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Interview

Neuer Trainer in Schönau
„Die Gemeinschaft ist stärker als in Köln“

5 min
Angelo Mazza hockt neben dem Spielfeld und zeigt mit ausgestrecktem Zeigefinger etwas an.

Das Coaching von Angelo Mazza beinhaltet permanente Unterstützung seiner Spieler von der Seitenlinie.

Trainer Angelo Mazza wechselte aus der Großstadt und der Landesliga zum Kreisligisten TSV Schönau. Den Ort kannte er bis vor Kurzem nicht.

Angelo Mazza trainierte bis vor kurzem die Sportvereinigung Flittard in der Fußball-Landesliga. Nachdem er seinen vorzeitigen Abschied zum Saisonende verkündet hatte, bekam der 39-Jährige einige äußerst interessante Angebote aus höheren Spielklassen, die er jedoch ausschlug. Stattdessen entschied sich Mazza dafür, die sportliche Verantwortung beim A-Ligisten TSV Schönau zu übernehmen. Eine ziemlich überraschende Entscheidung, über deren Gründe der Übungsleiter, der zuvor ausschließlich im Kreis Köln gearbeitet hatte, im Interview Auskunft gab.

Ganz ehrlich: Hatten Sie bis vor wenigen Wochen schon einmal etwas von Schönau gehört?

Angelo Mazza: Obwohl ich seit 2016 in Mechernich wohne, muss ich zugeben, dass ich den Ort nicht kannte.

Wodurch ist das Dorf plötzlich auf Ihrer persönlichen Landkarte aufgetaucht?

Meine Tochter hat mit den zwei Töchtern von Gerrit Ueckert zusammen beim TuS Zülpich gespielt. Wir beide haben uns viel unterhalten, und er konnte nicht verstehen, dass ich jede Woche drei- bis viermal die weite Strecke nach Köln fahre, um eine Mannschaft zu trainieren. Er meinte, dass ich ja auch hier im Kreis etwas machen könne. Da er als Trainer in Schönau zum Ende der Saison aufhören wollte, hat er mich laufend bearbeitet, damit ich sein Nachfolger werde.

Der Zusammenhalt war in höheren Ligen nicht so ausgeprägt

Ihr Wechsel ist also ausschließlich der Hartnäckigkeit von Gerrit Ueckert zuzuschreiben?

Das wichtigste Argument war die Zeit, die ich dadurch für die Familie gewinne. Es macht schon einen Riesenunterschied, ob du mehrmals in der Woche eine Stunde oder 15 Minuten zum Training fährst. Ich bin froh, dass die Phase der weiten Fahrten erstmal vorbei ist.

Mit Ueckert werden Sie weiter intensiven Kontakt haben, denn er bleibt dem TSV als Sportlicher Leiter erhalten.

Für den Trainerjob fehlt ihm jetzt die Zeit, da er seine Töchter zum Training beim 1. FC Köln fahren muss.

Vom Landesliga-Großstadtverein zum Dorfklub in die Kreisklasse: Wie groß war der Kulturschock?

Es ist schon eine andere Welt, das kann man nicht wegdiskutieren. Die Qualität der einzelnen Spieler und das Tempo in den Aktionen sind für mich die größten Unterschiede. Neben dem Platz fällt mir auf, dass der Zusammenhalt durch die finanzielle Dominanz in den höheren Ligen nicht so ausgeprägt war. Anders formuliert: Die Gemeinschaft ist hier stärker als in Köln, was ich als Fußballromantiker als sehr angenehm empfinde.

Angelo Mazza wünscht sich einen Platz im oberen einstelligen Bereich

Sie sind beim TSV also mit offenen Armen empfangen worden?

Absolut. Es ist ein tolles Gefühl, Teil dieser Gemeinschaft zu sein. Alle sind sehr offen und bemüht, dazu ist der Verein mit drei Seniorenmannschaften sportlich gut aufgestellt.

Die jüngsten Ergebnisse in der Vorbereitung mit zwei klaren Niederlagen gegen B-Ligisten waren nicht gerade vielversprechend. Macht Ihnen das Sorgen?

In den Spielen gegen Roitzheim und die Sportfreunde 69 waren wir arg dezimiert und sind mit einem Mix aus Leuten der ersten und zweiten Mannschaft angetreten, deshalb täuschen die Ergebnisse ein wenig. Zuvor hatten wir aber gegen Metternich gewonnen und gegen Bad Honnef trotz der Niederlage einen guten Eindruck hinterlassen. Entscheidend ist für mich, dass wir in den Trainingseinheiten Gas geben und für den Auftakt vorbereitet sind.

Was ist mit Ihrer Mannschaft in dieser Saison möglich?

Eine Prognose ist für mich sehr schwierig, da ich die Liga und das Niveau der Gegner nicht kenne. Unser Kader ist relativ klein, was eventuell zu Problemen führen könnte, aber er hat eine Menge Qualität. Wenn ich mir etwas wünschen dürfte, wäre es ein Platz im oberen einstelligen Bereich.

Fußball mit Tempo, Laufintensität und aggressiver Verteidigung

Worin sehen Sie im ersten Jahr Ihre Hauptaufgabe?

Grundsätzlich wollen wir eine erfolgreiche Meisterschaft spielen und dadurch auch neue Spieler auf den TSV aufmerksam machen. Daneben geht es darum, Strukturen im Verein zu verändern, um uns etwas professioneller aufzustellen – zum Beispiel im Bereich der Spielanalyse durch die Anschaffung einer Veo-Kamera. Ergänzend dazu sind Einzelgespräche ein wesentlicher Bestandteil meiner Arbeit.

Mit welchen Attributen würden Sie den Fußball bezeichnen, den Sie von ihrem Team sehen wollen?

Ich mag Tempofußballer, außerdem soll unser Auftreten durch laufintensives Verhalten aller Spieler sowie ein aggressives Verteidigen gegen den Ball geprägt sein.

Sie haben selbst viele Jahre erfolgreich im Kölner Raum gespielt. Was für ein Typ Fußballer waren Sie?

Ich war Flügelspieler – Schienenspieler würde man heute sagen –, bin bei CfB Ford Niehl ausgebildet worden, später in der Jugend zum 1. FC Köln und anschließend zum SC Fortuna Köln gewechselt. Im Seniorenbereich habe ich bei meinem Heimatverein bis zur Landesliga gespielt. Ich war ein positiv aggressiver Leader, habe früh Verantwortung und Coaching-Aufgaben auf dem Platz übernommen.

Oliver Heitmann und Udo Röbenack haben Angelo Mazza geprägt

Gibt es einen Trainer, der Sie besonders geprägt hat?

Oliver Heitmann, der lange in Hürth gearbeitet und beim FC mein Trainer war, und Udo Röbenack bei Fortuna Köln haben sicherlich einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Es gibt aber kein wirkliches Vorbild, jeder Mensch hat gute und weniger gute Eigenschaften. Ich weiß nur, dass ich die Trainer der alten Schule, die Übungen ohne Ball gemacht haben, immer gehasst habe.

Stimmt es wirklich, dass Sie in der aktuellen Saison noch einen zweiten Trainerjob haben?

Ja, der hat jedoch einen familiären Hintergrund. Ich betreue gemeinsam mit anderen Trainern die B-Juniorinnen in Zülpich, wo meine Tochter Emilia spielt. Sie ist ein noch größerer Fußballjunkie als ich.