Nachwuchsfußballer aus dem Kreis Euskirchen trainieren einmal pro Woche im Euskirchener Heinz-Flohe-Stadion.
Talente für KloppBeim Stützpunkt in Euskirchen werden die Weltmeister von 2034 gesucht

Die Talente des DFB-Stützpunkts Euskirchen mit ihren Trainern.
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Neue Talente braucht das Land – erst recht, wenn man auf das schwache Abschneiden der Nationalmannschaft bei der kürzlich beendeten Fußball-Weltmeisterschaft blickt. Abhaken und weitermachen lautet die Devise. Und das seit jeher.
Mit dem Blick nach vorne geht es aktuell auch in den kleinen Vereinen vor Ort wieder bei null los. Es gilt, die Grundlagen für die neue Spielzeit zu schaffen. Ein möglicher nächster Schritt für besonders talentierte Nachwuchsspieler ist die Aufnahme in einen der knapp 350 DFB-Stützpunkte. Der Stützpunkt Euskirchen trainiert montags von 17 bis 20 Uhr im Heinz-Flohe-Stadion, in den Wintermonaten auf dem angrenzenden Kunstrasenplatz.
Junge Talente aus dem Kreis Euskirchen wirbeln über den Platz
Junge Talente aus dem Kreis der Altersklassen U12 bis U15 wirbeln dort unter der Leitung der lizenzierten Trainer David Kremer, Ralf Leyendecker, Horst Bartz und Wolfgang Meinold – aufgeteilt nach Jahrgängen – über den Platz. Während sich Letztgenannter um die Torhüter kümmert, ist Horst Bartz nach einem Jahr Abstinenz wieder zurück. Ein alter Fuchs mit jeder Menge Erfahrung.
Seine Fachkompetenz wissen Ralf Leyendecker, der 2021 zum Trainerteam stieß, und David Kremer, der 2023 dazukam, sehr zu schätzen. Gemeinsam hat das Quartett die talentiertesten Nachwuchsfußballer des Kreises um sich versammelt. Das fällt bereits bei der Begrüßung auf. Der einheitlich in weißen Stützpunkt-Shirts gekleidete Nachwuchs klatscht jeden Trainer persönlich ab, bevor es auf den Platz geht. „Wir legen großen Wert darauf, dass wir uns untereinander kennen und uns gegenseitig respektieren“, sagt David Kremer und ergänzt: „Neben der fußballerischen Komponente sind uns die soziale Integration und das Miteinander genauso wichtig.“

Am DFB-Stützpunkt in Euskirchen ist David Kremer (M.) einer der Trainer.
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Trainer Horst Bartz (r.) zeigt den jungen Talenten die nächste Aufgabe an.
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Dass die jungen Kicker, unter denen sich auch einige Mädchen befinden, gewillt sind, dazuzulernen, zeigt sich schnell. Sie hören aufmerksam zu, nehmen Ratschläge und Tipps an und sind während der gesamten Einheit hochkonzentriert. Kein Geschrei, kein Gemecker, nicht einmal ein flapsiger Spruch ist zu hören. „Alle ziehen konzentriert mit und wollen hier etwas mitnehmen, das sie weiterbringt“, berichtet Ralf Leyendecker. Gemeinsam mit seinen Trainerkollegen besucht er bereits Spiele ab der U11, um vielversprechende Talente zu sichten.
Präsenz im Kreis zu zeigen, ist den vier Trainern besonders wichtig – egal, ob bei Sommerturnieren, Spielfesten oder Meisterschaftsspielen. Gleichzeitig müssen sie jedoch immer wieder Überzeugungsarbeit leisten. Viele Vereinsvertreter sehen eine Sichtung an der Basis noch immer kritisch. Dabei gehe es ausdrücklich nicht um das Abwerben von Spielern, sondern darum, Talente auf ihrem weiteren Weg zu unterstützen.
Wir dürfen schon rein vertraglich keine Spielervermittlungen oder Abwerbungen vornehmen, sondern sprechen lediglich Empfehlungen für ein höheres Spielniveau aus.
„Wir dürfen schon rein vertraglich keine Spielervermittlungen oder Abwerbungen vornehmen, sondern sprechen lediglich Empfehlungen für ein höheres Spielniveau aus“, erklärt David Kremer. Ihm und seinen Mitstreitern ist es sogar untersagt, Mannschaften im U11- bis U16-Bereich zu trainieren – es sei denn, es handelt sich um eines der bundesweit 58 Nachwuchsleistungszentren.
Die Bedeutung des Stützpunktes in Euskirchen ist größer denn je. Die Scouts der Profivereine fahren aufgrund der vielfältigen digitalen Möglichkeiten längst nicht mehr regelmäßig aufs Land, um Talente selbst zu entdecken. Stattdessen verlassen sie sich auf die Einschätzung der DFB-Stützpunkttrainer. Diese sind speziell geschult und übernehmen die erste Sichtung in ihrem jeweiligen Einzugsgebiet.
Eltern können Empfehlung für Sichtung aussprechen
In den Fokus der Trainer gerät ein Kind, wenn es im Einzugsgebiet des Stützpunkts Euskirchen wohnt. Für eine Sichtung können der Verein und neuerdings auch die Eltern eine Empfehlung aussprechen. Dabei spielt es keine Rolle, ob das Kind in einem kleineren Verein wie Schöneseiffen oder Stotzheim oder bereits bei einem leistungsorientierten Klub wie Erft 01 Euskirchen oder einem der großen Kölner Vereine spielt.
Der Einstieg erfolgt über ein Probetraining. Im Laufe der ersten Wochen wird der Talentpool reduziert. Anschließend trainieren die ausgewählten Spieler regelmäßig und messen sich mit den anderen Stützpunkten des Fußball-Verbandes Mittelrhein. „Unser Ziel ist es, die Kinder und Jugendlichen weiterzuentwickeln und ihnen den Sprung auf ein höheres Niveau oder im besten Fall in ein Nachwuchsleistungszentrum zu ermöglichen“, sagt David Kremer, der mit der U13 vor Kurzem einen großen Erfolg für den Kreis feierte.
Beim Stützpunktturnier in Aachen den ersten Platz belegt
Beim Stützpunktturnier in Aachen belegte die Mannschaft für viele überraschend den ersten Platz. Für David Kremer kam dieser Erfolg allerdings nicht unerwartet. „Wenn ich sehe, wie sich einige hier innerhalb von zwei Jahren entwickelt haben, dann ist das der Lohn der Arbeit der Vereine und auch unserer Arbeit“, sagt er.
Dass auch die Torhüter nicht zu kurz kommen, dafür sorgt Wolfgang Meinold. Woche für Woche pendelt er zwischen den Kreisen Düren und Euskirchen und trainiert jeweils Gruppen mit sechs bis acht Torhütern. Der ehemalige Mittelrheinliga-Keeper hat seine Trainingsinhalte längst an die Anforderungen des modernen Torwartspiels angepasst. „Neben den Grundlagen eines sicheren Ballfangens ist es wichtig, dass die Torhüter auch viel an ihrer Fußtechnik arbeiten“, sagt der Torwarttrainer.
Seine Übungen werden immer wieder wiederholt. Das soll Sicherheit und Automatismen schaffen. Auch für die Vereine hat Meinold einen Rat: „Jeder Verein sollte spätestens ab der U12 einen speziellen Torwarttrainer beschäftigen und möglichst in Kleingruppen trainieren. Außerdem lohnt es sich, die Torwartausbildung durch Fortbildungen weiterzuentwickeln.“
Überhaupt verstehen sich die Trainer als Ansprechpartner für die Vereine. „Wir helfen gerne und kommen zu den Vereinen, wenn wir gebraucht werden. Uns ist wichtig, dass wir alle an einem Strang ziehen“, so Leyendecker – auf der Suche nach den Weltmeistern von 2034.
