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Armband aus Granathülse für die LiebsteEuskirchener Stadtgeschichte erstrahlt in neuem Glanz

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Das Bild zeigt Sabine Dünnwald, die eine Marionette in die Kamera hält.

Die Marionette, die Archivleiterin Sabine Dünnwald präsentiert, stammt aus Euskirchens französischer Partnerstadt Charleville-Mézières.

Der Muskelkater vom Kistenschleppen der Archivakten ist weg, ein neues Konzept da. Die Mitarbeitenden des Stadtarchivs arbeiten am 725-jährigen Stadtjubiläum-

Für Sabine Dünnwald, Leiterin des Stadtarchivs, ist es nicht einfach nur ein neuer Arbeitsplatz. „Schlaraffenland“ nennt sie die neuen Räumlichkeiten des Stadtarchivs im neuen Euskirchener Rathaus. Ein deutliches „Upgrade“ seien sie für das gesamte Team. Hinter der Begeisterung liegen allerdings anstrengende Wochen. „Ich hatte nach dem Umzug sieben Wochen lang Muskelkater“, sagt Dünnwald.

Die Dimensionen waren nämlich beträchtlich: Rund 200 Paletten und etwa 600 Aktenkisten mussten bewegt werden. Allein der eigentliche Archivbestand umfasst ungefähr 60.000 Akten. Hinzu kommen weitere rund 20.000 Akten aus dem Bauaktenarchiv.

Der Umzug ins neue Rathaus wurde in drei Phasen organisiert

Weil es nicht genügend Fläche gab, um die Bestände zwischenzulagern, musste der Umzug in drei Phasen organisiert werden. Während dieser Zeit blieb das Archiv für den Publikumsverkehr geschlossen. Mitarbeiter des Archivs begleiteten den Transport ständig vor Ort. Das zahlte sich aus: Mögliche Probleme konnten früh erkannt werden, das Archivgut erreichte die neuen Räume unbeschädigt.

Das Team besteht neben Dünnwald noch aus Julian Dohmen und Judith Hages. Komplettiert wird es von der Auszubildenden Larina Föll. Schon die Vorbereitung auf den Umzug hatte einen positiven Nebeneffekt. Zahlreiche Unterlagen wurden verpackt und konservatorisch bearbeitet. Davon soll das Archiv noch Jahre profitieren. Nach dem Kraftakt können nun andere Aufgaben stärker in den Mittelpunkt rücken: Digitalisierung und Bildungsarbeit.

Zahlreiche Familienforscher kommen regelmäßig ins Stadtarchiv

Wer beim Begriff Stadtarchiv zunächst an endlose Regalreihen voller alter Akten denkt, liegt zwar nicht völlig falsch – er sieht aber nur einen Teil der Arbeit. Zu den wichtigsten Kunden gehören beispielsweise Familienforscher. Für sie sind insbesondere die Personenstandsunterlagen eine Fundgrube.

Die Geburts-, Heirats- und Sterberegister reichen in Euskirchen bis ins Jahr 1799 zurück. Rund 850 Bände umfasst dieser Bestand inzwischen. Und er wächst kontinuierlich: Nach Ablauf der gesetzlichen Fristen werden weitere Unterlagen vom Standesamt an das Archiv übergeben.

Von weit über Euskirchen hinaus kommen zudem Anfragen zur Zeit des Nationalsozialismus und zum Holocaust. Die Bestände aus den 1930er-Jahren sind dafür wichtige Quellen. Nach Angaben des Archivs erreichen Euskirchen Forschungsanfragen auch von internationalen Einrichtungen, darunter die Universitäten Oxford und Stanford.

Das Bild zeigt einen Armreifen.

Aus Granathülsen hat ein Soldat im Ersten Weltkrieg einen Armreif gefertigt, den nach Kriegsende seine Liebste erhielt. Später wurde noch geheiratet.

Das Bild zeigt einen Blick ins neue Stadtarchiv.

Im neuen Stadtarchiv ist noch ordentlich Platz.

Das Bild zeigt die römische Vase, die im Bereich des Erftstadtions entdeckt worden ist.

Die römische Vase wurde am Erftstadion entdeckt.

Mit den neuen Räumen soll das Archiv stärker zu einem Ort werden, an dem Geschichte nicht nur verwahrt, sondern vermittelt wird. Dabei kommt den Verantwortlichen eine Änderung des Archivgesetzes entgegen, durch die die Rolle von Archiven als Bildungsorte gestärkt wurde. Für Schulen wurde deshalb ein kostenloses pädagogisches Angebot entwickelt.

Es reicht von der Grundschule bis zur Oberstufe und soll sich am Alter der Kinder und Jugendlichen orientieren. Neben Führungen sind praktische Angebote vorgesehen. Schüler können beispielsweise Wappen gestalten oder sich daran versuchen, eigene Urkundentexte zu verfassen.

Neue Führungen für Interessierte geplant

Auch für andere Interessierte gibt es wieder Führungen durch das Archiv. Die Nachfrage ist nach Angaben der Verantwortlichen groß, Termine seien schnell ausgebucht. Selbst innerhalb der Stadtverwaltung ist das Interesse beachtlich: Mehr als 130 Mitarbeiter haben sich für Führungen angemeldet, um kennenzulernen, was das eigene Stadtarchiv eigentlich alles leistet.

Auch der Benutzerbereich wurde aufgewertet. Eine Handbibliothek steht zum Stöbern bereit, gleichzeitig wurde technisch nachgerüstet. Neben einem professionellen Archivscanner gibt es einen neuen Einzugsscanner von Kodak. Damit können Dokumente in kurzer Zeit digitalisiert und beispielsweise Mitarbeitern der Verwaltung für die Arbeit im Homeoffice zur Verfügung gestellt werden.

40 neue Stolpersteine werden im kommenden Jahr verlegt

Die Mitarbeiter beschäftigen sich allerdings nicht nur mit dem, was längst Geschichte ist. Zwei große Projekte reichen unmittelbar in die Zukunft. Im kommenden Jahr steht das 725-jährige Stadtjubiläum an. Dafür soll die chronologische Stadtgeschichte auf der Internetseite des Archivs grundlegend überarbeitet werden. Bedeutende Ereignisse und Persönlichkeiten sollen dort künftig ausführlicher dargestellt werden.

Das Bild zeigt den ehemaligen Bundeskanzler, der aus seinem Dienstwagen winkt.

Hoher Besuch in Euskirchen: Konrad Adenauer grüßte die Menschen auf der Kapellenstraße.

Hinzu kommt die Erinnerung an die jüdischen Bürger der Stadt. Im Juni des kommenden Jahres sollen 40 weitere Stolpersteine verlegt werden. Sie erinnern an etwa zehn Familien beziehungsweise Einzelpersonen. Ein Schwerpunkt wird die Neustraße sein, in der sich einst zahlreiche jüdische Geschäfte befanden.

Der Künstler Gunter Demnig soll erneut nach Euskirchen kommen und auch einen Vortrag halten. Die Bereitschaft in der Bevölkerung, Patenschaften für Stolpersteine zu übernehmen, sei groß. Nach der nächsten Verlegung in Euskirchen soll das Projekt weitergehen: In etwa drei Jahren sind weitere Stolpersteine in Flamersheim vorgesehen.

Sicherheit geht auch im neuen Stadtarchiv vor

Handschuhe schützen empfindliche Archivalien vor Hautfetten und Verschmutzungen. Umgekehrt können sie auch die Mitarbeiter schützen, wenn sie mit alten und belasteten Materialien arbeiten. Neue Archivalien gelangen deshalb zunächst in einen eigenen Vorbereitungsraum, in dem auch verschmutzte Bestände bearbeitet werden können. Für die wertvollen Personenstandsregister wurden zudem passgenaue Schutzumschläge angefertigt.

Auch beim Brandschutz wurde auf die besonderen Anforderungen eines Archivs geachtet. Statt einer CO2-Löschanlage, die für Menschen gefährlich werden könnte, setzt das Konzept unter anderem auf einen Rauchabzug zur schnellen Entrauchung.

Wer selbst in den Beständen forschen möchte, sollte allerdings nicht unangemeldet vor der Tür stehen. Eine vorherige Terminvereinbarung ist notwendig, damit die Mitarbeiter die entsprechenden Unterlagen vorbereiten und eine fachliche Beratung gewährleisten können. Die nächste Führung durch das Stadtarchiv ist am Donnerstag, 5. November, ab 16 Uhr geplant. Telefonisch ist des Stadtarchivs unter 02251-14437 zu reichen. Auch per E-Mail kann man sich an das Archiv wenden.


Im Schützengraben Armband aus einer Granathülse angefertigt

Wie nah große Geschichte und ganz persönliche Geschichten im Euskirchener Stadtarchiv beieinanderliegen können, zeigt ein Rundgang durch die Magazine. Dort finden sich nicht nur Akten und Personenstandsregister, sondern auch ungewöhnliche Gegenstände.

Eine Marionette stammt aus Euskirchens französischer Partnerstadt Charleville-Mézières. Aufbewahrt werden zudem Glasobjekte der ehemaligen Ingrid-Glashütte an der Georgstraße und eine römische Vase, die im Bereich des Erftstadions gefunden und wieder zusammenklebt wurde.

Besonders persönlich ist ein kleines Erinnerungsstück aus dem Ersten Weltkrieg: Ein Soldat fertigte im Schützengraben aus einer Granathülse ein Armband für seine Liebste. Die erhielt das Schmuckstück nach dem Krieg und sagte „Ja“. Heute leben die Kinder des Ehepaares laut Stadtarchiv immer noch in Euskirchen.