Abo

Hinweis gefundenEin Metallplättchen gibt dem bei Burgfey abgestürzten Piloten einen Namen

5 min
Zwei Männer stehen and er Stelle im Wald, an der das Flugzeug damals abgestürzt ist.

Bis zum heutigen Tag noch gut zu erkennen ist die Stelle, an der die Messerschmitt 109 damals im Wald bei Gut Hombusch aufschlug.

Zwei Flieger stürzten im Dezember 1944 bei Gut Hombusch in Mechernich ab. Historiker finden einen Hinweis auf den bisher unbekannten Piloten.

Wer es nicht weiß, der würde die flache Grube im Wald unweit von Gut Hombusch bei Burgfey ignorieren. Kaum mehr als 20 Zentimeter ist sie tief und markiert doch einen kleinen Teil der Kriegsgeschichte, die sich vor mehr als 80 Jahren in diesem Waldstück abspielte. Denn dies ist mit großer Sicherheit die Stelle, an der die Messerschmitt ME-109 G14 von Feldwebel Johannes Rinke abstürzte.

Ob dies tatsächlich der Name des Piloten ist, der hier den Tod fand, ist allerdings noch nicht offiziell. Dass es überhaupt nach all der Zeit einen Hinweis auf seinen Namen gibt, ist der AG Luftkriegsgeschichte Rhein/ Mosel zu verdanken, die seit dem vergangenen Sommer in dem Wald wieder die Suche nach verwertbaren Überresten aufgenommen hat.

Heftige Luftgefechte kurz vor Weihnachten 1944

Es waren die Tage nach der Ardennenoffensive der deutschen Wehrmacht, die am 16. Dezember 1944 begann. Das Wetter war günstig gewesen für den Überraschungsangriff – niedrig hängende Wolken verhinderten den Einsatz der amerikanischen Jagdflugzeuge. Erst am 18. Dezember klarte es zunehmend auf, so dass die alliierten Streitkräfte ihre Luftüberlegenheit nutzen konnten. Um die Nachschublinien der Deutschen zu unterbrechen, entwickelten sich im Großraum Köln/Bonn und der Eifel heftige Luftgefechte.

Zwei Fotos aus einem alten Album zeigen einmal den Piloten und einmal das Flugzeug.

Johannes Rinke im Cockpit einer Reggiane RE 2500 (oben), einem Flugzeug, von dem weniger als 50 Exemplare gebaut wurden. (Privatfotos aus Album)

Ein Mann steht vor seinem Gutshaus im Wald bei Mechernich.

Dietrich Graf von Nesselrode bemühte sich um die Klärung der Schicksale der abgestürzten Piloten.

Ein Mann mit Sonnenbrille steht im T-Shirt im Wald.

Peter Kraut gelang es, den Namen des bislang unbekannten Piloten zu recherchieren.

„Es gibt zwei Tagebucheinträge von Menschen aus Kommern und Mechernich, in denen zwei Abstürze am 18. Dezember 1944 beschrieben werden“, sagt Dietrich Graf von Nesselrode. Seit er den Wald um Gut Hombusch verwaltet, treibt ihn das Schicksal der beiden Piloten um. Damals habe sein Onkel in dem Haus gelebt. „Ich gehe davon aus, dass er an der Absturzstelle gewesen ist“, so Nesselrode. Belege dafür gebe es aber nicht. Als mögliches Absturzdatum werde auch der 23. Dezember genannt, doch aufgrund der Tagebucheinträge sehe er den 18. Dezember als wahrscheinlicher an. „Ich wollte den Toten ihre Namen zurückgeben“, begründet er sein Interesse an dem Geschehnis.

Der Leichnam des Piloten wurde erst 1946 geborgen

Mit dem mittlerweile verstorbenen Luftkriegshistoriker Franz Zimmermann, der sich intensiv mit der Historie von Flugzeugabstürzen während des Zweiten Weltkriegs in der deutschen und belgischen Eifel beschäftigt hat, sei es vor Jahren gelungen, einen der im Hombusch abgestürzten Piloten als den Gefreiten Hans Rieß zu identifizieren, der am 18. Dezember 1944 in den Archiven als vermisst verzeichnet wurde.

Doch wer der andere Pilot war, der an diesem Tag den Tod fand, blieb unbekannt. Erst 1946 war dessen Leichnam geborgen und in einem Feldgrab rund 200 Meter von der Absturzstelle bestattet worden, bevor er 1953 umgebettet wurde zur Kriegsgräberstätte in Bad Münstereifel, wie Frank Güth, Vorsitzender der AG Luftkriegsgeschichte, berichtet. Doch der Name des Piloten blieb bis vor wenigen Wochen unbekannt. Dann gelang einem Team um Peter Kraut am 18. April, einen Tag vor dem 107. Geburtstag des abgestürzten Piloten, der Durchbruch.

Ein Metallplättchen zeigt die Werknummer des Flugzeugs

Es ist ein winziges Metallplättchen mit eingestanzten Zahlen, das Kraut aus einer Plastikhülle zieht. Vorsichtig, denn es ist das entscheidende Beweisstück in dem Fall. „Das ist die Werknummer des Flugzeugs, das hier abgestürzt ist“, erläutert Kraut. Wieder einmal waren die Forscher der AG Luftkriegsgeschichte auf dem Areal unterwegs, um einen Hinweis auf den unbekannten Piloten zu bekommen, als sie auf einmal das Plättchen in der Hand hielten. „Zimmermann ist es damals auch über die Werknummer des Flugzeuges gelungen, Rieß eindeutig zu identifizieren. Ich gehe davon aus, dass wir diesmal ebenfalls den entscheidenden Hinweis haben“, so Nesselrode.

Ein Mann im Wald zeigt auf das frühere Feldgrab im Wald bei Burgfey.

Frank Güth von der AG Luftfahrtgeschichte am früheren Feldgrab des Piloten vor der Umbettung.

Ein Mann mit einem Metalldetektor im Wald.

Im Boden wurden Fragmente des Flugzeugs gefunden, das beim Aufschlag möglicherweise explodiert ist.

Ein Mann hällt ein Metallplättchen, auf dem Zahlen stehen, zwischen Daumen und Zeigefinger.

Der Fund dieses unscheinbaren Metallplättchens lieferte die Lösung für den Fall des unbekannten Piloten.

Über die Werknummer gelang es Kraut, viel mehr über den bislang namenlosen Toten herauszufinden als nur den Namen. Feldwebel Johannes Rinke, genannt Hans, stammte aus dem sauerländischen Sellinghausen und wurde im Jahr 1919 geboren. Im Jahr 1937 habe er sich freiwillig gemeldet und danach in verschiedenen Verbänden gekämpft. Am 16. Dezember 1944 wurde er mit der 9. Staffel des Jagdgeschwaders 3 nach Bad Lippspringe verlegt.

Von dort aus startete er am 18. Dezember 1944 um 12.35 Uhr zu seinem letzten Einsatz. Im Bereich südwestlich von Bonn wurden er und seine Einheit von amerikanischen Flugzeugen von Typ B47 und P38 angegriffen. Danach verliert sich seine Spur. „MIA – missing in action“ vermerkt das amerikanische Kracker-Archiv, das die Schicksale deutscher Piloten aufzeichnet. Bei Rinke für den 18. Dezember 1944.

Mehr als 80 Jahre nach dem Tod hat der Pilot nun einen Namen

Sogar Nachfahren konnte Kraut ausfindig machen. „Ein Großneffe lebt noch wenige Kilometer von Sellinghausen entfernt“, sagte er. Der sei zunächst misstrauisch gewesen, als Kraut zu ihm Kontakt aufgenommen habe, doch habe ihn dann eingeladen. „Wir waren gemeinsam an der Gedenkstätte in Sellinghausen“, berichtet der Historiker. Dann habe der Nachkomme ihm alte Fotoalben aus Familienbesitz und einen Stapel von Feldpostkarten übergeben, die der Pilot von 1939 bis zum 14. Dezember 1944 an seine Familie adressierte. Darunter auch ein Bild, das Rinke am Steuer einer Reggiane RE-2005 zeigt, einer italienischen Maschine, von der im Zweiten Weltkriegs weniger als 50 Stück gebaut wurden.

„Ich vermute, dass der Pilot noch eine Notlandung versucht hat“, sagt Nesselrode an der Absturzstelle. Die Grube deute darauf hin, dass das Flugzeug in einem flachen Anflug auf die Kuppe des Hügels gewesen sei. „Das Flugzeug ist aufgeschlagen und in der Luft explodiert“, vermutet er und blickt auf die Forscher der AG Luftkriegsgeschichte, die mit ihren Metalldetektoren den Boden untersuchen.

Sie finden viele kleine Fragmente aus Aluminium, aber auch Plexiglasstücke von der Pilotenkanzel. „Da hat der Pilot kurz vor dem Absturz noch hindurchgeschaut“, sagt Güth, als er das zerkratzte Stück präsentiert. Der Pilot, der an dieser Stelle bei dem Absturz sein Leben verlor und dem nun sein Name zurückgegeben werden konnte: Johannes Rinke.