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Riesengroßes RadlerherzBernd Marzi hat Kettenöl im Blut

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Baskenmütze, rote Latzhose und ein freundlicher Blick über die silberne Brille hinweg: Bernd Marzi in seiner Werkstatt.

Engelgau – Zu der schwarzen Baskenmütze gibt es eine Geschichte. Später. Zuerst fallen noch die rote Latz-Hose, der geschwungene Schnäuzer mit Kinnbärtchen und der freundliche Blick über die vorne auf der Nase sitzende Brille hinweg auf. Dem Mann kann man sein Rad anvertrauen. Und das tun viele – das ganze Jahr über in der Engelgauer Werkstatt oder einmal im Jahr – so auch am morgigen Sonntag – bei der „Tour de Ahrtal“.

Alljährlich steht Bernd Marzi in Ahrdorf mit seinem roten Kastenwagen voller Schläuche, Ersatzteile und Werkzeug und hilft den Radlern der Tour, wenn der Drahtesel mal störrig ist. Der Engelgauer bekommt vor Ort alles wieder hin – und das, ohne dafür Geld zu nehmen. Er hat einfach Kettenöl im Blut und ein riesengroßes Radlerherz.

„Es ist eine schöne Sache, diese Tour“, sagt Marzi. Da würden Leute Spaß am Radfahren entwickeln. Außerdem sei das super für den Zusammenhalt in der Familie. „Da muss man das Tempo aufeinander abstimmen und auf die anderen achten“, sagt der 65-Jährige, der vor über 40 Jahren seine Leidenschaft zum Beruf gemacht hat. Und diese Leidenschaft spürt man, wenn er durch seinen Laden wuselt, zwischen fertigen Rädern hindurch, unter Rahmen her, die an der Decke hängen für Maßanfertigungen, oder wenn er einfach an der Ladentheke seinen Gästen einen Kaffee kredenzt. Milch, Zucker – alles da. Auch etwas zum Umrühren? Marzi zaubert eine gebogene Speiche hervor, putzt sie ab: „Die ist noch keinen Meter gefahren, aber seit zehn Jahren wird damit der Kaffee umgerührt.“ Und da ist es wieder, dieses freundliche Lächeln, das allzu gerne zu einem verschmitzten wird.

Gar nicht lachen kann er über die Radler, die ihren Drahtesel zur „Tour de Ahrtal“, die morgen zwischen 10 und 18 Uhr stattfindet, aus dem Keller herausholen, verstaubt und nicht gewartet, und sich dann wundern, dass etwas kaputtgeht. „Auf der Strecke darf nichts kaputtgehen, wenn das Rad professionell gewartet wird – und es geht auch nichts kaputt“, so Marzi.

Darauf verlassen sich etwa Peter Schumacher und Fritz Jaax (siehe Artikel unten). Marzis Freund Schumacher sagt mit einem Lächeln: „Bei den anderen geht auch nichts kaputt, nur beim Bernd.“ Dann, wenn Marzi bei einer Radtour konzentriert auf den Asphalt schaut, in einen Lkw kracht und der Rahmen bricht. Während er die Geschichte erzählt, muss er selbst schmunzeln.

Natürlich fährt Marzi selbst gerne Rad. Seine Touren haben ihn die Welt sehen lassen. Eine führt ihn immer wieder zu seinem „Seelenverwandten“. Zu Don Justo, dem heute 85-Jährigen, der seit 49 Jahren im Ort Mejorada del Campo, 20 Kilometer von Madrid entfernt, seine Kathedrale des Glaubens baut. „Ich habe 1994 über ihn gelesen“, so Marzi. Dann habe er ihm einen Brief geschrieben. Er wolle nach Mejorada del Campo kommen, einen Stein aus Engelgau mitbringen, der dann in der Kirche gegen eine Spende verbaut werde. Marzi erhielt keine Antwort. Trotzdem fuhr er 1996 mit dem Rad hin. Den gravierten Stein im Gepäck, erreichte er sein Ziel. Das war der Beginn einer Freundschaft. Und die hat auch etwas mit der schwarzen Baskenmütze zu tun. Immer, wenn er am Fuß der Pyrenäen ankommt, kauft er sich dort eine neue Mütze. Und woher kommt diese Seelenverwandtschaft mit Don Justo? „Genauso, wie der seine Kirche baut, mit einer solchen Sturheit und dem Durchhaltevermögen, genauso fahre ich Rad und repariere ich Räder.“