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Heimbacher VereinDamit die Geschichte nicht verloren geht

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Viel Arbeit stecken  Peter Cremer (v.l.), Theo Kleinschmidt, Karl Mebold und  Erich Justra in die Archivierung und Auswertung ihrer Materialien.

Heimbach – Das Buch ist in kleinerem Rahmen ein Bestseller: Seitdem der Geschichtsverein Heimbach im Dezember vergangenen Jahres ein Buch über die Kriegsjahre in Heimbach veröffentlicht hat, waren die ersten 300 Exemplare bereits bis Karneval verkauft. Jetzt hat der Verein die zweite Auflage in Druck gegeben.

Es gibt offenbar ein großes Interesse an der Geschichte, zu der man selbst einen Bezug hat. Nicht umsonst sind Berichte von Zeitzeugen im sogenannten Oral-History-Archiv gefragt, einem Archiv der gesprochenen Geschichte, in dem Menschen über ihre Erfahrungen und Lebensumstände berichten. „In 50 Jahren wird es niemanden mehr geben, der von seinen eigenen Kriegserlebnissen berichten kann“, sagt Theo Kleinschmidt. Er hatte die   Idee zum Buch. „Bei einem Treffen mit meinen Geschwistern sprachen wir darüber, wie wir die Kriegsjahre und die Zeit danach   erlebt haben und sagten: ,Mensch, das müssen wir mal aufschreiben’.“ So  begann er, die Erlebnisse der Geschwister aufzuschreiben, nach und nach kamen   andere hinzu. „Plötzlich hieß es: ,Frag’ doch mal den, der weiß sicher auch noch was’“, erinnert er sich.

Zwei Jahre dauerte diese akribische Dokumentation. „Erstaunlich ist, wie frei manche Menschen gesprochen haben, so als sei es ein Ventil und sie könnten erstmals loswerden, was sie in dieser Zeit erlebt hatten“, sagt Peter Cremer und schlägt die Geschichte von Anna Blumenthal auf, die offen über Zwangsarbeit und Vergewaltigung auf der Flucht berichtet. Auch das Schicksal der Geschwister Heinen hat Cremer bewegt. Der Familienvater wurde wegen „Feigheit vor dem Feinde“ ins Lager nach Ostfriesland zu den sogenannten Moorsoldaten versetzt. Dort erkrankte er und starb. „Da er nach dem Krieg nicht rehabilitiert wurde, bekam die Familie keine Kriegsrente, was große finanzielle Probleme mit sich brachte“, so Cremer.

Alles muss kopiert und gescannt werden

Seit das Buch veröffentlicht wurde, kommen immer wieder neue Stücke hinzu, die bei den regelmäßigen Treffen mittwochs um 18 Uhr gesichtet und säuberlich archiviert werden. Neben Büchern wie den Bänden von Georg Bachem gehören auch einige Privatarchive zu dem Fundus, aus dem die Herren schöpfen können. „Heinz Dorsel hat uns sein Zeitungsarchiv vermacht und dann haben wir durch die Arbeit an diesem Buch viele private Dokumente bekommen“, erklärt Kleinschmidt. Das alles musste kopiert oder gescannt werden.

Erich Justra, der als Fotograf der Eifelfotobände bekannt geworden ist, hat ebenfalls sein   Archiv in den Verein eingebracht. „Das ist   ein riesiger Schatz, den wir nutzen können“, sagt  Cremer, der besonders schätzt, dass sich Justra mit über 80 Jahren derart in die digitale Bildbearbeitung eingearbeitet hat. Totenzettel und stark mitgenommene Dokumente, die nur   schwer zu lesen waren, hat er so bearbeitet und digitalisiert, dass sie aussehen, als würden sie gerade erst aus der Druckerei kommen.

„Ich würde mich   freuen, wenn sich   noch jemand für die  Arbeit begeistern würde und ich mein Wissen noch weitergeben könnte“, sagt Justra und schaut sich   mit einer Lupe die Bilder im Buch an. Dabei stößt er auf den Totenzettel von Clemens Büth, der südlich von Rom gefallen war. „Ich habe wenige Tage vor seinem Tod an dieser Stelle einen Durchschuss durch die Hand erlitten und wurde damit aus dem Kriegsgeschehen gerettet. Es ist   ein komisches Gefühl, wenn man zur gleichen Zeit vielleicht nur wenige Meter voneinander entfernt im Schützengraben gelegen hat. Die Bilder werden dann sofort wieder lebendig“, sagt Justra.

Jeder der Herren hat seinen   Forschungsschwerpunkt. Karl Mebold beschäftigt sich etwa  mit alten Wegen und den geografischen Besonderheiten. Dazu gehört auch die Verbindung zwischen Vogelsang und Heimbach. „Es gab Pläne, Heimbach zu einer Musterstadt umzubauen“, erklärt Mebold: „Ich würde gerne noch tiefer nach den Verknüpfungen   forschen. Das würde sicher für ein weiteres Buch tragen.“

Die Leidenschaft für die Vergangenheit teilen die Herren leider nicht mit vielen. Zwar hat der Geschichtsverein 30 offizielle Mitglieder, jedoch gibt es kaum welche, die die Arbeit unterstützen. „Wir hatten die Hoffnung, dass die Schülerinnen, denen wir zum Thema ,Juden in Heimbach’ Material zur Verfügung gestellt haben, sich auch über die Hausarbeit hinaus für die Geschichte vor Ort erwärmen würden“, erklärt  Cremer. Aber leider kam es nicht dazu. Jüngst konnten sie auch Bildmaterial für einen Infobildschirm über Heimbach und die Burg zur Verfügung stellen. Der Touchscreen wird in Kürze in der Burg installiert. Cremer: „Von diesen Projekten könnten wir noch mehrere realisieren, wenn wir nur etwas mehr Unterstützung hätten.“