Die Gemeinde Nettersheim hält am Nutzungskonzept für die ehemalige Schule in Tondorf fest. Im Erdgeschoss gibt es Angebote für die Dorfgemeinschaft.
„Haus Nikolaus“Noch sind keine geflüchteten Familien in Tondorf eingezogen

Wohnungen in den Obergeschossen, Platz für Vereins- und Dorfaktivitäten im Erdgeschoss: Das ehemalige Tondorfer Schulgebäude wurde später als Landschulheim „Haus Nikolaus“ genutzt.
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Die Szene dürfte wie ein Happy-End für alle gewirkt haben, die sich noch an die chaotische Bürgerversammlung vor rund zwei Jahren erinnerten: Damals hatten Planungen der Nettersheimer Gemeindeverwaltung über die Zukunft des Haus Nikolaus die Anwohner auf die Barrikaden gebracht. Nun versammelten sich am Dienstagabend rund 40 Tondorfer in einem der ehemaligen Klassenräume im Erdgeschoss der früheren Dorfschule und planten die Verwendung des Hauses als Dorfgemeinschaftshaus. Daran wäre im Dezember 2023 nicht zu denken gewesen.
Denn im Zuge der Flüchtlingskrise war Wohnraum für Neuankömmlinge damals Mangelware. In dem ehemaligen Schulgebäude, das jahrelang als Schullandheim genutzt worden war, hätte man Migranten einquartieren können. Doch eine ganze Reihe von Tondorfern sah das damals anders: Zum einen gab es bereits drei Einrichtungen für Geflüchtete im Dorf, und zum anderen befindet sich das Haus Nikolaus in direkter Nachbarschaft zum Tondorfer Kindergarten, was die Ängste von Eltern und Anwohnern schürte.
Ich habe bei der Bezirksregierung in Arnsberg angerufen und die Auskunft erhalten, dass es im Augenblick so gut wie keine Familien gibt, die untergebracht werden müssen.
Zwar hatte der Gemeinderat kurz vorher das Konzept von Bürgermeister und Verwaltung für die weitere Verwendung des Haus Nikolaus abgesegnet, die in eine andere Richtung lief, doch das überzeugte kurz vor Weihnachten 2023 noch niemanden.
Konzept der Gemeinde umgesetzt – jedoch mit einem Schönheitsfehler
Bei der damaligen Versammlung hatte Bürgermeister Norbert Crump einen schweren Stand: Über Wochen war das Thema in den Sozialen Medien hochgekocht worden und die Stimmung war entsprechend aufgeheizt. Doch im Rückblick auf diese Versammlung muss auch deutlich festgestellt werden, dass das Konzept, das der Bürgermeister damals vorstellte, tatsächlich auch heute noch Bestand hat.

Über die aktuelle Situation informierte Bürgermeister Norbert Crump (l.).
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Denn die Planung sah vor, in den Obergeschossen des Hauses Räume für geflüchtete Familien einzurichten und das Erdgeschoss der Dorfgemeinschaft zur Verfügung zu stellen. Bei der Umsetzung dieses Konzepts kam es jedoch zu einem kleinen Schönheitsfehler: Die vier Wohnungen stehen immer noch leer.
Das liege allerdings nicht an der Nachlässigkeit der Gemeindeverwaltung, betonte Rainer Breinig, der in der Gemeinde für die Betreuung der Geflüchteten zuständig ist. „Ich habe bei der zuständigen Bezirksregierung in Arnsberg angerufen und die Auskunft erhalten, dass es im Augenblick so gut wie keine Familien gibt, die untergebracht werden müssen“, so Breinig.
Auch im Tausch konnte die Gemeinde keine Familien für Tondorf finden
Rund 98 Prozent der Asylbewerber in Deutschland seien alleinreisende Männer. Familien, die der Gemeinde bekannt seien, hätten auf dem freien Markt eine Wohnung gefunden. Er habe bereits auf einer interkommunalen Konferenz den anderen Kommunen das Angebot gemacht, Familien im Tausch für alleinreisende Flüchtlinge zu übernehmen. Dabei habe sich die Zahl der Geflüchteten, die nach Nettersheim kommen sollten, seit Dezember 2025 sogar noch erhöht. Der Anteil der Gemeinde sei von 195 auf 221 Personen erhöht worden.
Doch dafür halte die Gemeinde derzeit genügend Platz vor, informierte Bürgermeister Crump. Aktuell gebe es noch 60 bis 70 freie Plätze, da Objekte angekauft werden konnten. Spitzen könnten im Zweifel über ein Containerdorf abgefangen werden. Das Konzept für das Haus Nikolaus, dort nur Familien mit Kindern unterzubringen, bleibe bestehen, ergänzte Breinig.
Um den Wohntrakt im Haus Nikolaus von den Räumen für die Dorfgemeinschaft zu trennen, wurde inzwischen der zweite Eingang wieder geöffnet, der früher existierte, als das Haus noch eine Schule war. Damals war der Zugang zu der Lehrerwohnung in den Obergeschossen über eine eigene Tür erreichbar.
In den beiden Obergeschossen sind vier Wohneinheiten entstanden
Mehrere Räume sind bei dem Umbau in den vergangenen Monaten miteinander verbunden worden. Eine luxuriöse Hotelsuite ist dabei jedoch nicht entstanden, das macht schon der Teppichboden deutlich, der viele Jahrzehnte Benutzung hinter sich hat. „Den Fußboden kann sich dann jeder Bewohner so machen, wie er will“, sagte Crump dazu.
Immerhin gibt es in den drei miteinander verbundenen Räumen genug Platz für Erwachsene und Kinder. Vier Wohneinheiten bieten die beiden Obergeschosse im Haus Nikolaus.
Bestimmt genauso sehr interessierte aber die Tondorfer, die zur Info-Versammlung gekommen waren, wie sich dessen Verwendung als Dorfgemeinschaftshaus darstellen könnte. Denn neben dem Dorfsaal und dem Pfarr- und Jugendheim bildet es nun eine dritte Möglichkeit, wo die Tondorfer sich treffen können.
Für private Feiern sei es bislang schwierig gewesen, so Ortsvorsteher Simon Jung. Denn das Pfarrheim sei für größere Gesellschaften zu klein, im Dorfsaal würden sich Gruppen unter 100 Gästen wegen der Größe des Raumes jedoch verlieren. „Da ist das Haus Nikolaus eine gute Ergänzung für mittelgroße Gesellschaften“, sagte er. Außerdem biete es, so Crump, den Vorteil einer Küche, die genutzt werden könne. Spontan zeigte sich Interesse aus der Tondorfer Vereinslandschaft, die Räume im Haus Nikolaus für Vorstandssitzungen oder Jahreshauptversammlungen zu nutzen.
Im Erdgeschoss sind bereits erste Angebote für die Bürger entstanden
Mehrere Gruppen seien bereits im Haus Nikolaus aktiv, informierte Verwaltungsmitarbeiterin Brigitte Wies. So veranstalte das Familienzentrum regelmäßig ein Seniorenfrühstück. Außerdem gebe es Gesundheitstanzen und eine Männersportgruppe, die sich dort träfen. „Es wurde auch Interesse für Pilates oder Yoga angemeldet“, so Wies weiter. Auch die benachbarte Kita meldete Bedarf an. Sie könnte dort Elterngespräche durchführen oder Arbeitsgruppen dorthin auslagern.
Diskutiert wurden auch die Entgelte für private Nutzungen oder öffentliche Veranstaltungen. Diese sollten sich in der Höhe von rund 200 Euro bewegen, schlug Crump vor. Vereine oder Ehrenamtler sollten die Räume dagegen kostenlos nutzen können. Sarah Krapohl regte an, einen Rabatt für Tondorfer vorzusehen. Auch, so wurde in der Versammlung deutlich, sollte der Parkplatz am Haus Nikolaus genutzt werden können, um zum Beispiel bei Großveranstaltungen im Dorfsaal die Parksituation zu entschärfen.
Fest eingeplant ist es, das Haus Nikolaus barrierefrei zu machen. Denn an diesem Abend musste der Zugang für einen Rollstuhlfahrer noch per Traktor realisiert werden, der den fehlenden Treppenlift ersetzte. Der solle aber noch eingebaut werden, kündigte Crump an, denn eine Rampe müsse angesichts der Höhe der Eingangstreppe rund 18 Meter lang sein.

