Schmidtheim – Die Gemeinde Dahlem verfügt über eine historische Rarität, von der aber kaum jemand weiß. Es handelt sich um die Motte Zehnbachhaus in unmittelbarer Nähe der Einmündung des Zahnbachs in die Urft. Bei einer Motte handelt es sich um einen meist in Holzbauweise errichteten Burgtyp auf einem künstlichen Hügel. Das Wort Motte stammt aus dem Französischen. Die ersten Motten entstanden im 10. Jahrhundert in Frankreich. Der französische Archäologe Arcisse de Caumont begann in den 1830er Jahren damit, diesen Burgtyp zu erforschen. Er nannte ihn „château à motte“. Das bedeutet: Burg auf dem Hügel.
Die gut erhaltene Motte im Wald von Emmanuel Graf Beissel von Gymnich ist eine Rarität. Ähnliche Anlagen gibt es sonst in der Region nur bei Billig und Stotzheim, wie Prof. Dr. Wolfgang Schumacher, der Vizepräsident der NRW-Stiftung, zu berichten wusste. Eine weitere Besonderheit: die Schmidtheimer Motte ist komplett von Wasser umgeben.
Von einem drei Meter tiefen Graben umgeben
Der künstlich aufgeschüttete Burghügel ist 2,50 Meter hoch, hat einen Durchmesser von 28 Metern und ist von einem drei Meter tiefen Sohlgraben umgeben. Man unterscheidet verschiedene Grabenarten zum Schutz der Burg. Sohlgraben haben ein U-förmiges Profil mit einer flachen oder abgerundeten Sohle. Die Motte „Zehnbachhaus“ war vermutlich im 12. Jahrhundert oder früher bewohnt.
In den vergangenen Jahren hat der Schmidtheimer Eifelverein mit Hilfe der NRW-Stiftung und mit Unterstützung von Eigentümer Graf Beissel und der Gemeinde Dahlem einen Zugang über eine Brücke geschaffen, den Graben wiederhergestellt, eine Sitzgruppe gebaut und eine Informationstafel aufgestellt, auf der die Bedeutung des Bodendenkmals erklärt wird.
Gestern wurde das Projekt präsentiert. Josef Müller, Geschäftsführer und Medienwart der Ortsgruppe Schmidtheim, erklärte, Graf Beissel habe sich bereiterklärt, die Anlage für 25 Jahre der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. „Im Jahr 2007 wurde auf Anraten des Landschaftsverbands Rheinland (LVR) darüber nachgedacht, die Niederungsmotte, die sich in einem sehr schlechten Zustand befand, instand zu setzen“, sagte Müller. Bürgermeister Reinhold Müller habe sich für die Instandsetzung eingesetzt, um die Motte als Kulturdenkmal zu erhalten. Die Eifelvereins-Ortsgruppe Schmidtheim erklärte sich bereit, für 25 Jahre die Patenschaft zu übernehmen. Ende 2007 wurde bei der NRW-Stiftung ein Antrag auf Fördermittel eingereicht. Die Genehmigung der knapp 18 000 Euro traf Mitte 2008 ein. Der Eifelverein musste aber zusichern, dass er einen Teil als Eigenleistung erbringen werde.
Von Juni bis Oktober 2008 wurde der von Sträuchern, alten Bäumen und herunterhängenden Ästen zugewachsene Graben freigeschnitten und von Müll befreit. Der Platz vor dem Graben wurde von Brennnesseln, hohem Gras und Wildwuchs befreit. 2009, so erzählte Josef Müller, wurden der Graben und die Zu- und Abläufe wiederhergestellt. Die Mitglieder des Eifelvereins bauten die massive Holzbrücke zum Betreten der Motte. Die Arbeiten wurden Anfang 2010 beendet. 2011 wurde die Sitzgruppe gebaut. In diesem Jahr wurde das Hinweisschild aufgestellt. Die Eifelvereins-Mitglieder halten den Platz und den Graben in Ordnung. Ein Mitglied ist mehrmals im Jahr mit Mähen und Mulchen beschäftigt.
Hildegard Krumpen, die Vorsitzende der Ortsgruppe, hatte gestern zur Vorstellung des Projekts eingeladen. Bürgermeister Reinhold Müller betonte, dass der Quellenpfad, der sich durch die Gemeinden Dahlem, Blankenheim und Nettersheim zieht, und mehrere örtliche Wanderwege an der Motte vorbeiführen, die direkt an der Urft und der Bahnstrecke Köln-Trier zu finden ist. Müller hofft, dass der Eifelverein im nächsten Jahr ein „Mottenfest“ feiert.
Professor Schumacher ist Mitte der 70er Jahre alle Bäche des Eifellands abgegangen. Damals habe er aber noch nicht gewusst, dass es sich bei dem von Weißtannen bewachsenen Platz um eine Burganlage handele. Graf Beissel dankte für die tolle Zusammenarbeit. Er als Eigentümer fühle sich verpflichtet, die Erinnerung an die Vergangenheit wachzuhalten. Graf Beisel hat auch die dortigen Bunker wieder begehbar gemacht.
