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Flüchtlinge in EuskirchenEin neues Zuhause für 316 Menschen

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Euskirchen – Die große Flüchtlingsunterkunft, die in der früheren Schule an der Erftaue in Euskirchen eingerichtet wird, soll „im weitesten Sinne ein offenes Haus“ sein. So formulierte es der stellvertretende Regierungspräsident Wilhelm Steitz am Mittwochabend in einer Informationsveranstaltung, zu der knapp 100 Bürger in die Schulturnhalle gekommen waren. „Wir freuen uns über jegliche Hilfe und alle Kontakte, die aus der Stadtgesellschaft kommen“, ergänzte Steitz.

Die Einrichtung, die die Stadt Euskirchen an das Land Nordrhein-Westfalen vermietet, nimmt wahrscheinlich am 1. Oktober den Betrieb auf. Sie wird bis zu 316 Menschen Platz bieten. Der Vertrag läuft bis Ende 2018 und umfasst eine Verlängerungsoption, wie der Erste Beigeordnete der Stadt, Johannes Winckler, sagte.

Steitz hatte erklärt, dass die Bundesrepublik für das laufende Jahr mit rund 300 000 neuen Flüchtlingen rechne. Etwas mehr als ein Fünftel davon muss NRW aufnehmen. Nach der Registrierung und medizinischen Untersuchungen in einer Erstaufnahmeeinrichtung kommen die Flüchtlinge in eine ZUE – eine Zentrale Unterkunftseinrichtung, wie sie nun auch in Euskirchen entsteht. Die Menschen bleiben dort zwischen vier und zwölf Wochen, „um zur Ruhe zu kommen“, so Steitz, bevor sie endgültig einer Kommune zugewiesen werden.

Den Umbau und die Erweiterung des Gebäudes finanziert die Stadt Euskirchen. Sie holt sich die Investitionskosten allerdings über die Miete vom Land zurück, wie Pressesprecherin Silke Winter sagte. Mehr noch: Im Rathaus geht man davon aus, dass die Vermietung der Stadt finanzielle Vorteile bringt. Denn die Plätze in der Zentralunterkunft werden auf die herkömmlichen Flüchtlingszuweisungen angerechnet. Nach dem derzeitigen Stand wird Euskirchen dank der ZUE rund eineinhalb Jahre keine Asylsuchenden aufnehmen müssen. Ihre Ausgaben fallen dementsprechend geringer aus.

Die Einrichtung in der Erftaue wird von einem gewerblichen Unternehmen betrieben. Hinzu kommt eine Betreuung, die in der Regel von einem Wohlfahrtsverband oder einer vergleichbaren Organisation übernommen wird, wie Vizeregierungspräsident Steitz sagte. Details werden in einer weiteren Versammlung bekanntgegeben, die kurz vor der Eröffnung stattfinden soll. (ejb)

Die frühere Schule, die auf dem Eckgrundstück Keltenring/In den Herrenbenden liegt, wird in den kommenden Monaten umgebaut. Die Details erläuterten Winckler und der Technische Beigeordnete Oliver Knaup. Unter anderem ist vorgesehen, die Küche im Obergeschoss zu erweitern sowie zwei Speise- und Aufenthaltsräume einzurichten. Hinzu kommen neue Sanitärräume in Modulbauweise. Der Zaun, der das Areal umgibt, wird auf zwei Meter erhöht. Am Eingang wird ein Wachcontainer stehen, an dem alle Besucher eine Einlasskontrolle passieren müssen. Aus dem früheren Hausmeisterhaus wird eine Sozialstation mit Arzt- und Sanitäterzimmern.

Die Flüchtlinge werden unter anderem in den früheren Schulpavillons wohnen, die in Einheiten für je acht Personen umgebaut werden. „Die Schlafräume sind extrem eng“, räumte Steitz ein: „Das ist kein Luxus, aber sicherlich angemessen.“ Für die Tagstunden stünden den Flüchtlingen besagte zwei Aufenthaltsräume und die Turnhalle zur Verfügung. „Außerdem die wunderschöne Erftanlage, die gleich um die Ecke zu finden ist“, ergänzte Bürgermeister Dr. Uwe Friedl. Er sei überzeugt davon, dass „hier für die Flüchtlinge mit Unterstützung durch ehrenamtliches Engagement der Euskirchener ein menschenwürdiges, gutes Leben möglich ist“.

Kritische Fragen stellten in der Versammlung die Ausnahme dar. Eine Frau wollte wissen, ob durch die Einrichtung Parkplatznot für die Nachbarn entstehen könne. Friedl verneinte. Eine andere Bürgerin fragte: „Sind die Leute haftpflichtversichert, falls Schäden an unseren Häusern entstehen?“ Wilhelm Steitz erwiderte: „Die Flüchtlinge kommen nicht hierhin, um anderer Leute Eigentum zu beschädigen.“

So etwas passiere aber, antwortete die Fragenstellerin, was Johannes Winckler auf den Plan rief: „In unseren Flüchtlingseinrichtungen haben wir keine derartigen Erfahrungen gemacht. Wir sollten hier keine Ängste schüren.“ Bürgermeister Friedl sprang dem Dezernenten bei: „In Euskirchen leben schon mehr als 300 Flüchtlinge. Und ich betone: Es gibt hier eine positive Willkommenskultur.“