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InterviewMan braucht Idealismus und Begeisterung

3 min

Irmgard von Abercron ist die Tochter von Dr. Herbert Hermesdorf, der Leiter des Städtischen Gymnasiums Schleiden, Bürgermeister und für die CDU Landtags- und Bundestagsabgeordneter sowie Mitglied des Europäischen Parlaments war. Klaus Pesch erzählte sie, wie sie Schlossherrin von Frens wurde.

Sind Sie noch oft in Schleiden?

Ganz selten, weil meine Eltern Ursula und Herbert nicht mehr leben. Es gibt zwar noch manchmal Klassentreffen, aber ansonsten sieht man sich sehr selten.

Sie sind in Schleiden aufgewachsen?

Ja, in der Nähe vom Schloss haben wir gewohnt. Die Eltern haben das Haus aber Ende der 1970er Jahre verkauft. Und ich bin mit 18 Jahren nach Köln gegangen.

Wo haben Sie Ihren Mann kennengelernt?

Im Schleidener Gymnasium in der Obersekunda, er war in einer Parallelklasse. Wir haben uns bei einer privaten Feier, die mein späterer Mann ausgerichtet hatte, näher kennengelernt. Das war Anfang der 1970er Jahre. 1975 haben wir geheiratet.

Sie waren nun plötzlich eine Adlige. Hat sich dadurch für Sie etwas verändert?

Nichts Wesentliches. Ich habe es sehr genossen, in eine große Familie, in der ich herzlich aufgenommen wurde, zu kommen. Denn in meiner Familie waren wir nur zu dritt. Drei Jahre nach der Hochzeit zogen wir nach Frens. Damals waren wir beide noch im Studium.

Sie waren vorher auch oft in Blens?

Ja, denn meine Schwiegereltern hatten dort einen landwirtschaftlichen Betrieb, da war ich sehr gerne am Wochenende.

Wie ging es dann weiter?

In Köln habe ich meine Ausbildung begonnen und nachher in Bonn Pharmazie studiert. 1975 sind wir nach Frens gekommen, und leben nun seit fast 40 Jahren hier.

Dieses Schloss ist eine große Herausforderung...

Auf jeden Fall, jeden Tag und immer wieder. Man braucht sehr viel Idealismus und Begeisterung, um die täglichen Anforderungen zu meistern. Das hier hat eine Dimension von fünf Ein-Familien-Häusern.

Sie haben Möglichkeiten gefunden, zusätzliche Einnahmen zu generieren?

Unsere Vorburg war noch zu Zeiten des Großvaters ein Gestüt. Dann hat man sich entschlossen, dort Wohneinheiten zu bauen. Das ist gut gelungen. Es dient der finanziellen Stabilisierung des Schlosses, das Unsummen verschlingt – ob es sich nun um Heizung, Dach oder doppelten Wassergraben handelt. Wir haben drei Alleen, die auf das Haus zuführen. Die und der Park müssen gepflegt werden, was sehr viel Geld verschlingt.

Ist es lästig, sich ständig mit Sanierungsarbeiten zu befassen, oder ist das Leidenschaft?

Das ist schon Leidenschaft. Es ist schließlich ein wunderschönes Umfeld, in dem alles mit so viel Liebe gemacht wurde. Das sieht man, wenn man sich im Schloss Fenster, Holzvertäfelungen und Türen genauer anschaut.

Sie waren vor einiger Zeit in einer Kochsendung des WDR zu sehen. Gehört das zu Ihren Hobbys?

Nicht unbedingt, aber ich koche schon gerne. Mein Mann und ich segeln, fahren Ski oder jagen, wenn die Zeit bleibt. Ich kümmere mich aber wirklich gerne um das Haus.

Wie viele Räume haben Sie?

Das weiß ich jetzt gar nicht. Wir haben aber 75 Fenster. Und die können nicht immer in der Regelmäßigkeit geputzt werden, wie es in einem normalen Haus üblich wäre.