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Als BackgroundsängerinMechernicherin Eva Becker tritt mit Sarah Engels beim ESC in Wien auf

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Das Bild zeigt die beiden Sängerinnen in einer Umkleidekabine.

Die Mechernicherin Eva Becker (r.) tritt mit Sarah Engels beim Eurovision Songcontest in Wien für Deutschland auf.

Eva Becker aus Mechernich ist im Team der deutschen Teilnehmerin Sarah Engels beim Eurovision Song Contest in Wien. Einige Proben sind schon absolviert.

Für die Mechernicher Sängerin Eva Becker geht in diesen Tagen ein außergewöhnlicher Traum in Erfüllung: Sie gehört beim Eurovision Song Contest in Wien zum Team der deutschen Sängerin Sarah Engels. Die 39-Jährige tritt zwar nicht direkt ins Rampenlicht auf der Bühne – hat aber eine sehr bedeutsame Aufgabe hinter den Kulissen.

Die Mechernicherin unterstützt Sarah Engels sowohl als Backgroundsängerin als auch als Vocal Coach. „Ich mache diesmal wirklich das Background-Backing“, sagt sie lachend. Während Sarah Engels gemeinsam mit vier professionellen Tänzerinnen auf der Bühne performt, befindet sich Becker hinter der Bühne in einer kleinen Blackbox. Dort verfolgt sie den Auftritt über einen Bildschirm und singt live die Backing Vocals ein.

Ich mache dann einfach die Augen zu und singe den Song aus dem wirklichen Background.
Eva Becker, Sängerin beim ESC in Wien

„Ich habe ein Mikrofon in der Hand, sehe die Bilder auf dem Monitor und bin dann komplett in meiner Zone“, erzählt die Mechernicherin. Wegen der minimalen Verzögerung der Liveübertragung könne sie sich dabei allerdings nicht am Bildschirm orientieren. „Ich mache dann einfach die Augen zu und singe den Song aus dem wirklichen Background.“

Eva Becker hilft Sarah Engels als Backgroundsängerin

Dass sie einmal beim Eurovision Song Contest landen würde, hätte sich Eva Becker als Jugendliche in der Eifel wohl kaum vorstellen können. Mit gerade einmal 14 Jahren gründete sie ihre erste Band „Paste up“. „Wir waren eine klassische Garagen-Punkband, die durch mich ein bisschen melancholischer und poppiger wurde“, erinnert sie sich.

Später folgte während ihrer Schulzeit am Sturmius-Gymnasium in Schleiden die Coverband „Savage“, mit der sie auf zahlreichen Dorfkirmessen auftrat. „Die Eifeler sind ein anspruchsvolles Publikum“, erzählt Becker schmunzelnd: „Aber wenn wir am Ende ,What’s Up’ oder ,Narcotic’ gespielt haben, wurde in jedem Zelt mitgegrölt.“

Kirmesauftritte waren für Eva Becker eine wichtige Schule

Die Kirmesauftritte seien eine wichtige Schule gewesen. Kurz nach dem Abitur stand für sie fest, dass Musik mehr als nur ein Hobby bleiben sollte. Sie studierte Gesang in Enschede und Arnheim mit den Schwerpunkten Jazz und Soul und finanzierte sich das Studium mit Gala- und Eventauftritten. Später gründete sie mit Kommilitonen die Band „Soul:ar“, die bis heute besteht und bald ein zweites Album veröffentlichen will.

Die Anfrage für den ESC kam für Becker überraschend – und erst vor wenigen Wochen. Der Euskirchener Sänger und Songwriter Nico Gomez, ein guter Freund von ihr, arbeitet mit Sarah Engels zusammen und schreibt Songs mit ihr. Als die Vorbereitungen für den Eurovision Song Contest begannen, wurde nach einer Sängerin gesucht, die neben den Backing Vocals auch beim gesanglichen Coaching unterstützen kann. „Das war ungefähr Mitte März erstmals Thema“, erinnert sich Becker.

Mit Vanessa Mai, Rea Garvey und Sacha stand sie schon auf der Bühne

Dass sie für eine Produktion dieser Größenordnung ausgewählt wurde, kommt nicht von ungefähr. Die Mechernicherin stand in ihrer Karriere bereits mit bekannten Künstlern wie Vanessa Mai, Rea Garvey oder auch Sasha auf der Bühne. Durch Tourneen mit bekannten Acts lernte Becker früh das professionelle Musikgeschäft kennen – inklusive Reisen im Nightliner statt schlafloser Nächte auf der Rückbank ihres Kleinwagens während des Studiums.

Seit mehreren Tagen probt die deutsche Delegation nun in Wien. Für Becker ist es die erste direkte Begegnung mit dem Eurovision Song Contest – und die hat sie nachhaltig beeindruckt. „Ich war ehrlich gesagt nie ein riesiger ESC-Fan“, gibt sie offen zu: „Ich habe das immer eher aus der Entfernung beobachtet.“ Vor Ort habe sie jedoch schnell gemerkt, welche Dimensionen der Wettbewerb tatsächlich hat. „Das ist eine Wahnsinns-Bubble, eine unglaubliche Community und irgendwie auch eine große Family.“

Das Bild zeigt die beiden Musiker Marvin und Eva Becker am Küchentisch.

Bei Mavin und Eva Becker dreht sich ziemlich viel um Musik.

Besonders die ersten gemeinsamen Proben mit den anderen Delegationen seien ein Erlebnis gewesen. Anfangs probte jedes Land in einem Zeitfenster von etwa 30 Minuten auf der Bühne in der Wiener Stadthalle. Inzwischen laufen die Generalproben so, wie es am Samstag ab 20.15 Uhr im Finale sein wird. Da werde einem die Dimension der Veranstaltung und der Produktion erst bewusst, so die Mechernicherin: „Gestern habe ich zum ersten Mal die anderen Beiträge und Delegationen richtig erlebt. Das ist ein superkrasser Vibe und total inspirierend.“

Beeindruckt zeigt sich Becker auch von den technischen Dimensionen der Veranstaltung. „Allein für die Bühne sollen 35 Kilometer Kabel verlegt worden sein“, erzählt sie. Die Halle, die aufwendige Technik und die riesige Produktion hätten sie regelrecht überwältigt: „Das ist technisch wahrscheinlich das Krasseste, was man im Musikbereich machen kann.“

Ich glaube, selbst mit viel Training hätte ich dafür noch ein weiteres Leben gebraucht.
Eva Becker

Deutschland gehört zu den gesetzten Finalteilnehmern und muss daher nicht den Umweg über das Halbfinale gehen. Das verschafft dem Team zusätzliche Sicherheit. „Jede Probe hilft natürlich, gerade bei so einer aufwendigen Show“, sagt Becker. Besonders die Tanzperformance sei enorm anspruchsvoll.

Dass sie selbst nicht mit auf der Bühne tanzt, sei daher schnell klar gewesen. „Sarah ist nicht nur eine fantastische Sängerin, sondern auch eine wahnsinnig gute Tänzerin“, sagt sie anerkennend: „Ich glaube, selbst mit viel Training hätte ich dafür noch ein weiteres Leben gebraucht.“

Noch immer singt Eva Becker leidenschaftlich gerne auf Hochzeiten

Trotz aller großen Bühnen hat Eva Becker ihre Bodenständigkeit behalten. Noch immer singt sie leidenschaftlich gern auf Hochzeiten. „Das ist so ein intimer und wundervoller Moment. Da bekomme ich oft selbst Pipi in die Augen“, erzählt sie lachend. Mit ihrem Mann Marvin, selbst Profi-Musiker, gestaltet sie regelmäßig Trauungen musikalisch. Die beiden haben zwei Kinder.

Der ESC-Einsatz bedeutet auch privat eine Herausforderung. Insgesamt zwölf Tage ist Becker von ihrer Familie getrennt – so lange wie noch nie zuvor. „Zum Glück hält mir mein Mann komplett den Rücken frei“, erzählt sie. Auch die Großeltern unterstützen sie zu Hause. „Ohne Omas und Opas wären solche Träume oft gar nicht möglich.“ Mit ihren Kindern telefoniert sie regelmäßig per Video. Nach Wien reisen werden sie allerdings nicht. „Das ist organisatorisch bei so einem Großevent einfach schwierig“, erklärt Becker.

Vor dem großen Finale steigt bei der Sängerin inzwischen auch die Nervosität. Schon während der Generalprobe habe sie Gänsehaut bekommen. „Selbst wenn man hinter der Bühne abgeschottet steht, spürt man diese Energie total.“ Dass weltweit Millionen Menschen zuschauen werden, versuche sie möglichst auszublenden. „Überhaupt kein Druck“, sagt sie mit einem Lachen.

Fest steht für Eva schon jetzt: Die Teilnahme am ESC wird für sie ein unvergessliches Erlebnis bleiben. „Es ist ein unglaublich buntes, abwechslungsreiches Programm mit ganz unterschiedlichen Musikrichtungen“, sagt sie.