Während Zülpich in der Landesliga gewann, verloren die Bezirksligisten JSG Erft, Erftstadt-Lechenich und Bessenich ihre Spiele.
FußballJSG Erft Euskirchen verlangt Spitzenreiter Türkischer SV Düren alles ab

Schmerzhaft für Tobias Rick, aber dennoch kein Foul: Dürens Schlussmann war einen Tick eher da und schnappte sich den Ball.
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JSG Erft 01 – Türkischer SV Düren 2:5 (1:0). In einem hochklassigen Bezirksliga-Duell, das großen Spaß beim Zuschauen machte, waren die Gastgeber dem unangefochtenen Spitzenreiter über weite Strecken ein mindestens ebenbürtiger Gegner. Erst in der Schlussphase fiel das Resultat, das die Kräfteverhältnisse nicht angemessen widerspiegelte, zum Leidwesen von Coach Christopher Kockerols noch deutlich aus.
Aufreger des Spiels: Schiedsrichter gab Dürener Treffer nicht
Mitte des ersten Durchgangs wurde es etwas unübersichtlich. Zunächst ereignete sich ein Foul im JSG-Strafraum, dann fiel ein Treffer, den der Unparteiische erst gab und dann auf Intervention seines Assistenten wieder zurücknahm.
Eine Entscheidung, mit der die Gäste überhaupt nicht einverstanden waren und die zu einer minutenlangen Diskussion zwischen Trainer Yunus Kocak und Schiedsrichter Luca Povoledo führte. Der gut leitende Referee klärte auf: „Zuvor lag eine Abseitsposition vor. Das anschließende Foul und der Treffer spielten dadurch keine Rolle mehr.“
Die erste Halbzeit: Führung der JSG Erft war vollkommen verdient
Die knappe Pausenführung der Heimelf, die vorne wie hinten nahezu alles richtig machte, war hochverdient. Schon in den Anfangsminuten kam die JSG zu guten Offensivaktionen und machte damit frühzeitig klar, dass man sich gegen das Dürener Ausnahmeteam mit zahlreichen hochkarätigen Spielern nicht nur aufs Verteidigen verlegen wollte. Mit den schnellen Angriffen, meist über die linke Seite vorgetragen, hatten die Gäste große Probleme und konnten froh sein, dass es Mitte des ersten Durchgangs noch 0:0 stand. Gleich zweimal verhinderte das Aluminium die Führung der 01er: Zunächst landete ein Flachschuss von Luke Bungart am rechten Innenpfosten, wenig später traf Ben Bungart nach Hereingabe seines Bruders ebenfalls nur das Gestänge.

Ex-Profi klatscht ab: Adam Matuschyk (l.), früher 1. FC Köln, durfte sich erst spät freuen.
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Kein Grund zur Unzufriedenheit: Christopher Kockerols.
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Nach exakt einer halben Stunde war es dann aber soweit: Luke Bungart konnte sich auf halblinker Position zum wiederholten Mal mit Tempo durchsetzen und schob den Ball überlegt an Schlussmann Kaan Gökcesin vorbei ins Netz.
Auf der anderen Seite des Feldes musste Max Vornweg nur selten eingreifen. Als es kurz vor der Halbzeit dann doch einmal vor seinem Gehäuse gefährlich wurde, war der starke Keeper mit einer Fußabwehr zur Stelle.
Die zweite Halbzeit: Erst in der Schlussphase setzt Düren sich ab
Es war völlig logisch, dass der Meisterschaftsfavorit nun das Heft an sich reißen würde, zumal der herausragende Luke Bungart, der unter der Woche krank gewesen war, zur Pause völlig entkräftet ausgewechselt werden musste. „Wir hatten allgemein keine gute Trainingswoche mit vielen Ausfällen. Vielleicht hat daher am Ende etwas die Kraft gefehlt“, sagte Trainer Kockerols. Hinzu kam die individuelle Qualität des TSV, dem durch einen traumhaften Schlenzer von Kapitän Mahmut Temür in den Winkel der Ausgleich gelang (54.).
Als die Euskirchener elf Minuten darauf durch Joel Saengersdorf in Rückstand gerieten, schien die Partie den im Vorfeld zu erwartenden Verlauf zu nehmen. Doch die Hausherren blieben danach mutig und schafften durch Joker Luc-Seal Roggendorf das 2:2 (77.).
In der Endphase ging es dann Schlag auf Schlag: Gian Luca Cardinale hatte sogar die erneute Führung auf dem Fuß, ehe Tugay Temel fast im direkten Gegenzug das 3:2 für Düren gelang (86.). Roggendorf hätte per Heber wieder für ausgeglichene Verhältnisse sorgen können, doch stattdessen machte Temel nach einem super Spielzug der Gäste den Deckel drauf (90.). Der letzte Treffer von Alexandru Engels fiel mit dem Abpfiff. (90.+5) „Trotzdem haben wir ein Riesenspiel abgeliefert“, urteilte Kockerols.
Landesliga: Zülpich geling bei Lich-Steinstraße die Wiedergutmachung
Landesliga 2: Germania Lich-Steinstraß – TuS Chlodwig Zülpich 0:1 (0:1). Im dritten schweren Auswärtsspiel der Rückrunde gelang den Römerstädtern der zweite 1:0-Erfolg und die von Coach David Sasse geforderte Wiedergutmachung für den wenig überzeugenden Auftritt vor einer Woche beim 1:2 in Teveren.
„Wir haben keinen Torschuss für den Gegner zugelassen, Jan Beyers musste überhaupt nicht eingreifen“, freute sich der sportliche Leiter über die gute Abwehrarbeit. Maßgeblichen Anteil an der enormen Stabilität im Deckungszentrum schrieb Sasse der Präsenz von Lucas Carell zu, der im Vergleich zur Vorwoche wieder mit an Bord war. „Er ist unser unumstrittener Abwehrchef und für mich der beste Innenverteidiger der Landesliga“, schwärmte der Übungsleiter.
Er ist unser unumstrittener Abwehrchef und für mich der beste Innenverteidiger der Landesliga.
Begeistert zeigte sich Sasse auch vom Treffer des Tages nach exakt 30 Minuten, den Thomas Leßenich und Marvin Iskra, der schließlich auf den Torschützen Devin Nickisch durchsteckte, inszenierten. Weniger zielstrebig als in dieser Szene agierte Leßenich zuvor. Gleich zweimal entschied er sich für einen weiteren Haken und nicht für den Schuss aufs Gehäuse – und machte so die Chancen zunichte.
Ähnlich unglücklich verlief die Riesengelegenheit von Luca Ohrem, der zur Pause für den rotgefährdeten Noel Huschke gekommen war. Iskra hatte den Angreifer bedient, doch dieser trat drei Meter vor dem Tor über den Ball. Dass er nach der misslungenen Aktion durch Zufall noch eine zweite Abschlussmöglichkeit erhielt, brachte ebenfalls nicht den gewünschten Erfolg, denn nun schoss er den bereits am Boden liegenden Schlussmann an.
Unter dem Strich konnten die Gäste diesen Fauxpas aber verkraften, weil der in der Endphase durch eine Rote Karte dezimierten Heimelf kein relevanter Durchbruch mehr gelang. „Unter dem Strich waren wir das eine Tor besser, das wir uns vorne mit dem nötigen Spielglück und hinten mit starker Defensive erarbeitet haben“, resümierte Sasse, der abschließend noch auf eine andere Aktion aufmerksam machte. „Wir hatten kurzfristig den Anruf von der zweiten Mannschaft erhalten, die für das Spiel gegen Weilerswist in großer Personalnot war. Marcel Heindrichs, der schon auf dem Weg nach Lich-Steinstraß war, ist daraufhin umgedreht, um auszuhelfen, und hat dann beim 6:2-Sieg auch noch das Tor zum 2:0 erzielt. Das war heute ein toller TuS-Tag, der für die große Gemeinschaft im gesamten Verein spricht“, erklärte ein zufriedener Sasse.
Bezirksliga: Personalprobleme bei Erftstadt-Lechenich
SC Germania Erftstadt-Lechenich – Alemannia Lendersdorf 0:3 (0:1). Bereits am Freitagabend hatten die vom Abstieg bedrohten Hausherren den Tabellendritten zu Gast. Angesichts der angespannten Personalsituation – unter anderem fehlten Mert Bozkurt, Noah Becker, Kevin Kochems, Stammkeeper Nils Grüttner und Kapitän Tom Orth – zog sich die Germania ordentlich aus der Affäre, konnte eine weitere Niederlage allerdings nicht verhindern.
„Wir haben eine ansprechende Leistung gezeigt, und das Ergebnis ist sicherlich um zwei Tore zu hoch ausgefallen, aber der aktuelle Kader gibt einfach nicht mehr her“, kommentierte Trainer Karsten Kochems, dessen Team sich über die gesamte Spielzeit keine wirklich hundertprozentige Möglichkeit herausarbeiten konnte. „Wir hatten einige Standards und aus dem Spiel heraus viele Flanken in den gegnerischen Strafraum, die aber leider keinen Ertrag gebracht haben“, ergänzte der Übungsleiter der Erftstädter.
Nun müssen langsam allerdings auch die nötigen Ergebnisse her, ansonsten wird es eng.
Im eigenen 16-Meter-Raum wurden die ersten Fehler der Verteidiger durch Jonas Varona Gracia dagegen sofort bestraft (20.). Der reaktivierte Vertreter für den an der Leiste verletzten Grüttner, Routinier Sven Messerich, war in dieser Szene machtlos. „Er war zuvor schon einige Jahre im Ruhestand, trainiert erst seit drei Wochen bei uns mit und hat dafür seine Sache sehr gut gemacht“, lobte Kochems, der auch seinen Feldspielern keine Vorwürfe machen wollte.
„Der Einsatz und der Wille, die vor dem Spiel besprochenen Dinge umzusetzen, ist absolut da. Nun müssen langsam allerdings auch die nötigen Ergebnisse her, ansonsten wird es eng“, so Kochems, der in den letzten fünf Minuten die weiteren Gegentreffer durch Thomas Betzer (86.) und Luca Krischer (88.) mitansehen musste.
Bezirksliga: Bessenich verliert beim bisherigen Schlusslicht Sindorf
VfL Sindorf – SV Rhenania Bessenich 2:0 (0:0). Gästecoach Can Celik ist normalerweise keiner, der die Schuld für eine Pleite seiner Mannschaft beim Schiedsrichter sucht. In diesem Fall konnte der Trainer der Bessenicher jedoch nicht anders, als seine Meinung über den Spielleiter kundzutun. „Wenn ich eine Schulnote vergeben müsste, wäre das ein Ungenügend. So eine Leistung geht in der Bezirksliga einfach nicht“, echauffierte sich Celik, der sich gleich in mehreren spielentscheidenden Situationen stark benachteiligt fühlte.
„Unter anderem hat uns der Schiedsrichter zwei Elfmeter verweigert, dazu hätte es nach der Notbremse gegen Deniz Isitmen eine Rote Karte für Sindorf geben müssen“, haderte der sportliche Leiter mit den Entscheidungen des Referees. „Einmal gab es nach einem Pressball im Strafraum, durch den Kaloyan Petrov unfreiwillig zu Boden ging, sogar Gelb wegen einer Schwalbe“, zeigte Celik wenig Verständnis.
Wenn ich eine Schulnote vergeben müsste, wäre das ein Ungenügend. So eine Leistung geht in der Bezirksliga einfach nicht.
Bei aller Kritik am Unparteiischen erwähnte er auch die einmal mehr schlechte Chancenverwertung seiner Elf, die sowohl Pech (Lattenschuss von Arber Jashanica) hatte als auch Unvermögen (Valentin Ivanov verfehlte aus wenigen Metern das leere Tor) an den Tag legte. „Die Gelegenheiten haben sich auf nahezu alle Offensivspieler verteilt“, kommentierte ein enttäuschter Celik.
Die Entstehung der beiden Gegentreffer war ebenfalls unglücklich: Durch einen Sonntagsschuss von Anil Yavuz (54.) genau ins Dreieck geriet die Rhenania zu Beginn des zweiten Abschnitts ins Hintertreffen. Die endgültige Entscheidung bahnte sich in der letzten Minute per Konter an, als man alles nach vorne warf, und den Marvin Marin-Mielke abschloss. „Wir müssen positiv bleiben. Noch haben wir acht Punkte Vorsprung auf die Abstiegsplätze, aber in den nächsten Spielen müssen wir die entsprechenden Resultate holen“, weiß Celik.

