Oreo verletzt sich beim Schneiden von Chips: Im Teddykrankenhaus lassen Kinder ihre Kuscheltiere untersuchen und lernen spielerisch, dass Arztbesuche gar nicht schlimm sind.
Teddykrankenhaus in EuskirchenKinder behandeln ihre verletzten Kuscheltiere wie echte Ärzte

Die kleine Aliah hatte ihre Stoffkatze Oreo mitgebracht. Das Plüschtier hatte sich beim Schneiden von Chips an der Pfote verletzt.
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Oreo hat sich beim Schneiden von Chips das Bein gebrochen. Hasi ist vom Bett gefallen und hat sich die Pfote verstaucht. Und Otter Otti leidet an einer Möhrenallergie. In der AOK-Geschäftsstelle an der Neustraße in Euskirchen herrscht reges Treiben: Rund 70 Kinder aus Euskirchener Kitas sind mit ihren Kuscheltieren gekommen, um sie im „Teddykrankenhaus“ untersuchen zu lassen.
Anmeldung, Wartezimmer, Behandlung, Apotheke – alles ist da, was zu einem echten Krankenhausbesuch dazugehört. Nur dass die Patienten diesmal Plüschtiere sind. Plüschtiere, die von AOK-Mitarbeitenden in weißen Kitteln behandelt werden.
Ein Arztbesuch kann für viele Kinder beängstigend sein – fremde Geräte, ungewohnte Geräusche und Menschen in weißen Kitteln.
„Ein Arztbesuch kann für viele Kinder beängstigend sein – fremde Geräte, ungewohnte Geräusche und Menschen in weißen Kitteln“, sagt AOK-Regionaldirektorin Jessica Lammerich. Mit dem Teddykrankenhaus möchte die Gesundheitskasse diese Ängste abbauen. „Wir haben uns die Prävention auf die Fahne geschrieben. Und Prävention fängt bei den Kleinsten der Gesellschaft an“, so Lammerich.
Beim Teddykrankenhaus der AOK handelt es sich eigentlich um ein studentisches Projekt, bei dem Kinder den Ablauf eines Arzt- oder Klinikbesuchs spielerisch erleben – allerdings nicht als Patient, sondern mit ihrem Kuscheltier.
Der Ablauf in der Teddyklinik ist genau wie im richtigen Krankenhaus
In einem eigens aufgebauten „Krankenhaus“ melden die Kinder ihre Stofftiere zunächst an der Rezeption an und erklären, was ihrem Liebling fehlt. Anschließend werden sie von einem „Teddydoc“, meist einer Medizinstudentin oder einem Medizinstudenten, durch verschiedene Stationen begleitet. Im „Röntgenzimmer“, in der „Apotheke“ oder sogar im „OP“ wird das Kuscheltier untersucht, verbunden und behandelt – stets mit der aktiven Unterstützung der Kinder.
Ein besonderes Highlight ist der Teddy-Pass, eine kleine Patientenakte, in der Diagnose und Behandlung des Kuscheltiers eingetragen werden. Zum Abschluss geht es oft noch in die „Teddy-Apotheke“, wo es als Medizin Gummibärchen gibt.

Superheldin Sky von der Paw Patrol musste geröngt werden.
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Plüschhase mit gebrochener Pfote: Bei der AOK in Euskirchen werden alle Kuscheltiere genau untersucht.
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Das Projekt verfolgt gleich mehrere Ziele: Kinder sollen spielerisch medizinische Abläufe kennenlernen und Vertrauen in Ärztinnen, Ärzte und Pflegepersonal gewinnen. Zugleich bietet es den teilnehmenden Medizinstudierenden die Gelegenheit, den einfühlsamen Umgang mit jungen Patientinnen und Patienten zu üben. So trägt das Teddykrankenhaus auf charmante Weise dazu bei, die Angst vor dem Arztbesuch zu nehmen – und fördert ganz nebenbei Verständnis, Vertrauen und Empathie.
Für die Euskirchener AOK war die Veranstaltung in der Geschäftsstelle in der Fußgängerzone eine Premiere. Eine, die laut Lammerich „unbedingt“ wiederholt werden müsse. Aber auch eine, die im gesamten Kreisgebiet Schule machen soll. Sie werde das Gespräch mit dem Geschäftsführer des Kreiskrankenhauses in Mechernich, Martin Milde, suchen, sagte die AOK-Chefin. Das Teddykrankenhaus sei mit der angeschlossenen Kinderstation in Mechernich förmlich ideal.
U-Untersuchungen sind etwas anderes als ein Krankenhaus
Aber auch die Teddykrankenhaus-light-Variante kommt gut an, und das nicht nur bei den Kindern. Nicole Gehlen etwa, Leiterin der städtischen Kita Kiefernweg in Euskirchen, ist begeistert. „Die Kinder kennen Arztpraxen von den U-Untersuchungen, aber das ist etwas ganz anderes als ein Krankenhaus“, sagt die Kita-Chefin, die mit den „Maxi-Kindern“ gekommen ist, also denen, die in diesem Jahr auf die Grundschule wechseln. Die Vorfreude bei den Mädchen und Jungen sei groß gewesen, berichtet Gehlen.
Und der Euskirchener Nachwuchs hat nicht nur seinen Lieblingsteddy, -otter, -hasen oder -bären mitgebracht, sondern auch die entsprechenden Krankheitsbilder der plüschigen Freunde, die auch mal Sorgenfresser sind.
Die Kinder erzählen an der Anmeldung, was passiert ist – zum Beispiel, dass der Teddy vom Bett gefallen ist und sich den Arm gebrochen hat.
So ist Skye, einer der Rettungshunde aus der TV-Serie „Paw Patrol“, beim Gassigehen vom Auto überfahren worden. Das setzt natürlich auch einer Hunde-Superheldin zu. Das wird beim Röntgen des Kuscheltieres sichtbar. Skyes Pfote ist gebrochen. Aber bevor es ins kreativ gestaltete Röntgenzimmer geht, stehen andere Schritte an – eben genau wie im Krankenhaus.
„Die Kinder erzählen an der Anmeldung, was passiert ist – zum Beispiel, dass der Teddy vom Bett gefallen ist und sich den Arm gebrochen hat“, erklärt AOK-Pressesprecherin Daniela Haider, die das Projekt vor Ort koordiniert hat: „Dann werden die Kuscheltiere abgehört, abgetastet, verbunden oder sogar operiert.“
In den Behandlungsräumen wird konzentriert gearbeitet
In den Behandlungsräumen wird konzentriert gearbeitet: Stofftiere bekommen Gipsverbände, es wird geröntgt und operiert – natürlich alles spielerisch. Zum Schluss gibt es ein Rezept und ein „Aua-weg-Bärchen“, das in der kleinen Kinderapotheke abgeholt werden darf.
„Ziel ist es, Kindern die Angst vor Arzt- und Krankenhausbesuchen zu nehmen“, sagt Lammerich: „Wenn sie die Abläufe einmal spielerisch kennengelernt haben, erinnern sie sich im Ernstfall daran und wissen: Das ist gar nicht so schlimm.“
Das Konzept des Teddykrankenhauses gibt es laut Lammerich bereits rund 20 Jahre. Es wurde von der Universitätsklinik Bonn und der AOK entwickelt. In Bonn werden dafür jedes Jahr große Zelte vor der Kinderklinik aufgebaut, in denen Medizinstudierende als „Teddydoktoren“ im Einsatz sind.
Für die AOK-Mitarbeitenden war der Tag ebenfalls etwas Besonderes. „Das ist eine unserer Lieblingsaktionen“, sagt Haider: „Wenn man sieht, wie die Kinder stolz ihre Tiere behandeln lassen und am Ende ohne Angst wieder gehen, ist das einfach schön.“
Zum Abschluss durften alle ihre Plüschpatienten gesund und versorgt mit nach Hause nehmen. Und für die fürsorglichen Teddybären-Eltern gab es noch eine Süßigkeit. Schließlich ist auch Nervennahrung beim Besuch im „Krankenhaus“ wichtig. Und wer weiß – vielleicht erinnert sich das eine oder andere Kind beim nächsten Arztbesuch daran, dass es gar nicht schlimm ist, wenn der Doktor einmal das Stethoskop zückt.

