Rolf A. KluenterEin Wanderer zwischen den Welten

„Alle Ausstellungsstücke hat der Besucher hier auf Augenhöhe“, sagt Künstler Rolf A. Kluenter. Mit Ehefrau Kathy Kuai kehrt er Dienstag nach Shanghai zurück.
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Zülpich – Als Künstler Rolf A. Kluenter von Museumsleiterin Dr. Iris Hofmann-Kastner erfuhr, dass seine, eigentlich für 2015 geplante Ausstellung, vorgezogen sei und schon in diesem Jahr gezeigt werde, war der gebürtige Bürvenicher noch ruhig. „Doch als ich erfuhr, welche Daten für die Ausstellung abgesprochen waren, habe ich heftig geschluckt“, gesteht Kluenter.
Denn dem „Wanderer zwischen den Welten“, zwischen der meditativen Geistigkeit des Fernen Ostens und der Reduktion malerischer Mittel, die in der westlichen Kunsttradition wurzeln, sind Zahlen ganz wichtig. „Am 22. Oktober vor 13 Jahren habe ich meine Frau Kathy Kuai in Zülpich geheiratet. Die Hochzeitsnacht verbrachten wir auf der Autobahn Richtung München, wo Kathy als Schauspielerin am 23. Oktober für den Film „Ghetto Kids“ vor der Kamera stand. Und am 24. Oktober wurde in München meine Ausstellung eröffnet.“
18 Jahre in Kathmandu
Rolf A. Kluenter wird 1956 in Bürvenich geboren. Nach seinem Kunststudium an der Akademie in Düsseldorf erhält er dort 1980 ein Stipendium und geht nach Nepal.
1982 wird er Gastdozent an der Tribhuvan University in Kathmandu, studiert klassisches Tibetisch und Sanskrit, um original buddhistische Texte studieren zu können. 1983 organisiert Kluenter das erste „European Art Film Festival“ in Kathmandu.
Er zieht nach Shanghai, heiratet 2001 seine Frau Kathy Kuai, 2006 wird sein Sohn Richard Cornelius geboren. 2012 beginnt Kluenter sein Projekt „Kleiner Kosmos Felsenkeller“ in Bürvenich.
Die Ausstellung „Blue Moon Over Wet Monsoon“ in den Römerthermen ist noch bis zum 22. Februar zu sehen. (ces)
Genau 13 Jahre später, am gestrigen Freitag, 24. Oktober, eröffneten die „Römerthermen Zülpich – Museum der Badekultur“ Rolf A. Kluenters Ausstellung „Blue Moon Over Wet Monsoon“. Sie zeigt viele Schlüsselarbeiten von Rolf A. Kluenter, die während seines 18 Jahre langen Aufenthalts in Kathmandu, Nepal, von 1980 bis 1998 entstanden. „Diese Arbeiten werden auch immer in meiner Familie bleiben“, sagt Kluenter.
Zum ersten Mal werden in den Römerthermen drei verschiedene Werkgruppen zusammen ausgestellt, die einen gemeinsamen Nenner haben: das Thema Wasser. „Das war meine Bedingung, als Rolf A. Kluenter mich fragte, ob er in unserem Haus ausstellen könne“, sagt die Museumsleiterin. Und die Verbindung von Wasser und Buddhismus sollte eine wesentliche Rolle in der Ausstellung spielen.
„Einige Tage später hatte ich ein ausgereiftes Konzept für die Ausstellung auf meinem Computer“, erinnert sich Hofmann-Kastner schmunzelnd. „Viele Künstler fragen an, in den Römerthermen ausstellen zu dürfen. Aber wir lassen nicht jeden rein.“
Während im Ausstellungsraum der Römerthermen neben zehn Gemälden auch drei Installationen zu sehen sind, werden in der „Kathedrale“ des Museums vier Kurzfilme gezeigt. In dem Film „Hiti Spout“ sehen die Besucher Kluenters achtjährigen Sohn Richard beim Händewaschen in Shanghai. Darüber geblendet sind Kluenters Hände beim Waschen in Bürvenich zu sehen, wie er dem Sohn Wasser „ins Gesicht spritzt“ – der Vater den Sohn segnet.
Die Gemälde Kluenters sind auf nepalesischem Büttenpapier entstanden. Die faserige Rinde der Pflanze „Daphne“, die nur oberhalb von 1500 Metern im Himalaya wächst, wird gestampft, in Wasser aufgelöst und zu einem Brei gekocht. Kluenter färbte es schwarz mit Kohlenstaub und bemalte es, meist in blau und weiß. Im Ausstellungsraum sind Kluenters Installationen, unter anderem ein überdimensionales Faltbuch, wie es nepalesische Priester für ihre Ritualtexte bei sich tragen, zu sehen. Erstmals steht das Faltbuch auf Stelzen, diese sind beschwert durch alte Gewichte, die Kluenters Großvater gehörten. „32 Jahre hatte ich dafür gekämpft, Distanz zu meiner Heimat zu kriegen. Mit meiner zweijährigen Arbeit für den „Kleinen Kosmos Felsenkeller“ im Heilpädagogischen Zentrum Bürvenich habe ich sie, habe ich mich verloren und durch die Ausstellung wiedergefunden.“
