Mit moderner Technologie fertigen die NEW jetzt neben klassischen Handwerksprodukten auch spezielle Karnevalsorden, Schilder und Geschenkartikel.
NordeifelwerkstättenLasertechnik eröffnet Zingsheimer Einrichtung neue Produktionsfelder

Die NEW-Mitarbeitenden werden bei der Arbeit mit der modernen Technologie betreut.
Copyright: Tom Steinicke
Mithilfe von Hightech-Werkzeug, Software und in Verbindung mit sozialem Engagement entstehen in den Nordeifelwerkstätten (NEW) in Zingsheim nicht nur klassische Handwerksprodukte, sondern auch fein gravierte Karnevalsorden, Schilder und personalisierte Geschenkartikel. Durch den Einsatz moderner CO₂-Lasertechnik hat sich die Einrichtung in den vergangenen Jahren ein neues, wachsendes Standbein geschaffen – und zugleich neue Beschäftigungsmöglichkeiten für Menschen mit Behinderung eröffnet.
Angefangen hat alles ganz traditionell: Die Schreinerei der NEW fertigte früher Holzorden für den Karneval, die anschließend bedruckt und bemalt wurden. „Vor rund drei Jahren haben wir den CO₂-Laser angeschafft – und damit ganz neue Möglichkeiten geschaffen“, sagt Einrichtungsleiter Christian Merks: „Die Nachfrage wächst stetig. Dieses Jahr werden wir wahrscheinlich mehr als 650 Karnevalsorden herstellen.“
Der Kreis Euskirchen bezieht seine Orden schon seit Jahren von den NEW
Besonders treu sei dabei der Kreis Euskirchen, der seine Orden schon seit vielen Jahren von den NEW bezieht. „Mit der Lasertechnik konnten wir das Angebot deutlich erweitern“, so Merks: „Jetzt können die Karnevalsgesellschaften ihr eigenes Design entwickeln – Form, Schrift, Motiv, alles ist möglich.“
Der Laser schneidet weit mehr als nur Karnevalsorden. Die Werkstatt fertigt Gravuren und Zuschnitte aus Holz, Leder, Acryl und sogar behandeltem Metall. „Wir machen personalisierte Schneidebretter, Trinkflaschen, Weihnachtsdekoration, Geburtstagsgeschenke oder Schilder – eigentlich alles, was sich schneiden oder gravieren lässt“, erklärt Merks.

Betriebsleiter Christian Merks legt die Orden in die Vorlage, damit die Rückseite gelasert werden kann.
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Ein besonderer Clou: Viele Produkte entstehen in enger Zusammenarbeit mit Kundinnen und Kunden. „Wir setzen auf individuelle Aufträge – ob von Vereinen, Firmen oder Privatleuten“, sagt der Einrichtungsleiter: „Das macht unsere Arbeit abwechslungsreich und zeigt, was in unseren Leuten steckt.“
Der CO₂-Laser ist mehr als nur ein Werkzeug – er ist auch ein pädagogisches Instrument. Menschen mit Behinderung können hier schrittweise an unterschiedliche Tätigkeiten herangeführt werden: vom einfachen Starten der Maschine bis hin zur Arbeit am Computer, wo die Designs programmiert werden. „Das kann sehr niedrigschwellig beginnen“, erklärt Merks: „Manche holen nur die fertigen Stücke heraus, andere übernehmen schon selbstständig die PC-Arbeiten.“
Die Nachfrage wächst stetig. Dieses Jahr werden wir wahrscheinlich mehr als 650 Karnevalsorden herstellen.
Das Ziel bleibt das gleiche: Arbeit als Teilhabe und Qualifizierung. „Wir wollen möglichst vielfältige Arbeitsangebote schaffen, um die Menschen individuell zu fördern“, sagt der Werkstattleiter. „Und vielleicht gelingt so auch der Schritt auf den ersten Arbeitsmarkt.“ Mit rund 330 Menschen mit Behinderung und gut 100 hauptamtlichen Mitarbeitenden ist Zingsheim der größte NEW-Standort. Neben der Schreinerei gehören Verpackung und Montage, Gartenbau, Küche und eine eigene Fahrradwerkstatt dazu.
„In den Hallen aus 1970er-Jahren pulsiert das Leben“, sagt Merks: „Viele im Kreis kennen uns nur vom Weihnachtsbaumverkauf in Kuchenheim oder durch den Namen NEW – aber kaum jemand weiß, was wir alles machen.“

Eines der vielen NEW-Produkte.
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Auf die Feinarbeit kommt es an.
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Der Orden für die Kreis-Tollitäten.
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Der CO₂-Laser steht sinnbildlich für den Wandel der Werkstätten: Hightech und Handwerk gehen Hand in Hand. So entstehen etwa filigrane Bausätze, Werbegeschenke oder gravierte Logos für Firmenkunden. „Einer unserer ersten Aufträge war für den Deutschen Dachdeckerverband“, erinnert sich Merks: „Da konnten Azubis auf Messen kleine Holzhäuser mit Solardach und Gründach zusammenbauen – das war ein echter Hingucker.“
Auch Kooperationen mit regionalen Unternehmen sind ein wichtiger Baustein. Die Zusammenarbeit mit dem Miele-Werk Euskirchen etwa zeigt, wie sehr die NEW in lokale Wertschöpfungsketten eingebunden ist.
Der Weg in den ersten Arbeitsmarkt ist für viele noch schwierig
Trotz aller Erfolge ist der Weg in den ersten Arbeitsmarkt für viele Beschäftigte nach wie vor schwierig. „Es ist ein langer Prozess“, sagt der Betriebsleiter: „Unsere Gesellschaft ist noch nicht so weit, Menschen mit Behinderung selbstverständlich zu integrieren.“
Die NEW versucht, beidseitig Brücken zu bauen – indem sie einerseits ihre Beschäftigten qualifiziert und andererseits Unternehmen ermutigt, Berührungsängste abzubauen. „Wir haben viele, die fachlich fit wären“, betont Merks: „Aber es braucht Geduld, Offenheit und manchmal auch Mut.“

Der Laser fliegt förmlich über die Orden.
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Dass der Laser nach Zingsheim kam, war einer Eingebung geschuldet. „Ich habe eine Werkstatt in Albstadt besucht und gesehen, wie dort Menschen mit Behinderung völlig eigenständig mit dem Laser gearbeitet haben“, erzählt Merks: „Da war für mich klar: Das will ich auch bei uns umsetzen.“
Heute arbeiten die NEW längst mit ganz unterschiedlichen Kundengruppen – vom Dachdeckerverband über kleine Karnevalsgesellschaften bis hin zu Privatkunden. Und der Laser ist fast durchgehend im Einsatz. „Noch nicht ganz rund um die Uhr“, schmunzelt Merks, „aber wir arbeiten dran.“
Die NEW sind auch an anderen Orten im Kreis präsent – etwa mit der Kantine im Kreishaus, wo Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam arbeiten. Für Merks ist das gelebte Inklusion: „Wenn unsere Produkte oder Dienstleistungen sichtbar werden, dann baut das auch Barrieren ab.“ Sein Wunsch für die Zukunft: „Dass die Leute nicht nur sagen, dass sie die NEW kennen, sondern wissen, was wir alles können.“


