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Erpresser kassierteEuskirchener Unternehmer hatte Angst vor Auftragsmörder

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Symbolbild

  1. Der mutmaßliche Täter gab sich als Mitglied einer kurdischen Terrororganisation aus.
  2. Die Drohungen waren so massiv, dass der Unternehmer sofort zahlte.
  3. Die Euskirchener Polizei habe ihn jedoch nicht ernst genommen.

Euskirchen/Bonn – „Ich hatte Angst um mein Leben und das meiner Familie“, sagte ein Geschäftsmann aus dem Euskirchener Stadtgebiet am Dienstag vor dem Bonner Landgericht. Ein 65-jähriger Kurde aus Köln hat den Familienvater laut Staatsanwaltschaft zwischen 2015 und 2019 erpresst und dabei mindestens 135.000 Euro ergaunert. Der mutmaßliche Täter, der wegen räuberischer Erpressung angeklagt ist, soll dem 53-jährigen Unternehmer gedroht haben, Mitglied einer kurdischen Terrororganisation zu sein, die ihm und seiner Familie etwas antun werde, wenn er nicht zahle. Der Angeklagte soll dem Unternehmer vorgeworfen haben, noch Schulden bei einem ehemaligen Geschäftspartner zu haben, die er nun eintreiben wolle.

Erpresse drohte mit Waffen und der Polizei

„Er sagte, dass er Leute kennt, die aus der Türkei kommen, hier ihren Job machen und abends zurückfliegen“, berichtete der Unternehmer. Er habe Angst gehabt, dass es sich bei den Kontakten um Auftragsmörder handelt. Zudem soll der vermeintliche Erpresser behauptet haben, Waffen und gute Kontakte zur Polizei zu haben. „Die Drohungen waren so massiv, dass ich gezahlt habe“, so der 53-Jährige. Er betonte, dass er dem ehemaligen Geschäftspartner keinen Cent mehr geschuldet habe.

Ende April 2015 soll der Angeklagte zum ersten Mal in seinem Büro aufgetaucht sein und Geld verlangt haben, wie der Unternehmer vor Gericht sagte. Er sei an diesem Tag nicht im Büro gewesen und habe den Angeklagten später zurückgerufen. Nach dem Telefonat und weiteren Drohungen ist er nach eigenen Angaben sofort zur Polizei in Euskirchen gefahren und hat Anzeige erstattet: „Ich hatte sofort das Gefühl, dass mich dort niemand ernst nimmt.“ Die Anzeige lag dem Richter Dr. Jens Rausch in Bonn vor.

Zahlungen vor Gericht bewiesen

Schließlich habe er die Polizei überredet, beim verabredeten Treffen mit dem möglichen Erpresser und dem ehemaligen Geschäftspartner in der Firma dabei zu sein, so der Unternehmer. Vor Ort habe die Polizei die Personalien der beiden ungebetenen Gäste aufgenommen. Es habe nach Einschätzung der Beamten aber keine Straftat vorgelegen, so der Euskirchener: „Von da an wusste ich, dass die Polizei mir nicht helfen wird.“ Nachdem die Beamten abgerückt waren, soll der Angeklagte schließlich aggressiv geworden sein und 200 000 Euro gefordert haben. Aus Angst zog der 53-Jährige nach eigenen Angaben schließlich die Anzeige zurück.

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Bei den vier Treffen mit dem Angeklagten zwischen April und Juli 2015 habe er dann in Raten insgesamt 110  000 Euro in bar und per Scheck gezahlt. Diese Zahlungen konnte er vor Gericht belegen. Zwischen 2016 und 2019 soll es laut dem Unternehmer zu weiteren Zahlungen gekommen sein, bei denen weitere Männer zur Geldeintreibung in seine Firma kamen.

Angeklagter ist Wiederholungstäter

„Der Erpresser, der mich vorher immer angerufen hat, hatte immer einer Story parat, wieso ich nun wieder zahlen müsste.“ Nach dem Vorwand, er habe noch Schulden bei dem Geschäftspartner, habe der mutmaßliche Erpresser unter anderem sogar Schutzgeld von ihm verlangt.

Der 65-jährige Angeklagte sitzt seit November wegen Flucht-, Verdunklungs- und Wiederholungsgefahr in Köln in Untersuchungshaft. Laut Haftbefehl bestand die Gefahr, dass er sich unter falschem Namen in sein Geburtsland, die Türkei, absetzen könnte.

Keine Angaben zur Tat

Vor Gericht berichtete der Angeklagte mithilfe eines Dolmetschers über seinen bisherigen Werdegang. So etwa über seine Jugend und den Militärdienst in Istanbul. Mit 22 Jahren sei er nach Deutschland gekommen und habe in Köln eine Familie gegründet. Berufstätig ist der unter anderem wegen Körperverletzung und Urkundenfälschung Vorbestrafte nach einer Privatinsolvenz zurzeit nicht. Seine Frau habe sich von ihm scheiden lassen. Zum Tatvorwurf machte er keine Angaben.

Ein Freund des Euskirchener Unternehmers, der beim Staatsschutz arbeitet, hat die mutmaßliche Erpressung zur Anzeige gebracht, nachdem er davon erfahren hatte.