Die Zülpicher treiben den Meisterschaftsfavorit Siegburger SV mit grandiosem Einsatz und großer Effizienz zur Verzweiflung.
MittelrheinligaDie Heimpremiere des TuS Zülpich gerät zur Sensation

Gustavo von Aschwege und der TuS Zülpich brachten den Favoriten aus Siegburg zur Verzweiflung.
Copyright: Markus Brackhagen
TuS Chlodwig Zülpich – Siegburger SV 5:2 (2:2). Heimpremiere und ein dementsprechend bis in die letzte Haarspitze motiviertes TuS-Ensemble hin oder her: Wer vor der Partie behauptet hätte, die Elf von David Sasse würde nach dem ernüchternden 0:4 zum Auftakt eine Woche später einen der großen Titelfavoriten schlagen, wäre zumindest als äußerst kühner Optimist durchgegangen.
Hätte es jemand gewagt zu behaupten, dass die Zülpicher den Siegburgern nicht nur eine Niederlage verpassen, sondern ihnen dabei sogar fünf Tore einschenken würden, wäre derjenige wohl für vollkommen verrückt erklärt worden. Dass es an diesem ebenso spektakulären wie denkwürdigen Fußballnachmittag an der Blayer Straße genau so kam, hatte mit dem Zusammenspiel einiger Faktoren zu tun, die eine Sensation wie diese überhaupt erst möglich machten.
Meisterliches Abwehrverhalten brachte Siegburg zur Verzweiflung
Schon nach wenigen Minuten wurde deutlich, dass es die Gastgeber mit einem extrem spielstarken und temporeiche Kombinationen bevorzugenden Gegner zu tun haben würden. Gerade in der Anfangsphase hatten die Römerstädter mit der enormen Geschwindigkeit der Gäste ihre Schwierigkeiten, was sich unter anderem beim frühen Rückstand durch Angreifer Nico Kuhbier (5.) und beim Ausgleichtreffer von Tom Schnörpel (45.) offenbarte.

Sein Plan ging perfekt auf: Trainer David Sasse.
Copyright: Markus Brackhagen

Für angemessene Mittelrheinliga-Atmosphäre sorgten gut 500 Zuschauer an der Blayer Straße.
Copyright: Markus Brackhagen

Marvin Iskra bejubelt mit Gustavo von Aschwege das 2:1.
Copyright: Markus Brackhagen
Natürlich konnten es die Zülpicher über die gesamte Spieldauer nicht verhindern, dass der Kontrahent zu weiteren Möglichkeiten kam, doch insbesondere nach der Pause zeigte die Heimelf im Defensivverhalten eine absolute Glanzleistung. Beeindruckend war vor allem, dass der Aufsteiger dabei stets mit fairen Mitteln operierte und oft in letzter Sekunde dank eines perfekten Timings gefährliche Abschlüsse verhinderte. Kamen die Siegburger doch einmal durch, stand mit Jan Beyers ein herausragender Schlussmann zwischen den Pfosten.
Eiskalte Chancenverwertung – anders als noch in der Landesliga
Hatte die Effizienz vor dem gegnerischen Gehäuse zu Landesligazeiten trotz meist überzeugender Ergebnisse oft zu wünschen übrig gelassen, nutzten die TuS-Angreifer in dieser Begegnung fast jede sich bietende Gelegenheit. So bestrafte Devin Nickisch den Ausrutscher des Siegburger Linksverteidigers mit dem Ausgleich im direkten Gegenzug (6.) und ließ damit so etwas wie Enttäuschung oder gar Resignation nach dem frühen 0:1 gar nicht erst aufkommen. Fast mit dem Pausenpfiff zog Marvin Iskra im Strafraum flach und letztlich unhaltbar ab, nachdem ihm die Verteidiger kurzzeitig zu viel Platz gelassen hatten.
Im zweiten Durchgang, als die Hausherren fast nur noch mit Abwehrarbeit in ihrer eigenen Hälfte beschäftigt waren, endete dann jeder Strafraumbesuch mit einem Erfolg. Fünf Minuten nach Wiederanpfiff wuchtete Lucas Carell, der hinten zum Turm in der Schlacht avancierte, einen Eckball von Thomas Leßenich am zweiten Pfosten zum 3:2 über die Linie und demonstrierte damit eindrucksvoll, dass einfache Aktionen auch in der Mittelrheinliga funktionieren.
Während sich der nahezu ausschließlich auf Kurzpassspiel setzende SV zunehmend in seiner Schönspielerei verzettelte, blieben die Römerstädter ihrer schnörkellosen, aber im Endeffekt erfolgreichen Linie treu. Einen energischen Vorstoß des gegen Ende immer stärker werdenden Luca Flatten drückte Joker Dominik Spies am zweiten Pfosten mit dem langen Bein in die Maschen, und in der Nachspielzeit köpfte Johannes Püllen eine Hereingabe des eingewechselten Pascal Schiffer vor dem schlecht aussehenden Keeper Fabio Braun zum Endstand in die Maschen.
Fazit: Bemerkenswerte Leistung und sehenswerte Kulisse
Dass der Applaus nach dem Schlusspfiff selten so laut war, lag nicht allein an der bemerkenswerten Leistung des TuS, sondern auch an der starken Kulisse von über 500 Besuchern, die der höchsten Spielklasse auf FVM-Ebene absolut würdig war.
Über die Tatsache, dass der Erfolg sicherlich um zwei Tore zu hoch ausgefallen war, konnte Coach David Sasse natürlich locker hinwegsehen. „Das war ein perfekter Tag für den TuS Zülpich – Heavy-Metal-Fußball auf eine andere Art. Unsere Idee, mit einem tiefen Block auf Umschaltmomente zu setzen, ist ebenso aufgegangen wie die personellen Wechsel“, jubelte der Übungsleiter. Die moralisch unbezahlbare Erkenntnis für Mannschaft: Man kann auch gegen die besten Teams erfolgreich sein.
