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ErftaueEine grüne Freizeitoase am Rande von Euskirchen

6 min
Drei Jungen stehen in der Erft.

Die Erft wird gerne als Ersatz für den außer Betrieb genommenen Wasserspielplatz genutzt.

Die Erftaue in Euskirchen bietet Naturfreunden und Hobbysportlern gleichermaßen zahlreiche Möglichkeiten und ist ein Rausgeh-Ort für Familien.

Was vor einigen Jahren noch für Stirnrunzeln sorgte, gilt heute als Musterbeispiel für gelungene Stadt- und Landschaftsentwicklung. Wo Besucher nach der Renaturierung der Erftaue in Euskirchen zunächst eine karge, ungewohnte Landschaft sahen, ist inzwischen ein lebendiger Natur- und Freizeitraum entstanden. Zwischen Wasserflächen, Wiesen und Auen tummeln sich heute Libellen und Wasservögel ebenso wie Spaziergänger, Familien und Sportler.

Für die Stadt zeigt die Entwicklung eindrucksvoll, dass sich Hochwasserschutz, Naturschutz und Naherholung miteinander verbinden lassen – und dass dieses Projekt noch lange nicht abgeschlossen ist.

Dass einzelne Bereiche zeitweise trockenfallen oder im Herbst stärker überflutet werden, ist völlig normal und Teil einer natürlichen Aue.
Olaf Spekkers

„Am Anfang hieß es oft: Hier ist ja alles kahl. Heute sieht man, wie gut sich die Aue entwickelt hat“, sagt Olaf Spekkers vom Grünflächenamt. Dass die Landschaft zunächst ungewohnt gewirkt habe, sei völlig normal gewesen. Auen müssten sich entwickeln, bevor Pflanzen und Tiere zurückkehrten. Genau das lasse sich inzwischen beobachten. Libellen, Fische und zahlreiche Kleinlebewesen haben die Gewässer wieder besiedelt. Auch wechselnde Wasserstände seien ausdrücklich gewollt. „Dass einzelne Bereiche zeitweise trockenfallen oder im Herbst stärker überflutet werden, ist völlig normal und Teil einer natürlichen Aue“, so Spekkers.

Unmittelbar nach der Renaturierung habe es auch ungewöhnlich niedrige Wasserstände gegeben. Möglicherweise hatten sich damals neue Hohlräume im Untergrund gebildet. Inzwischen habe sich die Situation jedoch stabilisiert. „Wir kontrollieren das regelmäßig. Das sieht alles gut aus“, sagt Spekkers.

Sportpark statt Wiese

Die Erftaue ist nicht mehr nur ein Projekt des Naturschutzes. Parallel zur Entwicklung der Landschaft ist auch das Freizeitangebot kontinuierlich gewachsen. Disc-Golf, Pickleball, Boule, Calisthenics, Ninja-Parcours oder einfach ein Picknick auf den Wiesen – der Park wird inzwischen von Menschen aller Altersgruppen genutzt.

Ein Mann spielt Pickle Ball.

Sportangebote wie Pickleball gibt es einige in der Erftaue.

Ein junger Mann sitzt auf einer Holzliege.

Es kann sich auch ausgeruht werden.

„Früher war das im Grunde eine große Wiese. Heute ist daraus ein Park geworden, in dem sich Menschen bewegen und begegnen“, erinnert sich Spekkers, der seit 30 Jahren bei der Stadt ist. Die hohe Besucherzahl wirke sich zugleich positiv auf die Sicherheit aus. „Wo viele Menschen sind, gibt es automatisch weniger Vandalismus“, sagt er.

Ganz ohne Probleme ist das Areal nicht. Immer wieder werden Sportgeräte beschädigt oder Netze zerstört. Auch die öffentliche Toilette musste wegen Vandalismus zeitweise geschlossen werden. Sehr beliebt ist die Sportbox, aus der kostenlos Sportgeräte ausgeliehen werden können. Allerdings stoße das System an seine Grenzen: Immer wieder werden Geräte nicht zurückgebracht oder einzelne Nutzer blockierten die komplette Box. Deshalb denkt der Kreissportbund, der die Box betreibt, über eine neue Lösung mit mehreren separat verschließbaren Fächern nach.

Natur zum Anfassen

Mindestens ebenso wichtig wie die Freizeitangebote ist für die Stadt die Umweltbildung. Herzstück ist dabei das „Grüne Klassenzimmer“. Rund 50 bis 60 Veranstaltungen finden dort jedes Jahr statt. Zwei Umweltpädagoginnen bringen Kindern und Jugendlichen die heimische Tier- und Pflanzenwelt näher.

Auf dem Programm stehen Wasser- und Bodenuntersuchungen, Erftsafaris, der Bau von Nistkästen oder Angebote rund um die Imkerei. „Unser Ziel ist es, Kindern die Natur näherzubringen“, sagt Spekkers. Besonders eindrucksvoll seien oft die einfachsten Übungen: „Wenn Kinder einmal ganz still sind und bewusst den Vögeln zuhören, ist das häufig ein ganz besonderes Erlebnis.“ Dieses Angebot soll weiter ausgebaut werden. Geplant sind zusätzliche Informationstafeln sowie ein Naturlehrpfad, der die Besonderheiten der Auenlandschaft erläutert und den Besuchern die ökologische Bedeutung des Gebietes näherbringt.

Menschen nutzen die Spiel- und Sportmöglichkeiten auf dem Gelände, auf dem sich früher das Euskirchener Freibad befand.

Das ehemalige Freibad ist zum beliebten Treffpunkt geworden.

Ein Sprayer besprüht das ehemalige Pumpenhaus.

Am ehemaligen Pumpenhaus kann ganz legal gesprüht werden.

Ein Ziel für Disc-Golf steht neben einem Baum.

Beliebt: Disc-Golf.

Treffpunkt für Naturfreunde Längst hat sich die Erftaue auch als Veranstaltungsort etabliert. Ein fester Bestandteil des Jahresprogramms ist der „Treff Natur“. Förster, Naturpädagogen, Imker, Kletterschulen und das Technische Hilfswerk (THW) stellen dort ihre Arbeit vor und laden zum Mitmachen ein.

Wir wollen keine Familie wegschicken. Wenn am Veranstaltungstag noch Kinder kommen, finden wir eine Lösung.
Olaf Spekkers

Ein Publikumsmagnet ist dabei der Max-Buddels-Fun-Lauf, der am Sonntag, 30. August, zum achten Mal stattfindet. Rund 600 Anmeldungen liegen für den außergewöhnlichen Hindernislauf bereits vor. Besonders am Herzen liegt den Veranstaltern der kostenlose Kinderlauf. „Wir wollen keine Familie wegschicken. Wenn am Veranstaltungstag noch Kinder kommen, finden wir eine Lösung“, sagt Spekkers.

Schaugärten statt Schotterflächen Auch das Thema Artenvielfalt endet nicht an den Grenzen der Erftaue. Mit kleinen Schaugärten möchte die Stadt im Veybachpark künftig zeigen, wie naturnahe Vorgärten aussehen können. Die Musterflächen sollen Bauherren und Hausbesitzern als Inspiration dienen und Alternativen zu Schotter- und Kiesgärten aufzeigen. Gepflanzt wird allerdings erst im Herbst, damit die jungen Pflanzen die Sommerhitze besser überstehen. Spekkers: „Wir möchten zeigen, wie attraktive und gleichzeitig ökologische Vorgärten aussehen können.“

Flohmärkte

Weniger optimistisch fällt dagegen der Blick auf die Rückkehr der früher beliebten Trödelmärkte an der Allee aus. Die damaligen Flächen stehen heute nicht mehr zur Verfügung, weil sie unter anderem als Ruhezone für die Natur ausgewiesen worden sind.

Vorstellbar wäre allenfalls ein klassischer Flohmarkt ohne Autos – ähnlich wie in der Bonner Rheinaue. „Wir möchten keinen Markt mit Import- oder Neuware, sondern einen richtigen Flohmarkt“, so Spekkers. Ob ein solches Konzept umgesetzt wird, müsse allerdings der Verwaltungsvorstand entscheiden.

Bildungszentrum

Neue Perspektiven gibt es für das Pumpenhaus des ehemaligen Freibads. Derzeit läuft die Architektenausschreibung für den Umbau zu einem Naturbildungszentrum. Geplant sind unter anderem ein Vortragsraum sowie Räume für das Grüne Klassenzimmer. Auch Naturverbände wie der Nabu könnten das Gebäude künftig nutzen.

Mehr Arten, mehr Natur

Für die Verantwortlichen zeigt sich der Erfolg der Renaturierung vor allem an der Artenvielfalt. Eisvögel wurden ebenso beobachtet wie Mönchsgrasmücken, zahlreiche Wasservögel sowie viele Insekten- und Libellenarten. Von der neuen Aussichtsplattform aus können Besucher die geschützten Ausgleichsflächen beobachten, ohne sie zu betreten. Für die Stadt ist die Entwicklung der Erftaue deshalb längst nicht abgeschlossen. Weitere Umweltbildungsangebote und neue Freizeitideen sollen folgen – immer mit Blick auf den Naturschutz.

„Das Konzept entwickelt sich ständig weiter. Wenn neue Bedürfnisse entstehen und ausreichend Platz vorhanden ist, sind wir offen für weitere Angebote – aber immer mit Rücksicht auf die Natur“, sagt Spekkers. Aus einer anfangs kritisch betrachteten Renaturierungsfläche ist Schritt für Schritt ein Landschaftspark entstanden, der Lebensraum für Tiere und Pflanzen ebenso bietet wie Erholung für die Menschen. Gerade die Verbindung macht die Erftaue zu einem der wichtigsten Natur- und Freizeitprojekte der Stadt.


„Treff Natur“ mit Max-Buddels-Fun-Lauf

Das große Sommerfest „Treff Natur“ mit Max-Buddels-Fun-Lauf findet am Sonntag, 30. August, statt. Unter dem Motto „Bewege dich in der Natur“ lädt die Stadt von 10 bis 18 Uhr kleine und große Besucher zum Tag ins Grüne ein. Veranstaltungsort ist der Erftpark. Den Auftakt macht um 10 Uhr der „Max-Buddels-Fun-Lauf“, ein Naturhindernislauf der besonderen Art. Im Anschluss startet das Sommerfest mit einem bunten Mitmach- und Erlebnisprogramm rund um das Thema Natur. Zum Max-Buddels-Lauf ist eine Anmeldung online erforderlich.