Selbstversuch beim VFB SchleidenSchlummert in mir eine Handballerin?

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Julia Reuß spielt Handball beim VfB-Schleiden (1)

Julia Reuß bei ihrem ersten Handball-Training.

Schleiden – Basketball, Handball, Volleyball, Tischtennis: Das Angebot von Teamsportarten im Kreis ist groß. Und jeder kann mitmachen. Das gilt zumindest für Kinder. Bei Erwachsenen sieht es da schon anders aus. Die meisten Teams spielen in einer gewissen Liga, Anfänger brauchen da gar nicht erst zum Training auftauchen.

Das ist gerade auf dem Land schade, denn Vereine sind hier oft besonders wichtig für die Gemeinschaft und ein guter Ort, um neue Leute kennenzulernen. Vor allem für Zugezogene ist das ein wichtiger Punkt. Klar kann man sich auch mit Joggen, Hantel-Training oder irgendwelchen Kursen im Fitnessstudio sportlich betätigen, doch das ist oft sehr anonym – die Gemeinschaft fehlt, der Teamgeist. Zumindest geht es mir so.

Ich bin Julia, 28 Jahre alt und auf der Suche nach einem neuen Sport. In den kommenden Wochen werde ich verschiedene Vereine im Kreis besuchen und ausprobieren, was sie für Anfänger anbieten. Dabei werde ich auf folgende Punkte achten: Anfängertauglichkeit: Wie gut ist das Training für absolute Neulinge geeignet? Teamgefühl: Kann man hier neue Leute kennen lernen? Aufwand: Wann und wie oft findet das Training statt und wie oft muss man zu Wettkämpfen?

VfB Schleiden sucht neue Talente

Zu Beginn meiner Recherche klicke ich mich kreuz und quer durch die Homepages der Vereine im Kreis – und finde schließlich den VfB Schleiden. „Wir suchen laufend neue Talente“, heißt es da. Ich habe Handball zwar das letzte Mal in der achten Klasse gespielt, aber wer weiß, vielleicht schlummert in mir ja ein solches Talent, das nur darauf wartet, geweckt zu werden. Ich rufe den Trainer an. Ich könne gerne vorbeikommen, sagt er.

Infos

Training

Das Damenteam von Ralf Schreiber trainiert immer dienstags von 18.30 bis 20 Uhr. Momentan findet das Training abwechselnd in Hellenthal und Mechernich statt, da die Schleidener Dreifachturnhalle seit der Flut nicht mehr benutzt werden kann.

Liga

Die Frauen spielen in der Kreisliga Bonn/Euskirchen/Sieg. Eine Saison beginnt immer nach den Sommerferien und endet rund um Ostern. Wie viele Spiele man in der Zeit habe, hänge von der Anzahl der Teams ab, so Schreiber. Meistens seien es um die 20 Spiele. Da die Saison gerade vorbei sei, sei nun ein idealer Zeitpunkt, als Anfängerin zu starten, sagt der Trainer. Jedes Jahr organisiere der VfB Schleiden außerdem ein eigenes Turnier in Schleiden, zu dem dann andere Mannschaften eingeladen werden.

Kosten und Kontakt

Zwischen 16 und 40 Jahre alt sind die Spielerinnen. Sie  freuen sich immer über Zuwachs. Einmal im Jahr macht das Team  einen  Ausflug, und es gibt eine Vereinsweihnachtsfeier. Der Jahresbeitrag für berufstätige Erwachsene beträgt 96 Euro. 

vfbschleiden.de

Dienstag, 18.20 Uhr. Ich fahre auf den Parkplatz an der Turnhalle in Hellenthal. Ich bin nervös. In der Halle werde ich freundlich begrüßt und stelle erleichtert fest, ich bin nicht die einzige Neue. Nach dem Umziehen beginnt das Aufwärmen: Einlaufen mit und ohne Ball, dehnen, und dann folgt eine Runde Parteiball – ich bin nach 20 Minuten schon völlig fertig.

Beim Handball-Spiel noch überfordert

Zum Glück geht es danach mit Wurf-Übungen im Stand weiter. Das Werfen klappt schon ganz gut, beim Fangen hapert es aber noch. Immer wieder muss ich meinem Ball hinterherlaufen, der quer durch die Halle kullert. Ich bekomme Tipps vom Trainer und von Mitspielerinnen.

Bei der nächsten Übung sollen wir aufs Tor werfen. Ich treffe nie – aber wenigstens stimmt meistens die Richtung, und auch bei den anderen sitzt längst nicht jeder Wurf, das beruhigt. Zum Trainingsabschluss spielen wir eine Runde Handball. Hier bin ich überfordert. Immer wieder rufen Mitspielerinnen „Es ist angesagt“, „Du musst abholen“ oder „Der Kreis lebt“. Ich habe keine Ahnung, was das heißen soll. Ich laufe rechts außen einfach mit und werfe sogar ein paar mal aufs Tor – natürlich ohne zu treffen.

Ich merke schnell, Kondition braucht man beim Handball auf jeden Fall – immer wieder geht es schnell von einem Ende der Halle zum anderen, man muss den Gegner im Blick haben, ihn stören und sich immer wieder freilaufen. Ich jedenfalls bin nach 20 Minuten total k. o., und das war nur ein Trainingsspiel.

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Um Punkt acht ist das Training vorbei, und der Trainer hat sogar lobende Worte für mich übrig. Das sei gar nicht so schlecht gewesen, ich dürfe wiederkommen, sagt er mit einem Augenzwinkern. Überhaupt ist die Stimmung beim Training locker. Immer wieder wird gelacht, und wir Neuen werden auch mit einbezogen. Als Anfängerin fühle ich mich zwar manchmal überfordert, aber nicht fehl am Platz.

Kann sein, dass das die freigesetzten Endorphine sind, aber auf der Fahrt nach Hause denke ich: „Ich hatte vergessen, wie viel Spaß mir Sport eigentlich macht!“

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