Abo

Sperrung der B51Marmagen steht zeitweise vor einem (Umleitungs-)Verkehrskollaps

5 min
Ein Hindernis, einer, der daran vorbei will und schon staut sich der Verkehr in Marmagen.

Bei Begegnungsverkehr, vor allem bei großen Lastwagen, wird an den Engstellen im Ort oft auf die Bürgersteige ausgewichen.

Zur Umfahrung der B51-Baustelle bei Blankenheim weisen die Navis den Fahrern einen kürzeren Weg, der erhebliche Konsequenzen für Marmagen hat.

Wenn in Marmagen das Gespräch auf das Thema „Verkehr“ kommt, verfinstern sich derzeit die Mienen. Denn seit der Landesbetrieb Straßen NRW vor drei Wochen bei Blankenheim den Verkehr auf der B51 in Richtung A1 gesperrt hat, wälzen sich Kolonnen von Autos, Lastwagen, Wohnmobilen und Motorrädern bevorzugt durch die enge Ortsdurchfahrt Marmagens.

Der Schuldige ist allseits ausgemacht: Es sind die Navigationssysteme der Fahrzeuge. Denn wer aus Richtung Trier kommend über die B51 nach Köln fahren will und sich dabei nach seinem Navi richtet, wird keineswegs über die vom Landesbetrieb ausgeschilderte Umleitung über die B258 bis Ahrhütte und dann auf der L115 bis zur Autobahn A1 geleitet, sondern von Blankenheimerdorf über die L204/L205 zur Anschlussstelle Zingsheim. Und damit zwangsläufig durch Marmagen. Diese Strecke ist 15 Kilometer kürzer und rechnerisch um zehn Minuten schneller zu bewältigen. Grund genug für die digitalen Wegweiser, diese Variante zu empfehlen.

Zwei Engstellen sorgen immer wieder für brenzlige Situationen in Marmagen

Ein erhöhtes Verkehrsaufkommen sind die Marmagener gewohnt, denn auch bei Unfällen auf der B51 ist der Weg durch die Gemeinde Nettersheim für viele die bevorzugte Ausweichstrecke. Doch die jetzige Situation empfinden die Dorfbewohner als Belastung. Nicht nur, dass die Verkehrsmenge drastisch gestiegen ist – die zwei Engstellen im Ort sorgen immer wieder für haarige Situationen und provozieren bei Begegnungsverkehr Staus, die an Gordische Knoten erinnern. Dabei handelt es sich um die Fahrbahnverengung an der Grundschule und die schmale Fahrspur an der Kirche, die sich als echte Flaschenhälse erweisen.

„Katastrophal“, sagt ein Mann aus Golbach, der mit seiner Frau in Marmagen zu Besuch ist. Gerade noch habe er einem Mann geholfen, aus einer Parklücke zu kommen, indem er den Verkehr gestoppt habe. „Da hält keiner“, moniert er.

Michael Bröders ist von hinten zu sehen. Er zeigt auf abgefahrene Kanten zwischen der Straße und seinem Grundstück in Marmagen.

Die Kanten am Grundstück von Michael Bröders werden abgefahren.

Zahlreiche Lastwagen und Autos versuchen, die Engstelle an der Grundschule in Marmagen zu passieren.

Wenn sich die Verkehrsteilnehmer an den Verengungen vor der Marmagener Grundschule nicht einig sind, geht’s oft nicht mehr vor und zurück.

„Wenn sich zwei Lkw begegnen, dann ist alles dicht“, kritisiert eine Marmagenerin. Sie arbeitet im Ortskern und hat die Situation im Blick. Aktuell sei es mit den Parkmöglichkeiten besonders schwierig. „In Marmagen ist das mit dem Parken sowieso schlecht“, erklärt sie. Schließlich seien da mehrere Geschäfte und Arztpraxen, zu denen die Menschen wollten, aber es gebe ohnehin zu wenig Parkplätze.

Zur Zeit kämen die Verkehrsteilnehmer auch noch kaum aus den Parkbuchten wieder heraus, da es kaum Lücken im Verkehr gebe. Aber die Leute würden alle von den Navis durch Marmagen geleitet. „Für uns Dorfbewohner ist das schlecht“, bemängelt sie. Katastrophal sei die Situation teilweise an der Grundschule.

Für die Menschen in Marmagen ist Google Maps der Schuldige

Dort gibt es auf beiden Straßenseiten in kurzem Abstand jeweils eine Verengung, die die Verkehrsteilnehmer zwingen soll, das vor der Schule herrschende Tempolimit von 30 km/h einzuhalten. Vor allem zu den Stoßzeiten herrscht dort immer wieder Stillstand. Wenn die Verkehrsteilnehmer nicht frühzeitig reagieren, verstricken die sich begegnenden Verkehrsströme im Zwischenraum zwischen den Verengungen.

Eigentlich hieße die Lösung, aufeinander Rücksicht zu nehmen, doch damit hapert es oft. Dann drängen sich die einen noch schnell durch die Engstelle, und die anderen müssen bremsen und stehen bleiben, ausweichen oder sogar zurücksetzen, wenn zum Beispiel ein Lkw sich unbedingt durchsetzen will.

Michael Bröders beobachtet das Geschehen seit Wochen, denn er wohnt genau an einer der beiden Engstellen. Er macht seinem Ärger Luft. „Am Samstag hat es hier schon gekracht“, berichtet er. Da sei dann überhaupt nichts mehr gegangen. Das ganze Problem sei doch nur wegen Google Maps entstanden, das den gesamten Verkehr durch Marmagen schicke. „Wir haben nur Angst, was passiert, wenn hier ein Gaslaster einen Unfall hat“, sagt er, während die Lkw an ihm vorbeirauschen. „Das geht den ganzen Tag so“, berichtet er.

Landesbetrieb: Keiner wird zur Umleitungsstrecke gezwungen

An die Geschwindigkeitsbegrenzung von 30 Stundenkilometer halte sich niemand, sagt er. „Aber da wird nichts kontrolliert“, sagt er. Die Straße sei diesen Verkehrsmassen doch gar nicht gewachsen. „Wenn die B51 wieder offen ist, ist die Straße kaputt“, moniert er. Und zeigt, was er meint: Als sich wieder ein Auto durch die Engstelle drängt, weicht der Gegenverkehr automatisch über den Randstein und den Bürgersteig aus. Bröders zeigt auf die abgesplitterten Randsteine vor seiner Ausfahrt. „Die waren alle vor einem Monat noch in Ordnung. Wer repariert das?“, fragt er. Er sorge sich, wie die Situation sein werde, wenn die Schule wieder anfange.

Die andere Seite der Medaille sieht Anita Milz von der Bäckerei Milz im Marmagener Ortskern. „Es ist eine Notwendigkeit, die Straße zu sanieren“, sagt sie. Die Straßen müssten in Ordnung gehalten werden. Sie wolle auch nicht durch Schlaglöcher fahren. „Damit müssen wir fertig werden“, sagt sie. Doch gut sei es nicht für den Betrieb. Aber schließlich sei die Sperrung der B51 nur auf Zeit.

Viel schlimmer finde sie aber die Raser, die viel zu schnell durch die Engstellen führen. „Gut wäre es, wenn auch hier eine 30er-Zone eingerichtet worden wäre, die auch kontrolliert würde“, betont sie.

Torsten Gaber, Pressesprecher des Landesbetriebs Straßen NRW, sind solche Beschwerden auch von anderen Streckensperrungen bekannt. „Wir haben eine Umleitung ausgewiesen, aber es steht den Verkehrsteilnehmern frei, eine andere Strecke zu nehmen“, sagt er.

Der Landesbetrieb könne niemandem vorschreiben, wo er langfahren solle. „Die Leute folgen den Navis und nicht unseren Umleitungen“, bestätigt er. Die Straße durch Marmagen sei als Landesstraße ausgewiesen und damit auch für derartige Verkehrsmengen ausgelegt. „Es ist eine öffentliche Straße. Und es ist nicht verboten, eine öffentliche Straße zu benutzen“, betont er.

Doch ein Trostpflaster hat er: „Die Bauarbeiten liegen im Zeitplan“, teilt er mit. Die erste Hälfte der Bauarbeiten sei jetzt beendet worden. Nun werde der Verkehr in Richtung Dahlem über die fertiggestellte Seite geleitet. So könnten, wie geplant, die Bauarbeiten bis zum Ende der Ferien abgeschlossen werden.