraße gerade ihr Haus verlässt. Dass ein solches Ereignis in dem Viertel geschehen könne, habe sie nicht für möglich gehalten. Ein Nachbar, der an der Straße mit den vielen Einfamilienhäusern wohnt, ist ebenfalls fassungslos: „Das arme Kind kann doch nichts dafür.“
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Eine Frage, die rund um die Tat immer wieder aufkommt: Warum hatte die 41-Jährige das Sorgerecht für ihren Sohn, obwohl sie sich nach Angaben der Bonner Staatsanwaltschaft „seit mehreren Monaten in psychiatrischer Behandlung befindet“. Wolfgang Andres, Pressesprecher des Kreises, sagte auf Nachfrage, dass eine solche Entscheidung nicht in den Zuständigkeitsbereich des Kreis-Jugendamtes falle.
Das sei immer die Entscheidung eines Gerichts. Nur wenn eine Gefährdung des Kindeswohls absehbar sei, werde diese Möglichkeit von einem Gericht in Betracht gezogen. Und „absehbar“ bedeute in diesem Fall „wahrscheinlich“. Nach Angaben des Kreises waren die familiären Umstände dem Jugendamt nicht bekannt.
Hintergrund: Soziale Netzwerke erschweren die Arbeit des KID
Zeugen und Angehörige wurden am Sonntag vom Kriseninterventionsdienst (KID) betreut. Diejenigen, die in einer solchen Phase Hilfe brauchen, finden sie seit mehr als 20 Jahren beim KID.
Seit dem Jahr 2000 sind die ehrenamtlichen Mitarbeiter des KID unter der Trägerschaft des Deutschen Roten Kreuzes im Einsatz. „Ursprünglich wurde der KID gegründet, damit Rettungskräfte nach schwierigen, seelisch belastenden Einsätzen jemanden haben, der zuhört und denen sie ihr Herz ausschütten können“, berichtet KID-Mitarbeiterin Maria Jentgen.
Mittlerweile seien es nur noch in Ausnahmefällen die Rettungskräfte, denen das KID-Team beisteht. Der Schwerpunkt der Seelsorge liege längst bei den Angehörigen.
Zwölf Mitarbeiter sind im KID ehrenamtlich aktiv. Sie stehen kreisweit rund um die Uhr zur Verfügung. Durch die Pandemie habe sich die Arbeit kurzfristig geändert, berichtet Jentgen. Lediglich beim Einsatzstichwort „Suizid“ sei man zu den Angehörigen gefahren, ansonsten wurde übers Telefon Seelsorge betrieben. „Das ist anders“, sagt sie. Wann immer es ging, habe man Betroffene und Angehörige per Videotelefonat betreut, damit eine kleine Bindung aufgebaut werden konnte. Mittlerweile lasse die Pandemie-Lage die persönlichen Kontakte wieder zu.
Soziale Netzwerke erschweren dem KID zunehmend die Arbeit. „Wenn die Angehörigen von Facebook erfahren, dass etwas Schreckliches passiert ist, macht das unsere Arbeit schwerer“, so Jentgen.

