Der Euskirchener Unternehmer Dieter Eller spricht über die Situation in der Euskirchener Innenstadt und über ein mögliches Galeria-Aus.
Starbucks und Extrablatt abgesprungenSo soll es mit den großen Namen in Euskirchen klappen

Ein Herz für Euskirchen: Die Innenstadt steht bei der Bevölkerung immer wieder in der Kritik – laut Dieter Eller zu Unrecht.
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Wer mehr als vier Jahrzehnte im Einzelhandel arbeitet, erlebt Boomzeiten und Krisen, Modetrends und Strukturwandel, volle Fußgängerzonen und leerstehende Ladenlokale. Dieter Eller hat all das miterlebt. Als er Anfang der 1980er-Jahre sein erstes Geschäft in Euskirchen eröffnete, war die Innenstadt geprägt von inhabergeführten Fachgeschäften.
Große Filialisten steckten vielerorts noch in den Kinderschuhen, der Onlinehandel war Zukunftsmusik. Heute blickt der Unternehmer auf mehr als 40 Jahre zurück – und auf eine Innenstadt, die sich nach seiner Überzeugung besser entwickelt hat, als viele es ihr zugetraut haben.
Vor allem eines ärgert den Euskirchener: die Außendarstellung seiner Heimatstadt. „Wir reden uns viel zu klein“, sagt Eller: „Euskirchen ist kein kleines Heimatstädtchen, sondern ein attraktives Mittelzentrum. Wir müssen endlich selbstbewusster auftreten.“ Denn obwohl Eller die Probleme des stationären Handels kennt wie kaum ein anderer, sieht er deutlich mehr Chancen als Risiken.
Mit „Sandys“ fing bei Dieter Eller alles an
Seine Karriere begann mit dem „Sandys“, einem Modegeschäft, das für viele Euskirchener schnell zu einem festen Begriff wurde. Es folgten weitere Geschäfte wie „Esprit“, „s.Oliver“ und später das „E1“. In all den Jahren erlebte Eller nicht nur wirtschaftlich starke Zeiten, sondern auch massive Umbrüche: den Einzug großer Filialisten, den Wandel des Einkaufsverhaltens, den Siegeszug des Onlinehandels sowie zuletzt die Folgen der Corona-Pandemie und der Flutkatastrophe. Gerade deshalb überrascht sein Optimismus. „Nach der Flut ist hier enorm viel entstanden“, sagt Eller: „Die Fußgängerzone ist von vorne bis hinten stimmig geworden.“
Für ihn besitzt Euskirchen nach wie vor hervorragende Voraussetzungen. Die Nähe zur A1 sowie die kurzen Wege nach Köln, Bonn oder Hürth sorgten dafür, dass die Kreisstadt ein Einzugsgebiet von rund 180.000 Menschen habe. Dieses Potenzial werde jedoch viel zu selten selbstbewusst vermarktet. „Wir tun oft so, als wären wir irgendein kleines Provinzstädtchen. Dabei sind wir ein Mittelzentrum mit einer starken Infrastruktur.“
Große Namen fehlen in der Innenstadt
Genau dieses Selbstbewusstsein hält Eller für entscheidend, wenn es darum geht, bekannte Marken nach Euskirchen zu holen. Denn Namen seien weit mehr als nur einzelne Geschäfte. „Solche Marken bringen Frequenz. Und Frequenz bringt wiederum Leben in die Innenstadt.“ Nach Informationen dieser Zeitung bestand nach der Flut Interesse von Starbucks an einem Standort in Euskirchen. Daraus wurde letztlich nichts.
Nach Informationen der Redaktion scheiterte das Vorhaben unter anderem daran, dass sich die Stadt mit einer Außengastronomie am Klosterplatz schwertat. Auch wenn Eller selbst kein Wort zu Starbucks und Co. sagt, so sagt er aber: „So eine Marke sorgt automatisch dafür, dass Menschen in die Stadt kommen. Davon profitieren anschließend viele andere Geschäfte.“
Starbucks wollte wohl nach Euskirchen, Café Extrablatt auch
Starbucks ist dabei nicht das einzige Beispiel. Nach Informationen dieser Zeitung wollte auch die Kette Café Extrablatt nach der Flut den Standort am Gardebrunnen beziehen. Und der Name H&M taucht seit Jahren immer wieder auf, wenn über mögliche Ansiedlungen gesprochen wird. Für Eller wären genau solche Unternehmen wichtige Bausteine für eine attraktive Innenstadt. Denn sie sorgten nicht nur für zusätzliche Kundschaft, sondern stärkten zugleich das Image einer Einkaufsstadt.
„Eine attraktive Innenstadt lebt von einem guten Mix. Große Namen ziehen Menschen an, kleinere inhabergeführte Geschäfte sorgen anschließend für Individualität.“

An einem Mittwoch in den Sommerferien wird in Euskirchen geshoppt.
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Prägend: Galeria, ehemals Kaufhof, und die Herz-Jesu-Kirche.
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Noch wichtiger als mögliche Neuansiedlungen ist für Eller allerdings der Erhalt der Galeria-Filiale. Für ihn ist das Warenhaus nach wie vor einer der wichtigsten Frequenzbringer der Innenstadt. „Wer dort Spielwaren, Haushaltsartikel oder Bettwäsche kauft, erledigt anschließend oft noch weitere Einkäufe in der City.“
Eine Schließung hätte deshalb aus seiner Sicht weitreichende Folgen. Viele Kunden würden dauerhaft nach Brühl, Bonn oder Hürth ausweichen. Gleichzeitig entstünde eine Lücke, die sich kurzfristig kaum schließen ließe.
Wenn ein Vermieter seinem Mieter entgegenkommt, ist das seine Entscheidung. Aber weitere staatliche Unterstützung halte ich nicht für richtig.
Trotzdem hält Eller das klassische Warenhauskonzept für überholt. Große Verkaufsflächen allein reichten heute nicht mehr aus. „Die Menschen kommen doch bewusst in die Stadt. Dann wollen sie auch gute Beratung und eine ansprechende Präsentation. Sonst können sie genauso gut im Internet bestellen.“ Auch staatliche Hilfen für den angeschlagenen Warenhauskonzern sieht er kritisch.
Eller: „Wenn ein Vermieter seinem Mieter entgegenkommt, ist das seine Entscheidung. Aber weitere staatliche Unterstützung halte ich nicht für richtig.“ Noch kritischer würde er es sehen, wenn sich die Stadt unmittelbar an Gesprächen über den Standort beteiligen würde. „Das wäre ein Schlag ins Gesicht der vielen anderen Einzelhändler, die ihre Krisen ohne Hilfe bewältigen mussten“, sagt er.
Wir unterstützen den Kaufhof, wo wir können, durch konstruktive Gespräche mit allen Beteiligten. Und wir gehen davon aus, dass es einen positiven Ausgang für unsere Filiale geben wird.
Stadt sieht es anders Bei der Stadt bewertet man die Lage etwas anders. Alfred Jaax, Erster Beigeordneter der Stadt Euskirchen, setzt weiterhin auf den Erhalt des Warenhauses. „Wir unterstützen den Kaufhof, wo wir können, durch konstruktive Gespräche mit allen Beteiligten. Und wir gehen davon aus, dass es einen positiven Ausgang für unsere Filiale geben wird.“
Doch selbst, wenn Galeria eines Tages schließen sollte, sieht Eller nicht nur Risiken. „Natürlich wäre das zunächst ein Schock“, sagt er: „Aber jede Veränderung eröffnet auch neue Möglichkeiten.“ So könnten große Flächen künftig anders genutzt werden – etwa durch eine Kombination aus Handel, Dienstleistungen, Gastronomie oder Wohnen: „Die Welt wird sich auch in Euskirchen weiterdrehen.“
Onlinehandel ist nicht das Hauptproblem für die Innenstadt
Für ihn liegt das eigentliche Problem des stationären Handels allerdings nicht allein im Onlinehandel. Vielmehr habe sich vielerorts das Verständnis vom Einkaufen verändert – und zwar nicht zum Besseren. „Wir haben heute häufig nur noch Warenbereitstellung“, sagt er: „Die Menschen brauchen aber Warenpräsentation. Sie müssen Lust bekommen, etwas zu kaufen. Einkaufen muss wieder ein Erlebnis sein.“
Wer heute in die Innenstadt komme, tue dies bewusst. Niemand fahre mehr zufällig in die City, um einzukaufen. Gerade deshalb müsse der Aufenthalt einen Mehrwert bieten. „Wenn ich nur Regale mit Ware sehe, kann ich genauso gut im Internet bestellen“, sagt Eller: „Die Menschen wollen Inspiration, Beratung und Atmosphäre.“ Schaufenster, Beleuchtung, Dekoration und eine hochwertige Präsentation seien deshalb längst keine Nebensächlichkeiten mehr. Sie entschieden oft darüber, ob Kunden ein Geschäft betreten oder vorbeigehen.
Es fehlt auch an der Bereitschaft zu investieren
Für Eller beginnt erfolgreicher Einzelhandel deshalb bei der Bereitschaft zu investieren. „Wenn du nichts reinsteckst, kannst du auch nichts rausholen.“ Diese Bereitschaft vermisst er allerdings nicht nur bei einzelnen Geschäften, sondern teilweise auch im gemeinsamen Auftreten der Händler.
Seit Jahrzehnten beobachtet Eller, wie immer wieder gute Ideen entstehen – und ebenso häufig wieder versanden. „Es gibt viele gute Ansätze. Aber oft machen am Ende nur wenige mit“, sagt er. Als Beispiel nennt er Aktionen des Euskirchener Stadtmarketingvereins Zeus. Immer wieder seien Projekte an mangelnder Beteiligung gescheitert. „Das ist schon ein auffallend großes Desinteresse des einen oder anderen.“ Auch Eigentümer trügen Verantwortung. Große Ladenlokale seien heute vielerorts wirtschaftlich kaum noch darstellbar.
Statt an überholten Konzepten festzuhalten, müsse flexibler gedacht werden. „Im Erdgeschoss kann Handel stattfinden. Darüber können Wohnungen, Fitnessstudios oder andere Nutzungen entstehen.“ Solche Mischkonzepte würden Innenstädte lebendiger machen und gleichzeitig Leerstände verhindern. Selbst eine mögliche Nachnutzung der Galeria-Fläche sieht er deshalb nicht ausschließlich negativ. „Natürlich wäre der Verlust schmerzhaft. Aber vielleicht entstünde daraus auch etwas völlig Neues“, meint Eller.
Schlechte Noten im Hitze-Check für Euskirchen
Die Deutsche Umwelthilfe hat untersucht, wie sich hohe Temperaturen auf NRW-Städte auswirken. Euskirchen schneidet dabei erneut schlecht ab. Euskirchen kommt beim Hitze-Check der Umwelthilfe gleich dreifach schlecht weg.
Die Stadt habe im Vergleich weniger Bäume, die Schatten spenden, versiegele seit 2018 am stärksten von allen NRW-Städten immer mehr Fläche und die Hitzebelastung für die Menschen sei hoch. Allerdings, so Euskirchens Bürgermeister Sacha Reichelt, spiegele die Untersuchung nicht die Realität wider. Die Innenstadt sei in Folge der Flutsanierung grüner geworden. Laut Verwaltungschef standen vor der Flut in der Fußgängerzone sechs Bäume, nun sind es 16.
Zudem gebe es Trinkwasserspender in der Fußgängerzone. Auch das Pflaster in der Fußgängerzone sei mit Blick auf den Klimawandel bewusst aus hellen Steinen erstellt worden, die die Hitze stärker abstrahlen, damit der Boden nicht so warm werde.
