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Handy wird ausgewertet Euskirchener Schülerin drohte nach Mobbing mit Selbstmord

Euskirchen – Wenn ihre zwölfjährige Tochter in die Schule gehen sollte, dann hatte sie plötzlich Bauchschmerzen oder Kopfweh.

Immer wieder, wenn ihr Kind in der Schule war, sei sie angerufen worden, weil sie ihre Tochter abholen sollte. Denn der war unwohl oder sie war plötzlich krank.

Seit wenigen Wochen weiß die Mutter der Sechstklässlerin der Euskirchener Gesamtschule, warum sich die Krankheiten bei ihrer jüngsten Tochter häuften: „Sie wurde von Schülern gemobbt, aufs Übelste beleidigt und regelrecht fertig gemacht“, berichtete die Frau dieser Zeitung.

Kind drohte damit, sich umzubringen

Das sei so weit gegangen, dass ihre Kleine laut schreiend aus dem Haus gelaufen sei und angedroht habe, sich umzubringen. Davor habe sich ihr Kind immer wieder in sein Zimmer eingeschlossen oder sei ihr und ihrem Ex-Mann sowie ihren Geschwistern gegenüber aggressiv gewesen.

Doch erst an jenem Abend sei ihr bewusstgeworden, was ihre Tochter in sich hineingefressen habe und was sie alles an der Gesamtschule habe erdulden müssen. Mitschüler aus ihrer und anderen Klassen hätten ihre Tochter immer wieder beleidigt. „Fischfresse, dich braucht doch keiner“ schickten ihr Mitschüler auf das Handy. Oder „Geh sterben“.

Die hasserfüllten Botschaften auf dem Handy häuften sich, die Mutter und auch der Vater, die sich beide abwechselnd das Sorge- und Betreuungsrecht für die Kinder teilen, ahnten wenig und führten das auffällige Verhalten zunächst auf die nahende Pubertät ihres Kindes zurück.

Mädchen lebt in offener Therapieeinrichtung

Als es dann mit seiner herausgeschrienen Selbstmordandrohung die Nachbarn aufmerksam machte, wurden Rettungsdienst, Jugendamt und Polizei eingeschaltet.

Das Mädchen wurde zunächst in einer geschlossenen psychiatrische Abteilung untergebracht. Derzeit lebe es in einer offenen Therapieeinrichtung, wo es auch zur Schule gehe, so die Mutter. Dort blühe das Kind regelrecht auf, weil es sich akzeptiert fühle.

Den Lehrern der Gesamtschule mache sie keine Vorwürfe, weil sich das Mobbing weitgehend in den sozialen Netzwerken abgespielt habe. Doch ihre Tochter sei auch auf dem Schulhof von 30 Schülern unterschiedlicher Klassen umringt und herumgeschubst worden.

Mobbing per Handy ging weiter

Damals habe Schulleiter Thomas Müller einige der Rädelsführer ermahnt. Doch das Mobbing per Handy sei weiter gegangen, bestätigt die Mutter der Zwölfjährigen.

Seit Dienstagmorgen wird das Handy des Mädchens bei der Polizei in Euskirchen ausgewertet. Dann werde man wissen, wer derartige Hasskommentare gegen die Zwölfjährige verschickt habe, hoffen die Eltern.

Anzeige gegen Unbekannt erstattet

Der Euskirchener Polizeisprecher Lothar Willems erklärte auf Anfrage, der Vater habe bei der Behörde Anzeige gegen unbekannt erstattet. Die Sache werde gründlich untersucht.

Der Euskirchener Gesamtschulleiter Thomas Müller macht kein Hehl daraus, dass es ihm am liebsten wäre, wenn die Sache nicht weiter öffentlich diskutiert würde. „Das bleibt alles an dem Mädchen hängen“, befürchtet der Pädagoge. Und das habe es schon schwer genug.