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Nächste PremiereCarolin Salmon aus Bad Münstereifel kennt im Triathlon keine Grenzen

7 min
Salmon, die einen Helm trägt, sitzt nach vorne gebeugt auf ihrem Rennrad, im Hintergrund das Schloss.

Die Kalkarerin Carolin Salmon startet in der Triathlon-Bundesliga. Manche Trainingsrunde führt am Wachendorfer Schloss vorbei.

Carolin Salmon aus Bad Münstereifel-Kalkar hat im Sport vieles probiert. Im Triathlon fand sie nach anfänglicher Skepsis ihre Erfüllung. 

Als Carolin Salmon 2023 mit dem Zug zu ihrem ersten Triathlon-Wettkampf fuhr, blickte sie bei der Überquerung des Rheins auf die Athletinnen und Athleten hinunter, die bereits auf der Mitteldistanz unterwegs waren. 1,9 Kilometer Schwimmen, 90 Kilometer Radfahren und anschließend noch ein Halbmarathon – für die damals 33-Jährige war das vollkommen unvorstellbar. „Die haben doch einen an der Meise“, dachte die Frau aus Bad Münstereifel-Kalkar. Zu ihren Eltern und ihrem Partner sagte sie: „Das werde ich in meinem Leben niemals machen.“

Nur ein Jahr später stand Salmon selbst an der Startlinie einer Mitteldistanz. Inzwischen bereitet sich die 35-Jährige aus Kalkar sogar auf ihre erste Langdistanz vor. Der Weg dorthin verlief alles andere als geradlinig. Er führte über Ballett, Indoor-Cycling und Mountainbike-Rennen, über längere Pausen und sportliche Neuanfänge. Rückblickend erkennt Salmon dennoch einen roten Faden: Wenn sie sich für eine Sportart begeistert, dann betreibt sie diese nicht nur nebenbei.

In ihrer Jugend betrieb die Münstereifelerin andere Sportarten

Mit fünf Jahren begann sie mit dem Ballett. Bis zu ihrem 13. Lebensjahr trainierte sie zuletzt zwei- bis dreimal pro Woche. Nach dem Ende ihrer Ballettzeit probierte sie zunächst das Reiten aus. Doch ihr fehlte dabei das, was sie am Sport besonders schätzt: die körperliche Anstrengung und das Gefühl, sich vollständig auszupowern.

Mit 16 landete sie eher zufällig in einer Indoor-Cycling-Stunde in einem Fitnessstudio. Schon nach der ersten Einheit war sie begeistert. Aus zwei Trainingseinheiten pro Woche wurden bald fünf bis sechs. Über das Spinning fand Salmon zum Mountainbikesport.

Salmon kühlt sich unter der Dusche ab, die wegen der Hitze auf der Laufstrecke installiert worden war.

Carolin Salmon läuft auch gerne im TuS-Trikot. Beim Römerkanal-Volkslauf in Kreuzweingarten war sie die viertschnellste Frau.

Mit 17 Jahren erfüllte sie sich zudem den Traum vom ersten eigenen Rennrad. Das Geld dafür hatte sie sich neben der Schule selbst verdient und mühsam zusammengespart. Dennoch blieb zunächst das Mountainbiken ihre große Leidenschaft. Bis Anfang 20 bestritt sie zahlreiche Rennen und trainierte entsprechend ambitioniert.

Irgendwann forderte der Sport jedoch seinen Preis. Nach einer besonders intensiven Saison fühlte sie sich körperlich und mental ausgebrannt. Nach dem letzten Wettkampf stellte sie ihr Mountainbike in das Gartenhaus ihrer Eltern und fasste einen konsequenten Entschluss: Sie wollte nicht mehr fahren.

Die Corona-Pandemie löste eine sportliche Wende aus

Tatsächlich blieb das Rad dort mehrere Jahre stehen. Nur dem Indoor-Cycling blieb sie treu. Erst die Corona-Pandemie sorgte für eine sportliche Wende. Als die Fitnessstudios schließen mussten, holte Salmon ihr altes Rennrad hervor und begann, wieder draußen zu trainieren. Aus Fahrten über 20 oder 30 Kilometer wurden allmählich längere Touren.

Gleichzeitig begann sie wieder regelmäßig zu laufen. Ganz neu war ihr diese Disziplin nicht: Mit einer Freundin und später mit ihrem Partner hatte sie bereits zwei Halbmarathons in Köln absolviert – damals eher wegen des gemeinsamen Erlebnisses. Mit der wachsenden Form kehrte auch ein alter Traum zurück.

In Köln absolvierte Carolin Salmon einen Sprintthriathlon

Bereits 2008 hatte Salmon als 17-Jährige ihren ersten Triathlon bestritten. Beim Green-Hell-Triathlon schwamm sie im Freilinger See, fuhr anschließend über die Nürburgring-Nordschleife und lief zum Abschluss auf der Grand-Prix-Strecke. Die außergewöhnliche Kulisse hinterließ einen bleibenden Eindruck. Kurz darauf absolvierte sie noch einen Sprinttriathlon in Köln und nahm sich vor, im folgenden Jahr auf der olympischen Distanz zu starten. Doch der Plan scheiterte damals daran, das Training für die drei Sportarten sinnvoll miteinander zu verbinden.

Mehr als ein Jahrzehnt später erinnerte sie sich an diesen unerfüllten Wunsch. Im Sommer 2023 stellte sie fest, dass der Kölner Triathlon nur noch wenige Wochen entfernt war. Sie begann wieder zu schwimmen und prüfte zunächst, ob sie die erforderlichen 1,5 Kilometer überhaupt noch bewältigen konnte. Als das funktionierte, meldete sie sich drei Wochen vor dem Wettkampf kurzerhand an. Die olympische Distanz wurde für Salmon zum emotionalen Schlüsselerlebnis.

Ich habe immer gesagt: Wenn ich aus dem Wasser komme, kann ich es schaffen.
Carolin Salmon

Zeiten und Platzierungen spielten keine Rolle, sie wollte nur ankommen. „Ich habe immer gesagt: Wenn ich aus dem Wasser komme, kann ich es schaffen“, erinnert sie sich. Als sie nach dem Schwimmen auf dem Rad saß, wurde ihr bewusst, dass sie ihr Ziel tatsächlich erreichen würde. Die Emotionen überwältigten sie. „Ich war unglaublich stolz und wusste sofort, dass Triathlon der Sport ist, den ich weitermachen möchte.“ Die Kombination aus Schwimmen, Radfahren und Laufen sowie die Belastungswechsel ließen sie nicht mehr los.

Nach weiteren Trainingsmonaten und einem Halbmarathon in Köln reifte der Gedanke, den nächsten Schritt zu wagen. „Ob ich nun 1,5 oder 1,9 Kilometer schwimme, macht den Unterschied auch nicht mehr“, sagte sie sich. Die 90 Kilometer auf dem Rad schreckten sie als erfahrene Radsportlerin ohnehin weniger. Lange fehlte ihr dennoch der Mut, sich tatsächlich für eine Mitteldistanz anzumelden. Den entscheidenden Impuls gab ihr heutiger Trainer Maximilian Rohde, den sie bei einer Radtourenfahrt kennenlernte. Als er individuelles Coaching anbot, entschied sich Salmon erstmals für einen festen Trainingsplan. „Ich wollte einfach einmal nach System trainieren“, sagt sie.

Man setzt gezielt Reize – und plötzlich macht man riesige Fortschritte.
Carolin Salmon über ihr Training

Schnell habe sie gemerkt, wie groß der Unterschied zwischen bloßem Sporttreiben und gezieltem Training sei. „Training ist eine Wissenschaft. Man setzt gezielt Reize – und plötzlich macht man riesige Fortschritte.“ Mit diesem Konzept bereitete sie sich auf ihre erste Mitteldistanz vor. Eine Verletzung bremste sie zwischenzeitlich aus, dennoch fühlte sie sich am Wettkampftag gut vorbereitet. Das Rennen begann allerdings schwierig.

Im dunklen Wasser bekam sie mentale Probleme und legte große Teile der Schwimmstrecke in Brustlage zurück. Nach dem Wechsel aufs Rad wartete ihr Trainer am Streckenrand. „Caro, jetzt lach einmal“, rief er ihr zu. Salmon zwang sich zu einem Lächeln – und spürte unmittelbar, wie sich ihre Stimmung veränderte. „Von da an war die Radfahrt einfach eine riesige Gaudi“, sagt sie. Aus einem holprigen Beginn wurde ein unvergesslicher Wettkampf, den sie ohne die zuvor befürchteten Qualen beendete.

Bei „Rad am Ring“ belegte die Sportlerin Rang drei in ihrer Altersklasse

Jüngst war die Sportlerin auch bei „Rad am Ring“ auf dem Nürburgring am Start, saß 24 Stunden auf dem Rennrad und belegte den dritten Rang in der Altersklasse. Und auch ein Traum lebt während der zahlreichen Trainingskilometer auf dem Rennrad weiter: die Langdistanz beim Triathlon. Sie umfasst 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und zum Abschluss einen Marathon über 42,195 Kilometer. Trainer Rohde hielt das Ziel für realistisch und begann frühzeitig mit der Planung. Die Saison 2026 verlief für Salmon bislang nahezu perfekt.

Nach dem Duathlon in Alsdorf und Einsätzen in der Regionalliga folgte beim Bonn-Triathlon ein erster großer Erfolg. Die leicht verkürzte Mitteldistanz beendete sie als Zehnte der Gesamtwertung und Dritte ihrer Altersklasse. „Ich hatte mit Bonn noch eine Rechnung offen“, sagt sie. Ein Jahr zuvor hatte sie den Wettkampf wegen ihrer Verletzung aufgeben müssen. Den bislang größten Erfolg ihrer jungen Triathlon-Laufbahn feierte sie beim Ironman 70.3 in Luxemburg.

Dass mein Körper heute noch zu so einer Leistung fähig ist, macht mich unglaublich stolz.
Carolin Salmon, 35-jährige Ausdauersportlerin

Trotz großer Hitze belegte sie in einem Starterfeld mit Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus 62 Nationen den dritten Platz in ihrer Altersklasse. In der Frauen-Gesamtwertung kam sie auf Rang 36. „Ich habe erst mit Mitte 30 richtig mit Triathlon angefangen. Dass mein Körper heute noch zu so einer Leistung fähig ist, macht mich unglaublich stolz“, sagt Salmon.

Im September zur Challenge Almere in den Niederlanden

Nun steht eine weitere Herausforderung auf dem Programm. Im September folgt bei der Challenge Almere in den Niederlanden die erste Langdistanz ihres Lebens. Respekt habe sie vor beiden Wettkämpfen, sagt sie. Angst jedoch nicht. „Genau das macht den Reiz des Ausdauersports aus. Man weiß nie, was an einem so langen Tag passiert. Die spannende Frage ist immer: Kann mein Körper das schaffen?“

Im Vereinsleben hat Salmon mittlerweile ebenfalls ihre sportliche Heimat gefunden. Sie startet für den TuS Kreuzweingarten-Rheder. Für zusätzliche Trainingsangebote nutzt sie außerdem die Strukturen des TuS Ahrweiler und des SAL Koblenz, wo auch ihr Trainer tätig ist. Vor allem beim Schwimmen sieht sie weiterhin Verbesserungspotenzial. „Es ist meine schwächste Disziplin. Aber genau deshalb macht es mir auch Spaß“, sagt sie.

Das Schwimmen sei technisch besonders anspruchsvoll. „Man lernt selbst mit Mitte 30 noch ständig dazu.“ Dass Triathlon weit mehr bietet als die bekannten Ironman-Rennen, ist Salmon wichtig. Neben Lang-, Mittel-, olympischer und Sprintdistanz gibt es auch einen Ligabetrieb. Dort starten die Sportler für ihre Vereine, entscheidend ist das Teamergebnis.

Weil in vielen Ligarennen Windschattenfahren erlaubt ist, spielt Teamarbeit eine größere Rolle. „Viele kennen den Ironman, aber nur wenige wissen, dass es im Triathlon auch einen ausgeprägten Mannschaftssport mit Ligen bis hin zur Bundesliga gibt“, sagt Salmon.

Wenn sie heute auf ihren sportlichen Weg zurückblickt, muss sie vor allem über ihre eigenen Worte aus dem Jahr 2023 lachen. Damals war für sie eine Mitteldistanz vollkommen ausgeschlossen. Wenig später absolvierte sie genau diese Strecke. Nun wartet die Langdistanz. Das vermeintliche „Niemals“ ist für Carolin Salmon längst zu einer besonderen Form der Motivation geworden.