T.W.N.-Triumph-Motorräder125 Besitzer der historischen Räder trafen sich in Schleiden

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Mit seiner T500, Baujahr 1930, war Wendelin Grimm (M.) aus der Nähe von Augsburg zum T.W.N.-Treffen gekommen.

Schleiden – 125 Besitzer historischer Triumph-Motorräder aus der Nürnberger Produktion, die 1956 eingestellt wurde, waren in den vergangenen Tagen in der Eifel unterwegs. Zu ihren Ausfahrten starteten sie vom Hotel Eifelkern. Dort war auch ein kleiner Teilemarkt aufgebaut, zudem fanden die obligatorischen Benzingespräche statt.

Einmal im Jahr veranstaltet die Triumph Motorrad IG Köln, es ist eine von mehreren Interessengemeinschaften in Deutschland, eine Art Klassentreffen der Fahrer und Fans der zwischen 1903 und 1956 in Nürnberg gebauten Motorräder. Die Zuordnung ist relevant, denn Bikes aus der bekannteren britischen und US-amerikanischen Produktion haben ihre eigenen Fantreffen.

Einfahrt unter Tage ins Besucherbergwerk

Die in Schleiden angereisten 125 Teilnehmer, 100 davon kamen aus Deutschland, waren zum Teil schon gemeinsam im schweizerischen Luzern oder im österreichischen Zell am See. Nun kamen sie in die Eifel, ein Bikerparadies bekanntermaßen.

Der „Tiger“ von Wieland Gühne war ein echter Hingucker beim Messerschmitt-Treffen.

Ausfahrten über rund 130 Kilometer ins Hohe Venn, nach Monschau und Nideggen sowie eine zweite Runde über rund 110 Kilometer nach Bad Münstereifel, Blankenheim und Marmagen gehörten zum Programm. Dazu gab’s etwa eine Einfahrt unter Tage für die Biker beim Abstecher ins Besucherbergwerk Grube Wohlfahrt in Rescheid.

T.W.N.-Räder mindestens 63 Jahre alt

Ebenso wichtig wie die gemeinsamen Ausfahrten ist den Triumph-Freunden der Austausch mit Gleichgesinnten, also die Benzingespräche. Schließlich treffen sie sich in solch großer Zahl nur einmal im Jahr. 360 Mitglieder habe die IG, so Albert Richter aus Köln, Organisator des Jahrestreffens. Wesentlich mehr der mit Unterbrechungen ab 1903 unter der Markenbezeichnung T.W.N. (Triumph Werke Nürnberg) gebauten Maschinen seien aber noch unterwegs, so Richter: „Wir schätzen, es sind insgesamt 2500 bis 3000.“ Sie sind mindestens 63 Jahre alt, denn 1956 wurde die Firma in die Triumph-Adler AG umgewandelt, die nur noch Büromaschinen herstellte.

T.W.N.

Mit der Bezeichnung T.W.N. (Triumph Werke Nürnberg) wollten sich die mittelfränkischen Motorradbauer von der ungleich erfolgreicheren Triumph Motorcycles Ltd. aus dem britischen Hinckley abheben.

Beide Triumph-Werke haben allerdings einen gemeinsamen Gründer: den 1884 aus Nürnberg ausgewanderten Kaufmann Siegfried Bettmann. Er hatte 1887 eine erste Motorradproduktion in England aufgebaut, aus der in Nürnberg 1896 das Tochterunternehmen New Triumph Co. Ltd. hervorging.

Für die Puristen der Bikes aus deutscher Produktion ist allerdings die abgekürzte Herstellerbezeichnung das Maß aller Dinge. 1956 wurde die T.W.N. von Max Grundig übernommen und in die Triumph-Adler AG umgewandelt, die nur noch Büromaschinen herstellte.

Für die Freunde der T.W.N-Triumph-Motorräder gibt es mehrere Interessengemeinschaften (IG). Die geografisch nächstgelegene ist über Albert Richter in Köln erreichbar ist (Tel. 0176/99994002). Es gibt neben den Jahrestreffen mit der Mitgliederzeitschrift „Der Triumph Bogen“ ein Forum mit Reparaturtipps, Restaurierungs-Dokumentationen, Berichten von Ausfahrten, Ersatzteilehandel sowie den Produkten eines Merchandise-Shops. Im Fachblatt wird auch das Jahrestreffen 2020 angekündigt. (sli)

Restaurierung des alten Bikes war gar nicht so schlimm

Richter hat von seinem Vater eine B 200, Baujahr 1936, geerbt, die 50 Jahre im Keller stand, bevor er sich an die Restaurierung machte. Ähnlich wie ihm erging es offenkundig gleich mehreren der angereisten Triumph-Fans: Sie besitzen ihr Bike schon lange, ob geerbt oder mal günstig gekauft, und haben es lange Zeit eher unbeachtet gelassen. „Meine Boss von 1950 habe ich als junger Mann für 50 Mark bekommen. 40 Jahre lang stand die nur rum“, so auch Wolfgang Zimmermann aus Cuxhaven. Er habe sich eigentlich ein neues Motorrad kaufen wollen. Doch seine „bessere Hälfte“ verwies auf das vorhandene alte Bike. „Mach’ die erst mal fertig!“, habe ihm die Ehefrau nahegelegt.

Was dann bei der Restaurierung der Boss auf ihn zukam, war gar nicht so schwer. „Die Triumph galt immer als schrauber-freundlich“, so Albert Richter. Unter anderem, weil man bei vielen historischen Baureihen das Getriebe ausbauen kann, ohne den Motor gleich mit abzuschrauben. Weil man die Räder untereinander tauschen kann. Oder weil bei einigen Modellreihen die Kette in einer geölten Kapsel sicher verpackt und so besonders wartungsarm ist.

Schneewittchensarg mit Tiger auf dem Dach

Ein weiteres Treffen von Freunden historischer Fahrzeuge fand in Hillesheim statt. 120 Besitzer des liebevoll Schneewittchensarg genannten Messerschmitt-Kabinenrollers aus ganz Deutschland trafen sich dort.

Mit seinem seltenen TG500-Roller, „Tiger“ genannt, war Wieland Gühne aus Remscheid in die Vulkaneifel gekommen. Mit einem Stoff-Tiger und Riesen-Steckaufzieher auf der Plexiglashaube und dem Heck inklusive. 20 PS hat sein Roller und erreichte einmal 120 km/h Spitze. Für Messerschmitt-Fans ist dies zugleich Topmodell und atypische Sonderkonstruktion. Die meisten Fans besitzen nur die dreirädrigen Modellvarianten. Der „Tiger“ aber hat vier – und ist damit fast schon ein Auto.

Das Rollermobil mit der typischen Schwenktür war 1948 von Konstrukteur Fritz M . Fend zur Serienreife entwickelt worden und wurde bis Mitte der 1960er Jahre gebaut. Der Eineinhalb-Sitzer, hinten ist Platz für ein Kleinkind oder etwas Gepäck, war ursprünglich gezielt als Fahrzeug für Menschen mit Behinderung entworfen worden. (sli)

Die genialste Konstruktion bei einigen historischen Modellreihen sei allerdings etwas ganz anderes, eher Unscheinbares, hieß es beim Benzingespräch. Die Triumph habe schon früh einen Leerlauf-Tritthebel gehabt. Der sei ideal, wenn man schnell runterschalten muss, um etwa schnell an der Ampel zum Stillstand zu kommen.

Liebe erst auf den zweiten Blick – aber dann für immer

„Und die Triumph war immer besonders zuverlässig“, sagte Wendelin Grimm. Er war aus Kühlenthal bei Augsburg mit einer Rarität auf dem Hänger angereist: Eine T 500 (500 Kubikzentimeter Hubraum), Baujahr 1930. Beim Treffen in Schleiden war sie eine der ältesten Maschinen. Auch er ist ein Spätberufener. Ein Bekannter hatte ihm das Motorrad mit zwei Ledersitzschalen, das zuvor 32 Jahre ungenutzt in der Garage stand, vor zehn Jahren verkauft.

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Der Neubesitzer hatte zuerst eigentlich kein großes Interesse und lagerte die T.W.N. nur trocken ein. Doch das habe sich geändert: „Ich hänge dran“, so Grimm. Es ist offenbar ein spezielles Motorradgefühl: Geht es um die deutsche Triumph, ist es eine Liebe auf den zweiten oder dritten Blick. Dann aber wohl für immer.

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