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Balkon statt klassischem SchulbauNeuer Anbau für Gesamtschule in Mechernich

Lesezeit 3 Minuten
Zwischen Dreifachturnhalle (links) und ehemaligem Hauptschulgebäude wird der neue Anbau für die Gesamtschule entstehen.

Zwischen Dreifachturnhalle (links) und ehemaligem Hauptschulgebäude wird der neue Anbau für die Gesamtschule entstehen.

Mechernich – Der Heimbacher Architekt Peter Holdenried weiß offensichtlich, dass er kräftig in die Hände spucken muss: „Ich werde in Mechernich ans Kreuz genagelt, wenn ich nicht im August 2020 fertig sein sollte“, sagte er im Mechernicher Schulausschuss. Dieser tagte kurz vor der heißen Phase des Karnevals, um der Politik die derzeitigen Planungen für einen Anbau der Gesamtschule in Mechernich zu erläutern. Dieser soll zwischen Dreifachturnhalle und dem ehemaligen Hauptschulgebäude entstehen.

Deutlich wurde, dass ein lichtes, offenes Gebäude entstehen soll, in welches viel Licht einfallen kann. David Esch vom Gebäudemanagement erläuterte: „Wir sind bei dem Entwurf von dem klassischen Schulbau-Modell – schmaler dunkler Flur, Klassen links und rechts – abgewichen. Das Gebäude soll ein heller Treffpunkt werden, in dem nichts beengt ist.“ Architekt Holdenried habe der Verwaltung einen sehr guten Vorschlag gemacht, der viel Licht und Auflockerung beinhalte.

Das Brandschutz-Konzept trägt zum Design bei

Überlegungen zum Brandschutz haben sich auf das Design der Fassade ausgewirkt. Holdenried erläuterte, dass man vom klassischen Gebäudeaufbau mit zwei Treppenhäusern an jeder Kopfseite des Gebäudes abweichen wolle.

Die Schüler könnten im Ernstfall zunächst über das Treppenhaus des neuen Gebäudes flüchten. Falls dieses verqualmt sein sollte, könnten sie aus jedem Klassenzimmer zu einem umlaufenden Balkon und von dort auf eine außenliegende Treppe gelangen. „Das spart uns ein ganzes Treppenhaus“, erläuterte Holdenried. Da gläserne Türen geplant sind, ergibt sich eine lichtdurchflutete Fassade. „Ich denke direkt ans Fensterputzen. Gibt es auch selbstreinigende Fenster?“, wurde eine praktische Frage gestellt. Da musste Holdenried passen: „Das kriege ich noch nicht hin. Die Reinigung ist bei diesem Entwurf aber wesentlich einfacher, denn die Glasflächen können vom Balkon aus gereinigt werden.“

Einige Kritikpunkte an dem Entwurf

Nathalie Konias von den Grünen hatte allerdings Sicherheitsbedenken. Zwar sei der vorgestellte Entwurf schön, aber möglicherweise gefährlich für die Schüler. Die könnten ja ungehindert auf die Galerie. Und dann fragte sie nach, wie hoch die vorgesehene Brüstung sei. „1,10 Meter“ wurde ihr geantwortet. Es handele sich dabei um eine Normhöhe. Schulleiterin Dagmar Wertenbruch machte darauf aufmerksam, dass es sich ja schon um ältere Schüler handele. Bei der Gesamtschule werde außerdem nach dem Lehrerprinzip unterrichtet. Das bedeute, dass sich in der Regel immer ein Lehrer im Klassenraum befinde. „Man muss Schülern auch mal vertrauen“, sagte sie zu den wenigen Momenten, die es vielleicht einmal ohne Aufsicht geben könnte. Alarmgesicherte Türen sollen jedenfalls nicht eingebaut werden. Die Türen müssen ohnehin im Brandfall von jedem schnell geöffnet werden können.

Mehr als vier Millionen für Neubau

Die Gesamtschule Mechernich wird sechszügig und braucht daher dringend mehr Räume. Infolgedessen wird der Anbau eines dreistöckigen Anbaus zwischen dem Hauptschulgebäude und der Dreifachturnhalle konkret.

Die derzeitigen Planungen sehen Kosten von 4,4 Millionen Euro vor. Das neue Gebäude kann nicht direkt an das Hauptschulgebäude angebaut werden, weil eine Feuerwehrzufahrt frei bleiben muss. Der Zugang zwischen den beiden Gebäuden wird mit einer Brückenlösung hergestellt. Diese soll eine Rampe beinhalten, so dass auch Behinderte die unterschiedlichen Höhenniveaus zwischen den Stockwerken bewältigen können. (pe)

Geplant sind 23 Klassenräume 

Nach den ersten Planungen sollte das Gebäude 20 Klassen- und acht Differenzierungsräume bekommen. Nun sind 23 Klassen und drei große Differenzierungsräume angedacht. In letzteren kann gesonderter Unterricht erfolgen, falls in unterschiedlichen Niveaustufen unterrichtet wird oder ein Sonderpädagoge im Rahmen der Inklusion tätig ist. Die neue Planung sieht zwei Räume weniger vor, weshalb Kämmerer Ralf Claßen nachfragte, ob man damit die Sechszügigkeit in den Eingangsklassen und die Dreizügigkeit in den höheren Klassen gewährleisten könne. Dies bestätigte Schulleiterin Wertenbruch. Der nächste Schulausschuss tagt am 26. März, danach kann ausgeschrieben werden.

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