Abo

Ortstermin in Bad MünstereifelWie der Hochwasserschutz konkret aussehen könnte

3 min

Im September 2007 kamen die Hilfskräfte nur mit Hilfe von Traktoren durch die Wassermassen in den Gilsdorfer Straßen. ()

Bad Münstereifel – Die starken Regenfälle Ende Juli haben in Bad Münstereifel und Umgebung zu Hochwasser geführt. Besonders betroffen waren Arloff-Kirspenich, das Bad Münstereifeler Schleidtal und Gilsdorf. Wenig später forderten die Politiker Verbesserungen im Hochwasserschutz. Nun rückten die Mitglieder des Bau- und Feuerwehrausschusses gemeinsam mit Vertretern des Erftverbands, der Unteren Wasserbehörde und der Stadt Bad Münstereifel zur Ortsbesichtigung aus. „Es ging vor allem um die Ursachenforschung“, so der stellvertretende Ausschussvorsitzende Martin Mehrens (CDU). Ausschusschef Günter Kirchner (FDP) erklärte: „Wir haben einige Maßnahmen angesprochen, detailliert geschieht das in der Ausschusssitzung.“ Die steht heute ab 18 Uhr im Roten Rathaus auf dem Programm.

Die Stadtverwaltung hatte im Vorfeld mit dem Erftverband und der Unteren Wasserbehörde überlegt, welche Maßnahmen gegen weitere Überschwemmungen helfen könnten. Ein Konzept wird derzeit erarbeitet.

Ein extremes Hochwasser mussten die Bewohner des Bad Münstereifeler Stadtgebietes im September 2007 verkraften. Auch damals war Gilsdorf besonders stark betroffen. Dort gab es in fast jedem Haus Wasserschäden. 20 Einwohner wurden evakuiert und vom Roten Kreuz in der Heinz-Gerlach-Halle untergebracht. Die Ortsdurchfahrt stand rund einen halben Meter unter Wasser.

Es wurden Traktoren eingesetzt, um die Menschen aus ihren Häusern zu holen. Der Hof der Nöthener Mühle stand zeitweise zwei Meter unter Wasser. Etliche Gegenstände waren damals vom Eschweiler Bach bis nach Bad Münstereifel mitgerissen worden.

Der Erftverband hat mit baulichen Veränderungen rund um die Nöthener Mühle inzwischen Maßnahmen zum Hochwasserschutz eingeleitet. „Der Eigentümer hat uns bestätigt, dass diese Maßnahmen beim letzten Hochwasser im Juli geholfen haben“, erklärte Karl-Heinz Beier vom Erftverband. (mjo)

In Gilsdorf erklärte Karl-Heinz Beier vom Erftverband, welche Veränderungen an der Brücke, die den Eschweiler Bach an der Pescher Straße überquert, dienlich sein könnten. Im Gespräch ist, die Stärke der Brückendecke so zu reduzieren, dass sich die Durchflusshöhe um rund 50 Zentimeter vergrößert. Dies soll verhindern, dass sich der Bach durch Treibgut aufstaut und über die Ufer tritt. „Mit den technischen Möglichkeiten heute geht das“, so Beier, aber: „Die Verhältnisse in Gilsdorf kann man verbessern, das Problem aber nicht beseitigen.“

Denn der Ort liege wie in einer Wanne. Der ursprüngliche Bachlauf sei einst verlegt worden. Bei Hochwasser suche sich das Wasser allerdings wieder sein altes Bett. Wichtig sei es daher, dass die Straßen in Gilsdorf mit Abflussmöglichkeiten ausgestattet würden.

Im Schleidtal erklärten die Experten, dass das Wasser des Schleidbachs an Brücken nicht durch Treibgut gestaut werden dürfe. „Dort sollen bestimmte Sammelpunkte eingerichtet werden, an denen das Treibgut herausgeholt werden kann“, berichtete Mehrens.

In Arloff-Kirspenich besichtigte die Delegation die Brücke am Holzbach nahe der Burg Kirspenich und die Erftbrücke an der Bachstraße. „Die Fachleute haben uns klar gemacht, dass es beim Juli-Hochwasser nicht an der Erft lag, sondern am Oberflächenwasser, das aus den Wäldern heruntergeflossen ist“, berichtete Mehrens. Eine mögliche Maßnahme, die vor Ort angesprochen wurde, ist eine Klappe in der Erftmauer, durch die das Wasser im Bedarfsfall von den Straßen in die Erft geleitet werden kann.

„Wir könnten uns auch ein Oberflächensammelbecken wie am Hammerwerk im Arloffer Wald vorstellen“, so Mehrens: „Die Fachleute müssen sich damit beschäftigen, ob das geht.“ Seiner Meinung nach müssten auch die Flutgräben auf Vordermann gebracht werden. Mit dem Einrichten dezentraler Sandsackdepots sei bereits begonnen worden.

Die Politiker machen sich dafür stark, gemeinsam mit der Feuerwehr einen Maßnahmenkatalog für Hochwasser-Einsätze zu erstellen. So soll etwa jede Löschgruppe bereits im Vorfeld wissen, welche Einsatzstelle sie bei Hochwasser ansteuert.