Aus Sicherheitsgründen nennen weder e-regio noch Westnetz ihre konkreten Schutzmaßnahmen gegen mögliche Sabotageakte.
Nach SabotageversuchenDie Stromnetzbetreiber im Kreis Euskirchen sehen sich gerüstet

Die Stromnetze sind durch die jüngsten Sabotageakte verstärkt ins Blickfeld gerückt.
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Anschläge auf die Energieversorgung können weitreichende Folgen haben. Jüngste Sabotageversuche auf die Energieinfrastruktur in Bergheim, Weisweiler und in Brandenburg rücken auch im Kreis Euskirchen die Frage in den Mittelpunkt: Wie gut sind Stromnetze und Anlagen in der Region gegen gezielte Angriffe geschützt? Und was passiert, wenn tatsächlich Teile der Versorgung ausfallen würden?
Der Kuchenheimer Energieversorger e-regio nimmt die Geschehnisse nach eigenen Angaben sehr ernst. „Als Betreiber kritischer Infrastruktur schützen wir unsere Anlagen und Netze, überprüfen diese kontinuierlich und stehen im Austausch mit den Behörden“, sagt Lukas Knopf aus dem Presseteam des Unternehmens.
Sabotage und Anschläge lassen sich nicht hundertprozentig ausschließen
Details dazu, wie beispielsweise Anlagen konkret gesichert werden, nennt e-regio bewusst nicht. Das Unternehmen verweist auf hohe Sicherheitsstandards und ein technisches Sicherheitsmanagement für die Energieinfrastruktur. „Auf konkrete Maßnahmen können wir aus Sicherheitsgründen nicht eingehen“, so Knopf.
Eine hundertprozentige Sicherheit könne es allerdings nicht geben. Trotz aller Vorkehrungen ließen sich Sabotage oder andere vorsätzliche Eingriffe niemals vollständig ausschließen. Einen konkreten Anlass zur Sorge für die Energieversorgung in der Region gibt es derzeit nach Angaben des Unternehmens jedoch nicht. „Aktuell liegen uns keine Hinweise über konkrete Angriffe auf unsere Infrastruktur vor“, sagt Knopf.
Neben dem Schutz der Anlagen geht es deshalb vor allem um die Frage, was passiert, wenn es tatsächlich zu einem Ausfall kommen würde. Für Netzbetreiber gehören solche Szenarien ohnehin zur täglichen Vorsorge. Stromleitungen und Anlagen können schließlich nicht nur durch Sabotageakte ausfallen, sondern beispielsweise auch durch Stürme, Unfälle oder technische Defekte.
e-regio hält einen Bereitschaftsdienst rund um die Uhr vor
Auf solche Situationen sei e-regio vorbereitet, so Knopf. Oberstes Ziel sei es, die Versorgung dann möglichst schnell wiederherzustellen. Dafür unterhält das Unternehmen einen Bereitschaftsdienst, der rund um die Uhr erreichbar ist und im Störungsfall unmittelbar tätig werden kann.
Eine wichtige Rolle spielen dabei sogenannte Redundanzen. Vereinfacht gesagt, bedeutet das: Fällt ein Teil des Netzes aus, bestehen je nach Situation alternative Möglichkeiten, Strom über andere Netzwege zu den Verbrauchern zu bringen. „Durch Redundanzen im Netz können wir Umschaltungen durchführen, um ausgefallene Netzbereiche schnell wieder zu versorgen“, erläutert Knopf.
Wie überall gibt es gegen extreme kriminelle Energie keinen hundertprozentigen Schutz.
Die e-regio ist als Netzbetreiber auf der Mittel- und Niederspannungsebene tätig. Das Unternehmen ist damit auch für entsprechende Anlagenteile von Umspannanlagen verantwortlich. Für das vorgelagerte Hochspannungsnetz in der Region ist dagegen Westnetz zuständig. Auch dort werden die jüngsten Ereignisse aufmerksam verfolgt. „Wir verurteilen die Anschlagsversuche auf die Energieinfrastruktur in Südbrandenburg und NRW aufs Schärfste“, sagt Westnetz-Pressesprecherin Julia Voß.
Da zu den Vorfällen Ermittlungen laufen, will sich das Unternehmen zu Einzelheiten nicht äußern. Auch Westnetz macht deutlich, dass Energieanlagen trotz umfangreicher Sicherungsmaßnahmen nicht gegen jeden denkbaren vorsätzlichen Angriff geschützt werden können. „Wie überall gibt es gegen extreme kriminelle Energie keinen hundertprozentigen Schutz“, sagt Voß. Grundsätzlich befänden sich die Stromversorgung und der sichere Betrieb der Stromnetze in Deutschland aber auf einem hohen Niveau. Auch Westnetz verweist dabei auf zahlreiche Redundanzen und Sicherheitskonzepte.
Auch Westnetz hat Pläne für den Notfall ausgearbeitet
Sollte es dennoch zu einem Ausfall kommen, griffen Notfallpläne. Dazu gehören nach Angaben des Unternehmens unter anderem mit den Übertragungsnetzbetreibern abgestimmte Pläne für den Wiederaufbau des Netzes. Ziel sei es, nach einer größeren Störung die Stromversorgung möglichst schnell und koordiniert wiederherzustellen.
Vorbereitet werden derartige Szenarien nicht erst dann, wenn tatsächlich etwas passiert. Westnetz verweist auf langjährige Erfahrungen mit unterschiedlichen Störungsereignissen sowie regelmäßige Übungen. Daraus seien Maßnahmen entwickelt worden, um im Ernstfall schnell reagieren zu können.
Gleichzeitig werde die aktuelle Sicherheitslage fortlaufend beobachtet. Entwicklungen würden zum Anlass genommen, die eigenen Aktivitäten bei Bedarf anzupassen. Dabei arbeite das Unternehmen eng mit staatlichen Stellen zusammen, um vorbeugende Schutzmaßnahmen abzustimmen.
Für die Stromversorgung im Kreis ergibt sich damit ein mehrstufiges System: e-regio ist für Teile der regionalen Mittel- und Niederspannungsinfrastruktur verantwortlich, Westnetz für das vorgelagerte Hochspannungsnetz. Beide Unternehmen setzen neben dem Schutz ihrer Anlagen vor allem darauf, die Folgen eines möglichen Ausfalls durch Redundanzen und Notfallpläne möglichst gering zu halten.
